Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501072
Burchardt Dörbeck. 
Franz 
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zum Theil keineswegs ungeübten Händen gezeichnet sind: diese tragen 
nichts in sich, was sie zu Darstellungen des Berliner Lebens- berechtigt. 
Die Dörbeckschen Blätter sind ein meisterhaft geschriebenes Kapitel in 
der Stadtgeschichte Berlins; sie werden unsern Nachkommen gerade in 
diesem Bezuge von unschätzbarem Werthe sein. Nicht minder ausgezeich- 
net, wie in diesen allgemeineren Verhältnissen, sind sie sodann auch in 
ihrer besoudern Durchführung. Stände und Charaktere sind überall auf's 
Bestimmteste geschieden; es ist nirgend, auch wo die Unterschrift keinen 
Fingerzeig giebt, ein Zweifel über das Metier der dargestellten Personen. 
In der Handlung, welche eben vorgeht, sind sie ganz und gar, vom Kopf 
bis zu den Zehen, gegenwärtig; Stellung, Bewegung, Miene, Alles spricht 
an ihnen, und der Vorgang des Ganzen ist nirgend unverständlich, auch 
wenn ihre Worte nicht darunter standen. Die Zeichnung ist untadelhaft 
und zeigt einen Blick und eine Auffassungsgabe für die Erscheinungen des 
Lebens, um die der Verfertiger von manchem renommirten Künstler zu 
beneiden sein dürfte; gerade diese schlagende Lebendigkeit, die sich bis 
auf das geringste Detail erstreckt, macht die Komik des Ganzen so unwider- 
stehlich. Die Ausführung ist freilich nur Skizze, doch stets dasjenige mit 
sicherstem Bewusstsein angedeutet, was eben zur lebendigen Charakteristik 
dient, so dass hiedurch allerdings eine leise Karikirung nothwendig wurde, 
die jedoch nirgend das Maass überschreitet, sich nirgend zur Unform hin- 
neigt. Die Arbeit ist durchweg geschmackvoll, so dass das Auge des Be- 
schauers gleich von vornherein angenehm bestochen wird. 
Ueber Dörbeck's Leben wissen wir nicht viel zu sagen; die wenigen 
Notizen, die uns von einem Freunde des Geschiedenen mitgetheilt sind, 
bestehen in Folgendem. Dörbeck wurde am 22. Februar 1799 zu Fellin 
(20 Meilen jeuseit Riga) geboren; sein Vater, ein Schneidermeister, liess 
ihn nach Kräften unterrichten. Im neunzehnten Jahre, als angestellter 
Graveur bei der kaiserlichen Bank zu Petersburg, verheirathete er sich, 
verlor jedoch seine Frau sehr bald durch den Tod und verliess aus Gram 
Petersburg, sowie seine Stelle, am Ende des Jahres 1819. Hierauf hielt er 
sich drei Jahre in Riga auf, erlernte dort die Kupferstechcrei und beschäf- 
tigte sich tleissig in dieser Kunst. Zum zweitenmale verheirathet, ging er 
unmittelbar nach der Hochzeit mit seiner Frau nach Berlin, um sich in 
der Kunst besser auszubilden;  er kam hieher im Jahre 1823. In Ber- 
lin hat er schlimme Zeiten durchlebt und nicht ohne grosse Mühe die Stufe 
erreicht, die er zuletzt einnahm. Seine zweite Frau verlor er nach langem 
Leiden an der Schwindsucht. Im Jahre 1833 heirathete er zum dritten 
Male und ist selbst zwei Jahre darauf an der Lungenschwindsucht gestor- 
ben. In der Kupferstecherei hat er, wenn auch nicht gerade Ausgezeich- 
netes, so doch tüchtige und brauchbare Arbeiten geliefert; im Zeichnen 
hat 61' fast gar keinen und nur verkehrten Unterricht genossen, hier ver- 
dankt er die glänzenden Erfolge dem eignen Talent und Fleisse. Sein 
Charakter im Ümgange war bieder und herzlich. Er hinterlässt eine 
WittWß mit einem Knaben, zwei Kinder zweiter Ehe,  und kein V91" 
mögen.  
        

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