Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500884
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Berichte, 
Kritiken, Erörterungen. 
 "Endlich, mein Theurer, bin ich im Begriff abzureisen; ein 'l'heil Deiner 
Kraft und Deiner grossen Weise zu sehen theilt sich mir mit, und obgleich 
sich gerade jetzt hier viele Arbeiten für mich finden, so lasse ich sie alle, 
um ganz Deinem Rath Folge zu leisten. Eine Entmuthigung (sehr verzeihlich 
nach den unglücklichen Ereignissen, die mir widerfahren sind) liess mich 
so viele unüberwindliche Schwierigkeiten sehen, dass ich zu keinem Ent- 
schluss kommen konnte: jetzt lacht mir Alles entgegen, Hoffnungen eines 
glücklichen Erfolges tauchen vor mir auf.   Ich lechze nach neuen 
Studien: und es scheint mir, dass diese Empfindung der Vorbote von 
Fortschritten ist." 
Ein schöner Zug seiner kindlichen Liebe, der sich in diesem Briefe 
findet. darf nicht übergangen werden:  "Wenn ich Dein Herz nach dem 
meinigen beurtheilen darf, SO möchte ich Dir auch eine gute Mutter wün- 
SChßn, das heisst: ich möchte Dir ein Glück wünschen, welches ohne das 
nicht vorhanden sein kannßt  
Die Reise nach Rom und der längere Aufenthalt an diesem Orte ent- 
schieden fiir die eigenthümliche Richtung, der er fortan zu folgen hatte 
und die sich schnell und glänzend entwickelte. Wir lassen einige charak- 
teristische Stellen aus den Briefen der nächsten Jahre folgen: 
19. Juli 1818. 
"Es ist Rom, von wo aus ich Dir schreibe, mein Theurer, und es ist 
kein Traum! welch ein zauberhafter Aufenthalt! welch ein Paradies für 
einen Künstler!  ach, mein Lieber, ich werde es nie vergessen, dass ich 
Dir dies Glück verdanke.  Alles bringt in mir unbekannte und selige 
Gefühle hervor, ich fühle, dass ich bis jetzt noch nicht gelebt habe. Man 
ist hier gezwungen zu denken, und man kann keine kleinen und engen 
Gedanken haben, wie so leicht zu Hause. Mein Herz ist zu voll, ich 
weiss nicht wie ich den Brief zu beginnen habe".   
„Ach, mein Theurer, welch Vergnügen habe ich gehabt, den Vatikan 
zu sehen! welche schönen Werke und welche Menge! Aber David sagte 
sehr wahr, als er behauptete, ein Künstler würde einfach durch den Him- 
mel Italiens begeistert werden. Ich treibe mich viel umher, ich kann 
nicht zu Hause bleiben; Du siehst, mit welcher Hast ich diesen Brief an- 
fülle, es scheint mir immer, als verliere ich meine Zeit, wenn ich nichts 
Neues sehe. Ich will zuerst eine grosse Menge Skizzen machen, beson- 
ders in den ersten Monaten; dann habe ich die Absicht, einige ausgeführte 
Studien, mit dem Pinsel und mit dem Zeichenstift, nach guten Gemälden 
zu machen, und dann wollen wir sehen, ob ich es wagen werde, ein Bild 
zu arbeiten. Aber dafür ist es nöthig, auf irgend eine Weise Geld zu 
verdienen, denn mit 50 Louis lässt sich natürlich nichts machen. Doch 
es wird Alles gut gehen, ich hoffe es; niemals bin ich so heiter, so glück- 
lich gewesen." 
6. März 1819. 
„lch fange damit an, mein Lieber. Dir zu sagen, wie ich meine Zeit, 
seit ich in Rom bin, angewandt habe. Dieersten Monate brachte ich 
damit zu, Rom kennen zu lernen, viele Croquis zu machen und einige 
gemalte Skizzen  nach der Natur oder Compositionen  zu versuchen. 
Ich habe auch vor einigen Monaten ein Gemälde (ein Intörieur), welches 
mir aufgetragen war, angefangen. Es ist gegenwärtig beendet, und die
        

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