Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500922
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Berichte, 
Erörterungen. 
Kritiken, 
mich nicht so traurig gewesen ist, wie der vorige, so hat er doch meine 
Arbeit wiederum sehr hingehalten. Die Vernunft hätte mich schon lange 
nöthigen sollen, Venedig zu verlassen; aber ein unmerklicher Eigensinn 
hat mich bis jetzt hier zurückgehalten. Die Beendigung dessen, was ich 
unternommen, lag mir fortwährend im Sinne, und es würde mich sehr ge- 
drückt haben, wenn ich ein Werk, das mir schon so viel Zeit gekostet, 
hätte aufgeben sollen. ln meinen Augen wäre dies ein Beweis von Ent- 
muthigung und das Bewusstsein derselben mir gewiss noch schädlicher 
gewesen. Ohne desshalb Venedig zu verlassen, habe ich seit einiger Zeit 
andre Arbeiten unternommen. Dies hat den guten Erfolg gehabt, dass ich 
mich jetzt sehr wohl fühle, und ich hoHe, dass ich in Kurzem die Gering- 
thuung haben werde,  nicht etwas Bedeutendes aufzuweisen, aber we- 
nigstens mein Unternehmen beendet zu sehen." 
Das Jahr 1834 ging vorüber, ohne dass sich aus seinen Briefen wei- 
tere besorgliche Zustände entnehmen lassen. Um sich während der Hitze 
des Sommers nicht zu sehr anzustrengen, begann er eine Replik Seiner 
Schnitter im Auftrage des bekannten Kunstfreundes, Grafen Raczinsky, zu 
Berlin. Der letzte der vorliegenden Briefe vom 7. November v. J. ist voll 
Freude über die sehr günstige Aufnahme, welche die Bilder des Bruders 
auf der letzten Berliner Ausstellung fanden. Bald darauf hatte er die 
Genugthuung, sein grosses Gemälde vollendet und dasselbe zur diesjähri- 
gen Pariser Ausstellung abgehen zu sehen. Das Bild wurde ungebürlicher 
Weise am Grenz-Zollbüreau zurückgehalten, und kam durch diesen Um- 
stand erst nach dem für die Einlieferung der Kunstwerke festgesetzten 
Termine in Paris an. Kleinliche Rücksiehten,  vielleicht auch Neid 
gegen den Ruhm des grossen Mannes,  verweigerten dem Bilde die 
Aufnahme in den Salon. Robert erfuhr dies, und er war, wenigstens in 
dieser späteren trüben Periode seines Lebens, nicht unempfindlich gegen 
Zurücksetzungen der Art, indem er darin einen Beweis eigner Untüchtig- 
keit zu finden glaubte. So schrieb er z. B. im Jahre 1832: „lch habe in 
dieser Zeit ein kleines Bild an Herrn    geschickt, der es nicht passend 
für seine Gallerie befunden hat: ich muss besorgen, dass mir dieser Fall 
wieder begegnet." 
Leopold Robert endete sein Leben am 20. März 1835 durch Selbst- 
mord. Bei der Leichenöffnung ergab sich, dass sich im Innern des Gehirns 
Wasser angesammelt hatte. Die Künstler aller Nationen, die sich zu 
Venedig befanden, folgten seinem Leichname zur Bestattung auf dem Lido, 
wo der protestantische Kirchhof sich befindet. 
Die etwanigen besonderen Gründe dieser furchtbaren That sind zur 
Zeit noch unbekannt. Doch welchen Anlass wir uns auch vorstellen 
mögen, und wenn wir auch alle Schwermuth seines Geistes und alle 
Kränklichkeit seines Körpers hinzunehmen, nichts reicht hin, um dies 
Entsetzlichste bei einem Künstler begreifen zu können, dessen Werke den 
Stempel der höchsten, stets gleichen Seelenreinheit tragen. Der Wahnsinn 
des Selbstmordes schreitet in unsern Tagen durch die Welt; aber Robert 
war fern davon, sein Leben für hohle Puppen, die man mit dem Namen 
einer "Idee" aufstutzt, oder für klägliche Leidenschaften hinzuwerfen. 
-Wir schaudern, wenn wir in diesenAbgrund blicken;  wer mag es noch 
sagen, dass er Herr ist über den Dämon seines Inneren?  
Wir glauben, dass es unsern Lesern genehm sein wird, wenn wir 
schliesslich Einiges von den Berichten französischer Journale über das
        

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