Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501158
Promenades 
dyu 
I) 
artiste. 
147 
bleib bekannt gewordener Bilder, und endlich von in der Arbeit befindlichen 
Werken. 
6. Ob eine Nachweisung der erschienenen Kritiken in hiesigen und auswär. 
Ligen Blättern, sei es bei den einzelnen Bildern, oder auch nur im Allgemeinen, 
an ihrem Platze sein werde, mag wenigstens als Frage aufgestellt werden. 
Der Verfasser dieser Andeutungen wünscht recht sehnlichst, dass die- 
selben von einem dazu Berufenen mit Liebe und Eifer verwirklicht werden. Er 
hält sich überzeugt, damit den Wunsch einer grossen Zahl von Knnstfrennden 
ausgesprochen zu haben; er kann daher auch nicht bezweifeln, dass das bespro- 
chene Büchleinsich neben andern Unternehmungen, denen es auf keine Weise 
in den Weg tritt, seine Bahn brechen werde. 
Promenades d'un artiste. Bords du Rhin, Hollande, Belgique. 
26 gravures (Yaprös Stanfield et Turner. Paris. 
Avec 
(Museum 
183a, N0. 
Das vorliegende Werk ist eine französische Beschreibung der Rhein- 
reise, mit englischen Stahlstichen geschmückt. Diese Stiche gehören wie- 
derum zu den reizendsten Erzeugnissen der englischen Kunst; sie haben 
nicht bloss die zarteste technische Vollendung, sondern auch jene ei- 
genthümlich geistreiche Auffassung, welche die englischen Landschaften 
auszeichnet. Ohne im Allgemeinen auf einen gesuchten und übertrie- 
benen Effekt auszugehen, ist hier ein Glanz der Lüfte, eine Klarheit 
des Farbentons, ein deftiger Hauch erreicht, welcher mit Claude Lorrain 
um den Vorrang zu streiten scheint, und doch das Ganze überall in einer 
Kraft und Energie gehalten, in einer Lebendigkeit des Details ausgeführt, 
die nichts zu wünschen übrig lässt. Es ist merkwürdig, wie die landschaft- 
lichen Stiche der Engländer so höchst meisterhaft sind, während in ihren 
Darstellungen menschlicher Figuren fast durchgehend die unerfreulichste Flau- 
heit und Charakterlosigkeit herrscht. Auf Portraitwahrheit muss man frei- 
lieh, wie dies insgernein bei ihren Landschaften der Fall ist, keinen An- 
spruch machen; die besonderen Situationen, welche der Künstler darstellt, 
haben nur das Motiv gegeben, das sodann mit grösstrnöglicher poetischer 
Freiheit bearbeitet worden ist. Bei Heidelberg sieht man, statt auf die 
freie Rheinebene, in einen Gebirgskessel hinein, in dem der Neckar wie 
ein S96 Schwimmt; der Strassburger Münster ist ganz und gar ein eng- 
lischer Dom geworden, und die eine fehlende Thurmspitze ist Alles, was 
von Aehnlichkeit übrig geblieben. Aber das thut nichts, die Bilder 
Sind doch Schön; und sind sie nicht als Erinnerungsblätter zu gebrallßhenr 
so benimmt das ihrem eigentlich künstlerischen Werthe nichts.
        

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