Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500966
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Berichte, 
Kritiken. 
Erörtwungen 
lich auch das alte Isarthor, welches eine Reminiscenz an die mittelalter- 
lichen Zustände der Stadt bildet und als solche wiederhergestellt ist, mit 
einem grossen historischen Freskogemälde durch Neher geschmückt. 
Nicht minder sind die grossartigsten Unternehmungen für Sculptur ein- 
geleitet. In den meisten der genannten Gebäude sind die Dekorationen 
des Innern mit bedeutenden Reliefs versehen, welche von verschiedenen 
Künstlern herrühren. Vornehmlich herrscht in Schwanthalers Atelier die 
grösste 'l'hätigkeit. Eine Reihe von Kolossalstatuen der Glieder des baye- 
rischen Fürstenhauses, für den neuesten Flügel der Residenz bestimmt; 
vier und zwanzig Modelle zu Statuen der berühmtesten Maler christlicher 
Zeit, welche auf der Pinakothek errichtet werden sollen; Statuen für den 
Giebel der Glyptothek; Kolossalstatuen. Christi und der Evangelisten für 
die Facade der Ludwigskirche; Kolossalstatuen für den Giebel der Wal- 
halla bei Regensburg und Büsten für das Innere eben dieses Monumentes,  
alles dies sehen wir hier in eben so würdiger wie schöner Ausführung zum 
Theil begonnen, zum 'l'heil seiner Vollendung nahe oder bereits vollendet. 
Des grossen Monumentes für den verstorbenen König von Bayern, welches 
nach Rauchls Modellen gegossen wird und noch in diesem Jahre aufgestellt 
werden soll, möge hier nur beiläufig gedacht werden. Ebenso erinnern 
wir auch nur im Allgemeinen, um die Ausdehnung der durch König Lud- 
wig hervorgerufenen Thätigkeit zu bezeichnen, an den grossen Bau der 
Walhalla, ihre zahllosen Büsten und an die Viktorien, welche Rauch für 
ihre Räume arbeitet; an die Restauration des Regensburger Domes, vor- 
nehmlich an die prachtvollen Glasgemälde, mit denen die Fenster dieses 
würdigen Gotteshauses in neuester Zeit geschmückt worden sind: an die 
Restauration des Bamherger Domes; an das Dürer-Monument für Nürnberg, 
dessen von Rauch gearbeitetes Modell lange bekannt ist, u. s. w. 
Wir wollen im Folgenden einzelne dieser grossen Kunstunteruehmun- 
gen näher betrachten und uns den Geist, aus welchem sie hervorgegangen 
sind, verständlich zu machen suchen. Wir wenden uns zuerst zu den Lei- 
stungen der Architektur. Der bedeutendste unter den Münchner Architek- 
ten, wenigstens derjenige, welcher den grössten Einfluss auszuüben scheint, 
ist Herr von Klenze. Es ist bekannt, dass dieser Künstler die Baukunst 
der Griechen für die allein gültige erklärt hat. dass seine Schöpfungen 
jedoch keinesweges von bedeutenden Missverständnissen seiner Vorbilder 
frei sind. Dies zeigt sich denn auch an seinen in München ausgeführten 
Werken. Die Glyptothek mit der Dekoration ihres ionischen Prostyls und 
ihren Nischenwänden. die Pinakothek mit ihren Arkadenfenstern zwischen 
vertretenden Halbsäulen, der ncue Königsbau mit griechischen Gebälken 
und weitstehenden Pilastern zwischen den schweren Bossagen eines Palastes 
Pitti, die Allerheiligen-Kapelle, die eine Nachbildung lovmbardischer Kir- 
chen vorstellen soll,  alle diese Monumente geben hiefür schon hinläng- 
liche Belege. Höchst auffallend ist jedoch der neueste Flügel der Residenz, 
welcher gegen den Hofgarten zu gelegen ist. Uebcr einer oifnen Vorhalle. 
aus zehn starken Pfeilern und Bögen bestehend, bildet sich hier im Haupt- 
geschoss eine ähnliche Halle, deren Pfeiler jedoch minder stark sind, so 
dass noch ionische Säulen vor ihnen frei vortreten. Diese Säulen tragen 
kein durchlaufendes Gebälk; es kröpft sich das Gebälk der Pfeiler nur  
nach der Sitte des achtzehnten Jahrhunderts  über den Säulen hervor, 
Wir glauben, dass diese einfache Angabe zur Charakteristik des Architek- 
ten hinreichen wird. Doch muss hinzugefügt werden, dass es den inneren
        

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