Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500842
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Kritiken, 
Berichte, 
Erörterungen. 
HarniscWs 
bildliche Darstellungen in 
Ossians Gedichten. 
Arab eskenform 
Zll 
(Museum 
183a, 
I 
Das vorliegende, aus sechs lithographirten Blättern in Fol. bestehende 
Heft enthält einen Theil der phantasiereichen Compositionen Harnischs, 
welche vor mehreren Jahren auf den Berliner Kunstausstellungen gesehen 
wurden und vielfachen Beifall fanden. Hr. Harnisch geht in seiner Dar- 
stellungsweise noch um einen Schritt weiter als Neureuther in den bekann- 
ten Randzeichnungen zu Goethe und andern Dichtern. Hier ist die Arabeske 
nicht mehr eine Begleitung, ein schmückender Rahmen des Gedichtes; OS 
ist eine unmittelbare Uebersetzung desselben, und zwar, Wie es ihr Cha- 
rakter mit sich bringt, vornemlich seiner lyrischen Bezüge. "Der Erfinder 
beabsichtigt (so heisst es im Vorwort) mehr in Gesammtauifassung die 
cigenthümliche Art der Empfindung und Dichtung des altnordischen Sän- 
gers bildlich darzustellen, als eben mittelst jeder Zeichnung eine bestimmte 
Stelle des Dichters zu erläutern.... Bald genügt ein einzelnes Wort, um 
bei dem Erfinder ganze Gruppen von Figuren und Symbolen hervorzuru- 
fen, bald wieder umgekehrt bezeichnet die bildliche Darstellung öfters 
grössere Stellen des Dichters nur durch ein unbedeutendes Beiwerk oder 
eine allegorische Verzierung." 
Die Arabesken beziehen sich auf Stellen aus Kathloda, Komala, Lath- 
mon, Fingal, Temora; sie erheben sich in aufsteigenden Columnen, so dass 
die einzelnen Gegenstände und Gruppen von Zweigen und Ranken getra- 
gen werden und das Ganze stets wie ein Baum mit Blüthen und Früchten 
anzusehen ist; andre, noch nicht herausgegebene Compositionen hat der 
Verf. auch in horizontaler Linie, wie einen Fries, fortgeführt. Sehr be- 
achtenswerth ist die Weise, wie er, unter solchen scheinbar beengenden 
Bedingungen, seine Gestalten in geschmackvoller Symmetrie ordnet, und 
wie Leben und Bewegung derselben aufs Eigenthümlichste dem vegetabi- 
lisehen Grunde, darauf sie ruhen, angeschlossen erscheint. Es ist etwas 
Traumhaftes, etwas  wenn man so sagen darf  Musikalisches in ihnen, 
was uns anderweitig kaum so glücklich, so aus der inneren Empfindung 
heraus, begegnet ist. Die gesammten Compositionen dürften sich treflichst 
zur Verzierung von Wandflächen eignen.  Was die vorliegenden Litho- 
graphieen anbetrilTt, so können wir jedoch den Mangel von Schule und 
eigentlicher individueller Charakteristik nicht unbemerkt lassen, welcher- 
den reinen Genuss derselben beeinträchtigt,  Fehler, denen der Verf, 
für künftige Herausgaben durch schärferes Studium der Natur leicht wird 
abhelfen können. Sein eigenthümliches Talent bleibt ihm sicher.
        

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