Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501224
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Berichte, Kritiken, Erörtern: 
lgen. 
die neuste Kunst hervorgebracht hat. In wenigen aber dürfte Anrnuth, 
Hoheit und Rührung in gleichem Grade vereinigt, in wenigen ein so hol- 
des und. zartes Verhältniss vorgezeichnet, und bei der Darstellung schöner 
Kleidungsstoffe und Geräthe (Welche die romantische Kunst, wie einst die 
der Venetianer, liebt) zugleich Gelegenheit zur reizvollen Entfaltung edler 
Körperformen gegeben. sein. Uns scheint jene einfache Schilderung in der 
'l'hat Anlass zu dem anrnuthsvollsten Gemälde zu bieten. 
Englische 
Radirungen. 
(Museum 
1836, 
Die Engländer sind unerschöpflich in der komischen Kunst; sie wissen 
Alles in den Bereich ihrer Karikaturen hineinzuziehen. Ein neues Beispiel 
der Art liegt uns so eben vor; The Comic almanackfor 1836, ein komischer 
Almanach, mit 12 Monatskupfern von GeorgeiCruikshank geschmückt. 
Es sind die ergötzlichsten Zerrbilder englischer Sitte und Gewohnheit, mit 
derselben genialen Uebertreibung, denselben täppiseh dämonischen Phy- 
siognomieen, die aus den anderweitigen zahlreichen Werken dieses Künst- 
lers bekannt sind und die immer wieder unser Interesse erregen. Cruik- 
shank's Radirnadel ist wie der Stab in der Hand des Zauberers; wo sie 
nur das Kupfer berührt, tauchen stets aufs Neue die seltsamsten Gestalten 
in verwunderlichster Leibhaftigkeit hervor. Er steht in genialer Phantasie 
dem Jacques Callot würdig zur Seite. 
Jcremias 
auf 
den 
Trümmern von Jerusalem 
E. Bendemann. 
Oelgemälde 
VOII 
(Museum 
183a, 
Betrachtet man unsre jüngste schöngeistige Literatur, die Urtheile, 
welche über sie und ihren möglichen Einfluss auf den Geist des Volkes 
laut geworden sind, die mächtigen Anstrengungen, welche man aller Orten 
zur Unterdrückung dieses vorausgesetzten Einflusses erhoben hat, so muss 
man glauben, dass wir in einer Zeit der Verwirrung und Auflösung leben, 
und dass uns für die nächste Zukunft keine sonderlich freudige Hoffnung 
bleibt. Alles, was Unbefaugenheit, Gesundheit und nachhaltige Kraft in 
geistiger Produktion anbetriflt, scheint verloren, und jenseit dieses künst- 
liehen Raketenfeuers unsrer modernen Literatur wähnt das Auge nur auf 
leere, ausgebrannte Hülsen zu stossen. Doch aber ist es eine etwas ein- 
seitige Voraussetzung, wenn man nach wenigen Bogen bedruckten Papiercs 
den Geist der gesammtcn deutschen Jugend zu beurtheilen, aus ein Paar
        

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