Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500997
Besuch 
Ein 
München. 
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Vorgrunde, bereits beträchtlich eingeschlagen; fast alle sind durch den 
freehsten Muthwilleu, durch. Risse u. dergl. verletzt, und nur hie und da 
nothdürftig restaurirt. Ueber den Landschaften, in dem Rahmen, sind die 
bekannten Distichen angebracht, welche König Ludwig selbst für die ein- 
zelnen Bilder gedichtet hat. 
Den edelsten und grossartigsten Eindruck unter den historischen Fres- 
ken, welche dem Berichterstatter zu sehen vergönnt war, machen diejeni- 
gen, welche die Festsäle der Glyptotliek ausschmüclten und von Corne- 
lius entworfen, zum Thcil auch von ihm selbst ausgeführt sind. Es 
tragen diese Gestalten das Gepräge eines eigenthümlichen Adels; sie sind, 
wie sich die Aesthetiker ausdrücken, im hohen Style componirt; sie haben 
jene plastische Anordnung, jene strenge Bezeichnung der Formen, jenen 
reinen Styl in der Gewandung, vor Allem jenen Ausdruck heroischer 
Kraft, der für die Darstellung antiker Gegenstände erfordert wird. Einen 
höchst erfreulichen Eindruck macht der Göttersaal, indem hier ein tren- 
liches Verhältniss zwischen den einzelnen Gemälden unter sich, so wie 
zu den Hauptformen ihrer räumlichen Umgebung vorherrscht; im trojani- 
schen Saale ist dieses Verhältniss verloren und die kolossalen Gestalten 
der drei Hauptbilder sprengen die ohnedies (wie bereits bemerkt) nicht 
günstig dekorirte Architektur auseinander. Hiezu kommt noch, dass mehr- 
fach sich in diesem Saale gewisse mauieristische Uebcrtreibungen, in 
der Bewegung sowohl wie in der technischen Ausführung, vorfinden, die 
freilich nicht dazu dienen, den eben berührten Mangel wieder gut zu 
machen. Indess verkennen wir lrcinesweges, dass gleichzeitig die in 
eben diesem Saale enthaltenen Darstellungen theilwveise zu den gross- 
artigsten Schöpfungen des Meisters gehören; wir erinnern nur an die 
Composition der Eroberung von Troja, an jene Gruppe des Menelaos und 
Meriones, welche den gefallenen Patroklos aus dem Getümmel der Schlacht 
hinwegtragen, an die Entführung der Helena (grau in Grau auf goldnem 
Grunde u. s.  Ins Einzelne dieser Darstellungen einzugehen, ist nicht 
unsre Absicht; sie sind von Andern schon zur Genüge beschrieben. Wir 
glauben nur, dass wir den Wunsch vieler Freunde der Kunst aussprechen, 
wenn wir die Kunsthandlungen aufforderny die Schätze dieser bildlichen 
Dekorationen der Glyptothek im Umrisse oder leichten Radirungen heraus- 
zugeben; die verschiedenen Basreliefs, vornehmlich die höchst anmuthigen 
Arbeiten Schwanthalers, würden hiebei natürlich nicht auszuschliessen 
sein. Auch glauben wir, dass die Erlaubniss des hochsinnigen Stifters 
dieser Werke für ein solches Unternehmen nicht ausbleiben würde. 
Die Freskomalereien, welche unter der Leitung von H. Hess und 
nach seinen Cartons in der Allerheiligen-Kapelle ausgeführt werden. sind. 
nach byzantiniseher Weise, auf Goldgrund angeordnet. Die Gemälde bß- 
nnden SiCh an dem Gewölbe und den oberen Wänden dieses Gebäudes; 
der Raum der vordern Kuppel umfasst die bedeutendsten Ereignisse des 
alten Testümentes, der der zweiten Kuppel die Ereignisse und Gestalten 
des neuen. Es ist das Feierliche und Erhabene, welches der Goldgruud 
bedingt, hier im Allgemeinen mit grossem Glück aufgefasst und eigen- 
thümlich belebt; das Ganze wird nach seiner Vollendung gewiss einen 
wunderbaren und überwältigenden Eindruck hervorbringen. Aber ich meine, 
der hemmende Eintluss, welchen der Goldgrund dnrchhin bei den Dar- 
Stenungen wirklicher Ereignisse und Handlungen ausübt, stimmt im We- 
Senqichen (10011 nur mit der Gefühlsweise einer noch befan-genen Zeit,
        

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