Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501332
Abbildungen 
geschnittex 
Steine 
und 
Madaillen. 
165 
relief gearbeitet ist, hievon ein vorzügliches Zcugniss giebt). Für beliebig 
zu bestimmende geringere oder grössere Zwischenräume der Linien ist 
durch eine besondere Einrichtung gesorgt. Der über dem ltelief hinlau- 
t'cnde und der radirende Stift opcriren ferner in entgegengesetzter Bewe- 
gnng, so dass das Bild auf der Platte umgekehrt, beim Abdruck hingegen 
in der richtigen Lage erscheint. Eine sehr zweckmässige Einrichtung ist 
die, dass bei sehr mattem Relief des Gegenstandes (wie so vielfach bei 
Münzen), durch besondere Stellung der Platte gegen letzteren, eine grüssere 
Schattenwirkung hervorgebracht, und dass umgekehrt bei starkem Relief 
die grössero Schattenwirkung verringert werden kann, ohne dass dabei 
das richtige Verhältniss der Modellirung gefährdet wird; beides ist in vic- 
len Fällen zur grösscrcn Deutlichkeit und zur grössern Klarheit der Ab- 
bildung höchst wünschenswerth. Die Maschine kopirt Reliefs vom klein- 
sten Umfange bis zu solchen, die 8 Zoll im Durchmesser haben; auch 
für grössere Arbeiten ist sie ohne sondcrliche Schwierigkeit einzurichten. 
Die Arbeit mit der Maschine erfordert nur eine geringe Uehung; beim 
Einspannen der Gegenstände kommt es, ausser der oben erwähnten Be- 
rücksichtigung des höheren oder schwächeren Reliefs, vornehmlich nur 
darauf an, von welcher Seite man das Licht annehmen will. Da die Lich- 
seite durch das Auseinandertreten der Linien entsteht, so fällt hier natür- 
lich die Dctailbildung nicht so deutlich aus, wie auf der Schattenseite, 
wo die Linien enger zusammenlaufen; es werden also die Theile des 
Gegenstandes, deren genauste Deutlichkeit vorzüglich wünschenswcrth 
ist (wie bei Gesichtern das Profil) stets in den Schatten zu legen sein, 
u. s. w. Die Radirung einer Medaille von mittlerer Grösse ist in wenig 
Stunden zu vollenden (auch das Actzen, da. es vollkommen gleichförmig 
geschieht, ist eine einfache Operation), während ein gleich eleganter 
Kupferstich desselben Gegenstandes aus freier Hand nicht in eben so viel 
Wochen auszuführen ist; die Kosten werden demnach sehr beträchtlich 
verringert. 
Die Vortheile, welche diese Maschine gewährt, sind also im höchsten 
Grade bedeutend. Medaillen, Münzen, geschnittene Steine u. dergl. sind 
mit leichtester Mühe, mit den geringsten Kosten, in grösster Treue und 
Eleganz zu vervielfältigen, und werden ebenso sehr dem allgemeinen Ge- 
fallen an diesen Werken als vornehmlich dem wissenschaftlichen Studium 
sich in ungleich ausgedehnterer Weise als früher darbieten. Die Publi- 
kation wichtiger Sammlungen dieser Art wird ohne alle namhafte Schwie- 
rigkeit zu bewerkstelligen sein; und vornehmlich dürfen wir hoffen, die 
ausserordentlichen Schätze des Berliner Museums in solcher Weise bald 
verallgemeinert zu sehen, da die erste von Hrn. Wagner gefertigte C0pir- 
maschine bereits auf Befehl Sr. Majestät des Königs angekauft und dem 
Museum zur Benutzung überwiesen werden ist. Dem jungen Meister aber, 
Welcher die sinnreiche Coustruction derselben erdacht und ausgeführt hat, 
ist V00 Seiten der Kunst und der Wissenschaft gebührender Dank zu zollen. 
Zwar mag hier bemerkt werden, dass die verschiedenen Erfindungen 
neuerer Zeit: den Kunstbetrieb durch Maschinen-Arbeit zu vereinfachen, 
von manchen Seiten scheel angesehen werden. Man meint, dass hiedurch 
die freie Kunstbildung werde beeinträchtigt, der lebendige Schöpfungs- 
trieb werde gehemmt werden. In der That könnte es bedenklich schei- 
nen, wenn nicht auch gißißillcitig ein wirkliches Kunstleben in glänzender 
Kraft angebrochen wäre. So aber können wir mit Gewissheit darauf rech-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.