Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500708
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen 
Rheinischer Sagenkreis. Ein Ciclus (Cyclus) von Romanzen, Balladen 
und Legenden des Rheins, nach historischen Quellen bearbeitet von Ad el- 
heid von Stolterfoth, Stiftsdame. Mit Ein und zwanzig Umrissen von 
A, Relhel in Düsseldorf, lithographirt von Dielmann. Frankfurt a. M. 
1835. Klein Quer F01. 
(Museum 
1834, 
Wir freuen uus, in den Umrissen dieses Sagenkreises eins der tüch- 
tigsten undliebenswürdigsten Talente unter den jüngeren der Düsseldorfer 
Schule in reicher Entfaltung kennen zu lernen. Die Art und Weise der 
Darstellung schliesst sich zunächst an Führich's bekannte Compositionen 
zu Tickls Geuovefa an; es ist derselbe Zug von Adel und Anmuth, die- 
selbe Grundlage eines reinen und  wenn ich mich so ausdrücken darf  
sittliehen Gefühles, welches in diesen Blättern das Auge und Gemüth des 
Beschauers fesselt. Von jener Ostentation, jenem manierirten Haschen 
nach Effekt und äusserlicher Symbolik, welches bei andern bekannten 
Darstellungen der Art so häufig die innere Leere verdecken soll, ist hier 
keine Spur; zugleich aber eine so gediegene Technik, eine solche Sicher- 
heit der Formenbezeichnung vorhanden, wie sie uns kaum anders, als in 
den wenig mehr ausgeführten Holzschnitten der Alten bekannt ist. Ge- 
sundheit und fröhliche Jugendkraft  ein Paar Eigenschaften, die in der 
heutigen Welt nicht zu oft vorgefunden werden  sprechen sich auf jedem 
Blatte aus. Wir wollen einige derselben dem Leser näher vorführen. 
Das Titelblatt stellt „Rheinisches Leben" dar. Ein zierliches Ge- 
rähme, von Eichenzweigen, Reben und Epheu umwunden, trennt das Blatt 
in verschiedene Felder. In dem grösseren Mittelfelde sitzt der Sänger mit 
der Harfe, Gruppen von Männern, Frauen und Kindern, innig gerührt durch 
den Gesang, um ihn her. Daneben, auf der einen Seite, eine schöne, lang- 
haarige Maid und der Jagdhund des Liebsten, der seinen Kopf gehorsam 
auf ihren Schooss legt; der Jäger steht daneben und bläst mächtig ins 
Horn, so dass der Schuhu über ihm vor Schreck von seinerluftigen Ranke 
beinahe herabstürzt. Drüber rankt sich der Nibelungendrache vielver- 
schlungen durch das Gezweige; er züngelt zu dem jungen Schlangentödter 
empor, der den wohlbekannten Feuerbrand über ihn schwingt. Auf der 
andern Seite sitzen ein Paar Musikantenkobolde mit ihren Dudelsäcken in 
den Blättern, und Vögel um sie her, von denen sie lustig verspottet werden. 
In dem obern Felde dieser Seite ist eine Scene stiller Häuslichkeit: eine 
junge Mutter am Spinnroeken und ein spielender Knabe zu ihren Füssen. 
Das Alles aufs anmuthigste gezeichnet und geordnet und in naivster Ara- 
besken-Wahrheit durchgeführt. 
"Kaiser Heinrich der IV in Bingen." I-Iier sieht man den grei- 
sen Fürsten, verrätherisch von den feilen Schergen seines Sohnes gefangen. 
Gcwaltig steht die alte Heldengestalt unter den Leichen der Getreuen, auf 
den zersplitterten Reichsschild gestützt, den Arm mit grausem Fluch zu 
dem Sohne emporrßckentl, der drüben aus dem Fenster zuschaut; wild 
flattert um ihn der entehrte Kaisermantel. Groll, Entsetzen, stumpfe Neu- 
gier in den Gesichtern der umherstehenden Knechte. Nur Einer, aufs
        

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