Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501096
Die Loreley 
des I-Irn. 
Prof. 
Begas. 
141 
verschlungen. Die Füsse sind nackt. Das blonde Haar wallt frei über 
den Rücken hinab und wird leicht vom Winde gehoben; das Haupt ist 
mit einem zierlich phantastischen Iläppchen bedeckt. Sie hat eben ihren 
Putz beendet; der goldne Kamm und Spiegel, das Salbgefäss aus Bernstein, 
liegen und stehen zu ihren Füssen. Da kam den Rhein herab ein Nachen 
mit zweien Männern gefahren; eilig ergriff sie die Laute und sang dazu 
ihr verderbliches Lied, welches den Nachen in die Strudel her lockte, die 
ihn hastig verschlingen. Sie neigt ihr Haupt über den Abhang, und blickt 
auf ihre Beute hinab, indem sie nur noch leise den Accord ihrer Laute 
nachklingen lässt. 
Es ist ein verlockendes Weib. Wie zart, wie rein und weich sind 
diese Formen, welch ein süsser, rosiger Schmelz ist darüber hingebreitet! 
In dieser Schönheit beruhte ihre Zaubcrkunst. um deren willen sie einst 
der Bischof zu Gerichte ziehen liess; die Zauberkunst, von der sie selbst, 
in Brentanols Godwy, singt:   
Meine Augen sind zwei Flammen, 
Mein Arm ein Zauberstab   L   
Die Augen sanft und wilde, 
Die Wangen roth und weiss, 
Die Worte still und milde, 
Das ist mein Zauberkreis. 
Ich selbst muss drin verderben, 
Das Herz thut mir so weh, 
Vor Schmerzen möcht" ich sterben, 
Wenn ich mein Bildniss sah. 
Ihr Gesicht, welches man im Profil sieht, vereinigt mit dem süssesten 
Liebreiz eigenthümliche Züge; es ist zart gebildet und doch trägt es im 
Ganzen mehr den Ausdruck von Macht und Gewalt, als hingebender Liebe. 
Die Stirn hat keine griechische Heiterkeit, sie ist hoch und über den 
Augen vorgewölbt; hier wohnen die schlimmen Träume und die Gedan- 
ken, die ihr keine Ruhe lassen und sie an den Verrath des Geliebten zu 
immer neuer Rache gemahnen. Die Nase ist fürstlich erhaben, dasKinn 
mädchenhaft zart und zurücktretend, der Mund zeigt den Ausdruck gleich- 
gültiger Befriedigung. Nur in der hastig emporgeschwungenen Augenbraue 
liegt etwas wie Lust und Freude an der Rache. Aber das grosse dunkle 
Auge selbst widerspricht dieser Lust; die trüben Schatten, die darüber 
liegen, geben ihm den Ausdruck nie endender Trauer. Das Auge Spricht 
es aus, was die Loreley in einem andern Liede, in Eichendorffs Ahnung 
und Gegenwart, singt: 
Gross ist der Männer Trug und List, 
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist, 
Wohl irrt das Waldhorn her und hin, 
O flieh! du weisst nicht, wer ich bin. 
Nachen, der unfen auf_dem_Strome vorübcfrgetrfeben ist, stürzt 
in den Strudel hmab. Dxe belden Manner, dm dnn sltzen, blicken 
Der 
iählings
        

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