Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501443
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Berichte, 
Erörterungen 
Kritiken, 
desselben auf das Augc des Beschauers weniger ansprechend,  um so 
weniger, als wir gegenwärtig durch die überwiegende Mehrzahl der Lei- 
stungen norddeutscher Malerei gerade an eine vorzügliche Behandlung der 
Farben (und was in deren Bereich gehört) gewöhnt Silld- Ein ifoßknel", 
im Einzelnen sogar schwerer Ton vertritt hier die Stelle jener warmen, 
elastischen Geschmeidigkeit in den nackten Körperformen, eine nicht ganz 
harmonische Zusammenstellung der Farben stösst das Auge ab; auch der 
Luft fehlt es an der wünschenswerthen freien Durchsichtigkeit und Tiefe. 
Doch ist die Begleiterin der Thctis, welche auf dem Muschelwagcn sitzt, 
vornehmlich ihr Kopf, trefflich gemalt, und lässt es erkennen, dass Henning 
auch wohl dieses Theiles der künstlerischen Technik mächtig sein kann; 
ebenso sind die Wellen des Meeres leicht und in klarer Bewegung. WVas 
wir dagegen bei Sohn zum Theil vermissten, das bildet einen eigenthüm- 
liehen Vorzug des Henningschen Gemäldes. Die Zeichnung ist grossartig 
und correct, die Modellirung sicher und wohlgelungen, vornehmlich aber 
die Composition des Ganzen zu loben. Die beiden Gestalten der Thetis 
und des Achilles stehen zu einander in einem schönen, edlen WVechsel- 
verhältniss der Linien, sie füllen den Raum auf eine befriedigende Weise 
und gewähren somit eine bedeutende Totalwirkung; ebenso ist der Cha- 
rakter beider, den plastischen Gestaltungen des Alterthums gemäss, ernst 
und würdig gehalten. Das Bild hat im Ganzen einen mehr dekorativen 
Charakter (im guten Sinne des Wortes), etwa nach Art der Freskomalerci; 
unter entsprechenden architektonischen Umgebungen würde es gewiss von 
grösserer Wirkung sein, als in dem bunten Wechsel einer Ausstellungs- 
Gallerie, wo freilich der Reiz in der malerischen Behandlung zunächst den 
Besehauer anziehen muss. 
Unter den übrigen Gemälden Hennings ist zunächst sein David (N0. 
309) zu erwähnen, eine fast nackte jugendliche Gestalt, sitzend, die eine 
Hand auf der Schleuder, mit der andern in begeisterter Bewegung nach der 
Harfe greifend. Auch hier eine ähnliche, doch schon mehr gemässigte, 
Strenge -und Trockenheit der Farbenbehandlung, auch hier aber ebenso eine 
treftliche Zeichnung und geistreiche Anordnung der Gestalt.  Andre Bil- 
der von Henning gehören in andre Fächer der Malerei. Zu den bedeu- 
tendsten sind unter den bisher ausgestellten vornehmlich zwei Charakter- 
Figuren, Kniestücke in Lebensgrösse, zu zählen: No. 310, Ein Ordens- 
Geistlicher mit seinem Chorknaben zur Messe gehend (in der 
Marcuskirche zu Venedig) und No.311, Ein armenischer Geistlicher, 
welcher das Weihwasser nimmt (in der Roger-Kapelle zu Palermo). 
Bei diesen Bildern kam es vorzugsweise auf geistreiche Naturnachahmlzng 
und lebendigere Behandlung der Farbe an, und wir finden hier diesen Er- 
fordernissen ungleich besser genügt als an dem grossen Gemälde des Achil- 
les, wozu allerdings der Umstand, dass bei Darstellungen der Art eben 
genau nach passenden Modellen zu malen ist, günstig mitgewirkt haben 
mag. Vornehmlich idünkt uns das erstgenannte Gemälde  der würdige 
Greisenkopf, die auf dem verdeckten Kelch ausgestreckt ruhende Hand, 
die zierliche Stickerei des Messgewandes, sowie der jugendlich heitere 
Kopf des Chorknaben wohlgelungen; das Ganze giebt in dem ruhigen Ernste 
der Gestalten das ansprechende Bild frommer Sitte.  Das Bild eines ita_ 
lienisehen Mädchens, welches sich das Haar macht, N0. 312, 
ist ebenfalls, durch geschmackvolle Anordnung im Baum, SÜWiC durch 
wohlgeluxigene Ausführung und Naturwahrheit in den Stoffen beachtens-
        

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