Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499789
Berichte, 
Erörterungen. 
Kritiken, 
von A. Müller. Die fünf Hauptmomente des Gedichtes sind von dem 
Künstler besonnen aufgefasst und so dargestellt werden, dass sie auch ohne 
das Gedicht ein verständliches Ganze ausmachen. Wir sehen das Wachsen 
der Leidenschaft, den allmähligen Sieg des Bösen, die endliche Strafe. 
Vorzüglich ausgezeichnet schien mir das zweite Bild, da. der Graf die Saat 
niederzureiten im Begriff ist. Eine dreifache Handlung bewegt den Grafen; 
er hat die Hand mit der Knute gegen den armen Bauer, der flehend vor 
seinem Pferde steht, erhoben; der lichte Ritter zur Rechten ist vor-gesprengt 
und wehrt ihm mit der linken Hand, der dunkle Bitter zur Linken zieht 
ihn seitwärts über den Hag, dem Hirsche nach, in das Getreide. 'l'reftlicher 
Ausdruck in den Köpfen. Der linke Ritter trägt in allen Blättern unter 
dem spitzen Hut die  übrigens im Mittelalter gebräuchliche  Mephi- 
SWPTICIEPPKEIPPE, welche Kopf, Hals und einen Theil der Brust bedeckt 
und nur das Gesicht frei lässt. 
Christus, schlafend im Sturm auf dem See. nach Führich's 
Carton auf Stein gezeichnet von Eduard Schalter.  Während der Meister 
schläft, hat der Feind, der diese Frist benutzen zu müssen glaubt, die 
Wuth der Elemente entfesselt; das Schiftleiu scheint zwischen den Wasser- 
bergen, deren einer es gleich zu überstürzen droht, verloren; vorn fasst 
eine Welle, fast wie eine gespreizte Hand anzusehen, nach dem Schlafen- 
den. Auf dem Schilf ist höchste Angst; nur der eine von den Schiffern 
bemüht sich noch, des Segels Herr zu werden; der andre hat bereits das 
ohnmächtige Steuer aus den Händen gelassen. Alles drängt sich zu dem 
Meister, der in tiefem Frieden schlummert;  wir sehen es diesem Frieden 
an, dass aus ihm allein Hülfe zu kommen vermag. Alle Gestalten tragen 
das Gepräge eines hohen Adels, und wenn wir eine Parallele ziehen wol- 
len, so erinnern wir uns bei diesem Bilde vielleicht an Overbeck,  einen 
Namen, der durch keine früheren Jahrhunderte verdunkelt wird. 
 Zu Tieck's Genovefa hat Führich 15 Blätter geliefert, welche, wie 
die zum Gebet des Herrn, auch von ihm selbst radirt zu sein scheinen. 
Erläuternde Bemerkungen. Stellen des Gedichtes enthaltend, sind zur Er- 
klärung beigegeben. Wie warm und innig Führich dasselbe in sich auf- 
genommen und wiedergegeben hat, werden uns die einzelnen Blätter zeigen; 
Adel und Einfalt sind der Grundcharakter eines jeden. 
1. Titelblatt. Gothisch verschlungene trockne Baumzweige fügen sich 
zu einer Art Architektur, welche das Bild in drei Räume theilt. In dem 
mittleren Hauptraum ist eine Tafel mit der Inschrift des Titels befestigt; 
eine Lilie und eine Passionsblume neigen sich auf die Tafel. Darüber 
schwebt, von zwei Engeln getragen, die verklärte Gestalt derHeiligen. nur 
in ein weites Gewand gehüllt, wie wir sie später in der Wüste finden 
werden. Sie blickt nieder auf ihre Lieben; auf den kleinen Schmerzen- 
reich, der, unterhalb der Tafel, auf einer Steinplatte sitzend, ernst vor 
sich in die Höhe sieht und in dessen Schoos die Hirschkuh ihr trauriges 
Haupt legt, und auf Siegfried, ihren Gemahl. der knieend zu ihr empor- 
schaut und dessen ganze Geberde den Entschluss, Einsiedler zu werden 
an dem Orte, wo Genovefa litt, ausdrückt. Ueber ihm auf einem Zweige 
eine einsame Taube. Zur Linken des Siegfried, im Seitenraum, steht Karl 
Martell, dem jener gegen die Sarazenen gefolgt war, den einen Fuss und 
den Streithammer auf den Nacken eines Sarazenen gestützt. In dem an- 
dern Seitenraume steht die Verführer-in Gertrud; vor ihr, noch im Mittel- 
raum, sitzt Gele. Die Laute, zu welcher er einst süsse Lieder zu singen
        

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