Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500956
Ein Besuch 
in München. 
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Kommt man von Norden her nach München, so wird man durch eine 
Prachtstrasse von beträchtlicher Länge und Breite empfangen; es ist die 
neue Ludwigsstrasse, deren Seiten durch gewaltige PaläSte, fast sämmtlich 
in den letzten Jahren erbaut, eingefasst sind. Gleich neben dem Thore, 
zur Linken, erhebt sich der Bau der neuen Ludwigskirche. welcher bereits 
bis zum Ansatz der beiden Thürme emporgestiegen ist; daneben die QTOSSC 
neue Bibliothek; gegenüber ein andres öffentliches Gebäude, Welchem dem" 
nächst noch der Neubau der Universität u. a. m. hinzugefügt werden Sollen. 
Weiterhin kommt rechter Hand das herzogl. Lcuchtenbergdsche Palais, 
gegenüber das Odeon; auf der andern Seite der Bazar mit seinen Arkaden. 
Letzterem schliesst sich, dem Hofgarten zugewandt, ein neuer Flügel der 
königlichen Residenz an, der so eben emporgeführt ist; ein andrer Flügel 
dieses weitläuftigen Gebäudes, der sogenannte neue Königsbau, ist bereits 
mit all seinen unzähligen inneren Dekorationen soweit vollendet, dass er 
noch in diesem Jahre bezogen werden wird. Die Hofkapelle (die soge- 
nannte Allerheiligenkapelle), die ebenfalls mit der Residenz verbunden ist 
nähert sich mit starken Schritten ihrer Vollendung. Von der Llldwigsstrassg; 
ab ziehen sich rings um den Haupttheil der Stadt, welcher nördlich der 
Isar gelegen ist, die Anlagen neuer Strassen, die grösstentheils durch be- 
deutende, geräumige Wohnhäuser gebildet werden. Hier stösst man zunächst 
auf das mächtige Gebäude der Pinakothek, weiterhin auf die zierlichere 
Glyptothck; letzterer gegenüber wird eine neue Kirche mit einem Kloster 
errichtet werden. Unfern ist der Platz mit dem 100 Schuh hohen bronze- 
nen Obelisken. Dann kommt die, bereits seit einigen Jahren vollendete 
protestantische Kirche. In der Vorstadt Au, welche südlich der Isar liegt, 
erhebt sich ebenfalls eine bedeutende Kirche, deren Bau wiederum bereits 
bis zum Ansatz des Thurmes fertig ist. 
Diese sämmtlichen bedeutenden Architekturen werden durch Malerei 
und Sculptur, im" ausgedehntesten Umfange dieser Künste, ausgeschmückt. 
Der neue Königsbau ist in all seinen bedeutenderen Räumen mit Wand- 
gemälden versehen, welche Scenen nach den Dichtungen der Griechen und 
Deutschen (des Mittelalters und der neueren Zeit) enthalten und von ver- 
schiedenen Künstlern, Schnorr, Kanlbach, Hermann u. s. w. ausgeführt 
sind. In dem andern Flügel der Residenz wird Schnorr die Geschichte 
der Hohenstaufen malen. Die Allerheiligen-Kapelle wird von H. Hess mit 
Fresken auf Goldgrund ausgemalt und ist zum grösseren Theil bereits fertig. 
Die Glyptothek prangt in ihren beiden Festsälen mit den Fresken von 
Cornelius, welche die Hauptmythen der Griechen darstellen. In dem Cor- 
ridor, welcher sich neben den Gemäldesälen der Pinakothek hinzieht, wird 
die Geschichte der Malerei, nach Cornelius Entwürfen, bildlich dargestellt. 
Die Ludwigskirche wird von Cornelius ganz mit Freskogemälden ausgefüllt 
werden? das grösste derselben  das jüngste Gericht, über dem Hochaltär 
 wird 60 Fuss in der Höhe messen; der Künstler hat die Cartons bereits 
vollendet. Für die Basilika, welche der Glyptothek gegenüber ßffißntet 
werden soll, hat H. Hess den Auftrag erhalten, die Geschichte des Chri- 
stenthums in Bayern zu malen. Für die Kirche in der Vorstadt Au werden 
die prachtvollsten gemalten Fenster angefertigt. Die protestantische Kirche 
enthält ein grosses Deckengemälde von Hermann. Die Reihe der Arkaden, 
welche sich auf der einen Seite des Hofgartens hinzieht, ist ganz mit Fres- 
ken  in ihren Hauptbildern die Geschichte des bayerischen Fürstenhauses 
und 27 italienische Landschaften darstellend  ausgefüllt. So wird end-
        

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