Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500824
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörtvrungen 
'l'hätigkelt des Künstlers endlich kann nie ein Instrument den Geist er- 
setzen, und ein geistvolles Kunstwerk mit Fehlern wird immer mehr blei- 
ben, als ein richtiges ohne Geist. Aber eben, dass nunmehr das Mecha- 
nische der niederen Kunstübung rein auf mechanische Weise und ohne 
allen namhaften Zeitaufwand zu erreichen ist, dies wird dem gesammtcn 
Kunstbetriebe einen unberechenbaren Vortheil gewähren. 
Ausser der angedeuteten Beschaffenheit der Diagraphen sind mit dem- 
selben noch andre Einrichtungen vorzunehmen, welche seine Anwendung 
noch für verschiedene Fälle erweitern. Dahin gehört vornehmlich die- 
jenige, durch welche es möglich wird, die Gegenstände in ihrer geometri- 
schen Projeetion zu zeichnen. Dies geschieht nehmlich dadurch, dass der 
vordere Diopter beweglich gemacht wird und die Bewegungen des genann- 
ten Visirpunktcs gleichzeitig aufs Genauste wiederholt; so dass also die 
Linien vom Auge auf den zu zeichnenden Gegenstand nicht divergirend 
ausgehen, sondern parallel neben einander laufen. Da hiedurch die Zeich- 
nung in der natürlichen Grösse des Gegenstandes angefertigt wird, so kann 
man sich dieser Methode zugleich mit Vortheil zum Kalkiren von Gemäl- 
den und Zeichnungen bedienen, bei denen man durch anderweitige Um- 
stände verhindert wird, ein Kalkir-Papier aufzulegen. 
Um Plafondgemälde zu zeichnen (eine sonst sehr mühselige Arbeit!) 
bedient man sich eines Spiegels, welcher das Bild der Gemälde zurück- 
wirft und in welchem der Punkt zur Umschreibung derselben befindlich 
ist. Anderweitige Vorrichtungen machen es möglich, Rundgemälde aufzu- 
nehmen, noch andre, um Gegenstände, die sich unter dem Mikroskope 
befinden, in ihrer dergestalt vergrösserten Form zu zeichnen. U.  u.s.w. 
Eine Erfindung der letzten Jahre ist der Panto graph, ein Instrument, 
wodurch man eine jede vorliegende Zeichnung in beliebig zu bestimmen- 
der Verkleinerung auf Kupfer radiren kann. Seine Einrichtung beruht 
auf dem schon bekannten Principe des Storchschnabels, ist aber auch hier 
in sinnreichster Genauigkeit, Beweglichkeit, und für die bequemste Hand- 
habung ausgeführt. Durch dasselbe wird man sowohl wiederum aller 
Zwischenarbeiten, der Verkleinerung und Kalkirung, überhoben, als auch 
die Arbeit selbst durchaus auf die sicherste und reinlichste Weise ausge- 
führt wird. Indem man nur mit einem Stifte die gegebene Zeichnung 
nachfährt, wiederholt die Radirnadel von selbst und aufs Zierlichste die- 
selben Linien. Natürlich ist auch hier nur der einfache Umriss zu errei- 
chen; verschiedenes Aetzen, das Nachholen der Drucker, sowie die etwanige 
weitere Ausführung müssen nothwendig der freien Hand des Stechers über- 
lassen bleiben. 1) 
Die weitere Verbreitung dieser Instrumente dürfte, wie der gesammten 
niederen Kunstübung, so auch dem Kunsthandel eine andre Gestalt geben. 
Man wird fortan die Vervielfältigung von Kunstgegenständen auf leichtere 
und wohlfeilere Weise bewerkstelligen können, Und indem man Somit 
anzuerkennen genöthigt wird, wie viel rein mechanische Arbeit in den 
Vervielfältigungen der Art enthalten ist, so wird dieser Umstand für die 
zu haftenden gesetzlichen Bestimmungen gegen den künstlerischen Nach- 
druck vielleicht noch ein Gewicht mehr in die Wage legen. 
1) Das eben erschienene Blatt von Jazet nach Horace Vornet, rastende 
Araber darstelleud, ist nach dem Gemälde mit dem Diagraphen gezeichnet und 
seine Umrisse mit dem Pantographen gestochen.
        

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