Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501118
Ornamerlten-Zeichnungs-Schule in 
100 Blättern. 
143 
Ornamentcn-Zcichnungs-Schule in 100 Blättern, für Künstler, 
Manufacturisten und Gewerbsleute. Gezeichnet und herausgegeben von 
Bildhauer Conrad Weitbrecht, Modelleur für die König]. Württemb. 
Eisengiesserei und Professor im Ornamcntenfache bei der Königl. Gewerb- 
schulc in Stuttgart. 6 Hefte in F01. Stuttg. bei d. Verf, 
(Museum 
1sss, 
Im _Fache'der Ornamentik spricht sich der allgemeine künstlerische 
Geschmack einer Zeit aus. Die strengeren oder weicheren Formen des 
Ornamentes, der Schwung und Fall seiner Linien, die besondre Weise, 
wie die Gegenstände der Natur nachgeahmt, wie äusserlieh heterogene 
Theile zu einem Ganzen verknüpft werden, alles dies und was sonst hieher 
gehört, rnodificirt sich nach dem mehr oder minder reinen Gefühle für die 
Form, nach dem edleren oder gemeineren Bedürfnisse des Auges. Nur in 
einer wahrhaft gebildeten Zeit sieht man in den Formen des Ornamentes 
Maass und Verhältniss durchgeführt, entwickelt sich in ihnen eine eigen- 
thümliche Kraft und Elasticität, durchdringt sie ein innerer Organismus, 
dessen Gesetz auch das freiste Spiel der Phantasie vor YVillkür bewahrt. 
Es ist ein glückliches Zeichen unsrer Zeit, dass das Studium des 
Oruamentes wieder mit Ernst und mit Bewusstsein von der Bedeutsamkeit 
des Gegenstandes ins Leben tritt, dass man die Muster vergangener grosser 
Kunstperioden aufsucht, die in ihnen waltenden Principien in das eigne 
Gefühl aufzunehmen sich bemüht und unter solcher Leitung zu selbstän- 
digen Productionen fortschreitet. Unser Sinn verlangt aufs Neue nach einer 
schöngestalteten Umgebung und die Caprice einer blossen Mode beginnt 
im Werthe zu sinken.  r 
Unter den zur Oeffentlichkeit gekommenen Bestrebungen für künst- 
lerische Ausbildung des Ornamentes verdient das vorliegende Werk eine 
ehrenvolle Erwähnung. Dasselbe ist vornehmlich aus den Studien der 
klassischen Kunst, welche der Verfasser in Florenz. Rom, Neapel auszu- 
führen wiederholte Gelegenheit hatte, entstanden und enthält, neben eignen 
Compositionen des Verfassers, eine Auswahl der treftliehsten, zum Fache 
der Ornamentik gehörigen Gegenstände des griechischen und römischen 
Alterthums. Es ist dem Unterrichte, den der Verfasser in der Gewerb- 
schule zu Stuttgart ertheilt, zu Grunde gelegt und hat sich daselbst bereits 
durch einen glücklichen Erfolg bewährt, auf den es auch an andern Orten 
Anspruch machen dürfte. 
Der nächste Zweck des Werkes geht auf Uebung im Zeichnen des 
Ornarnentes und demgemäss ist die äussere Einrichtung angeordnet. Die 
Ausführung ist in lithographischer Kreide, die sämmtlichen Gegenstände 
in der für Vorlegeblätter n-öthigen Grösse gezeichnet. Das erste Heft be- 
ginnt, wie es bei-einem solchen Zwecke erforderlich war, mit einzelnen, 
geraden und krummen Linien, aus denen sodann), im Verlauf desselben 
und der beiden folgenden Hefte, zur Zusammensetzung einfacher und rei- 
cherer Ornamentformen bis zu den kunstvollsten Gestaltungen fortgeschritten 
wird_ Bei dem grössten Theil der zusammengesetzten Gegenstände ist mit 
einfachen leichten Linien das Skelett des Ornamentes vorgezeichnet, um 
den Schüler zu unterweisen, Wie die Grundlinien und Hauptfornien be-
        

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