Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499768
Berichte, 
Erörterungen 
Kritiken, 
idyllischer Jacke und Hose  sind eben das Neuste der Art. Auch unter 
den Dingen, mit welchen sich ein etwas vernünftiger Geschmack einver- 
Standen und die er dem Charakter der Arbeit mehr entsprechend finden 
dürfte,  Ornamenten, Blumen, grösseren Thierfiguren,  finden sich sehr 
wenig gute Muster; wir können in den Läden der Stickwaaren-Händler 
ganze Kasten durchsuchen, ohne oft auch nur auf ein einziges brauchbares 
zu stossen. Es fehlt, abgesehen von der wenig geschmackvollen Anordnung 
in Form und Farbe, vor Allem das, was man unter dem Worte Styl begreift. 
Rumohr nennt den Styl ein Sieh-fügen in die Forderungen des Stoffes, 
in welchem der Künstler seine Gestalten bildet. Hier also wäre einerseits 
der weiche Charakter der Seide oder Wolle, oder die Anwendung beider 
zugleich, andrerseits, was das Wichtigere, das Mosaikartige der Arbeit zu 
berücksichtigen. Die erste Rücksicht empfiehlt u. A. die Ausführung von 
Blumen; die zweite verbietet alles kleinliche Detail, fordert eine mehr 
massenhafte Auffassung der Gegenstände, und begünstigt besonders das aus 
geraden Linien und Flächen zusammengesetzte Ornament, Wie wir dasselbe 
z. B. bei den alten Italienern und Arabern finden:  Sterne, Kreuze, Band- 
verschlingungen u. s. w., oder eine, diesem Ornament entsprechende, d. h. 
für dasselbe stylisirte Darstellung freier Naturformen, namentlich wiederum 
der Blumen. Die Anwendung des Ornamentes wird aber bei den Stickereien 
meist schon aus dem Grunde anzurathen sein, weil sie nicht auf den Namen 
selbständiger Kunstwerke Anspruch machen, vielmehr eben nur zum Schmuck 
für Dinge des Gebrauehes dienen wollen. 
DietHerren Nicolai und Gillet, Stickwaaren-Händler zu Berlin, haben 
sich das Verdienst erworben, die Ersten zu sein, welche durch einen, in 
der Erfindung des Ornaments ausgezeichneten Künstler, den Architekten 
Herrn C. Bö tti cher, eine Reihe von Stickmustern haben anfertigen lassen, 
bei denen die obigen Rücksichten auf das Sorglichste beobachtet sind. Diese 
Muster, welche sich in den Formen des genannten Ornaments und der für 
dasselbe stylisirten Blumen bewegen und in denen die Farben-Zusammen- 
stellung zugleich höchst sinnig angeordnet ist, sind meistens durch den 
Titel des Arabischen Styls bezeichnet; sie sind für Teppiche, Decken, Ta- 
schen, Schuhe, Klingelziige u. s. w. bestimmt, und werden Jedem, dessen 
Auge nach entschiedenen Formen verlangt, willkommen sein 1). 
1) Es möge beim Wiederabdruck des kleinen Artikels, nach fast einem Vier- 
teljahrhundert, abermals und nachdrückliehst auf die Böttichefschen Stickmuster 
hingewiesen sein. Auch die junge Welt von heute kann sie mit bestem Nutzen 
gebrauchen, und der Name des Meisters, der sie gefertigt, wird heute zur voll- 
sten Genüge für ihre Classicität und Anmuth bürgen.
        

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