Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500683
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Erörterungen. 
Kritiken, 
Barichte, 
über dem Gebälk eine hohe Attika; darüber, in der Breite der vier mitt- 
leren Säulen, eine kleinere Wiederholung jener quadraten Masse; darüber, 
11m drei Stufen zurücktretend, eine Halle von je vier Säulen mit Giebel 
und hohem Kreuz  o Meister Erwin von Steinbach und Gerhard von 
Cöln! o Ictinus und Callicrates! o all ihr guten Geister einer vernün f- 
tigen Baukunst! 
Aehnlich ist eine andre grosse Thurmanlage (T. XXIV), wo der Ver- 
fasser zwei Thürme auf den beiden Seiten der Fronte angenommen hat. 
Da sie beide beträchtlich schlank in die Höhe gehen, so ist zur Vermitte- 
lung zwischen ihnen, über dem Portikus des Einganges, noch eine grosse 
Säulenhalle angelegt worden. Es kommt also ein ähnliches System zu Stande, 
wie es Servandoni an dem Portal von St. Sulpice zu Paris bereits vorer- 
Qfunden hat. Aber wie weit ist der Verfasser in seiner flachen Haltlosig- 
keit von der derben Kraft und dem ruhigen Ernste des französischen 
Architekten entfernt! 
Noch ist eine grosse Thurmanlage (T. XXVII) zu erwähnen, diejenige, 
die sich über der oben bereits erwähnten Kuppel erhebt. Der Verfasser 
hat bei der Anwendung von Kuppeln, eine schöne Form des Aeusseren 
und Vermeidung eines schweren. eiformigen Daches geboten. Er realisirt 
sein Gebot so, dass er die Kuppel, die er ohne weitere Vermittelung aus 
dem Dache hervorwachsen lässt, zuerst von einem weiten Säulenkreise 
umgiebt; diese Säulen treten mit verkröpftem Gebälk aus der Masse vor 
und tragen Statuen auf ihrem Gebälkkropfe. Darüber, etwas eingerückt, 
ein zweiter Säulenkreis mit wirklichem Gebälk und einem flachen Kuppel- 
dache ä 1a Pantheon, welches mit einem kleinen Monopteros als Laterne 
schliesst. Da die Laterne aber in beträchtliche Höhe über der eigentli- 
chen Kuppel der Kirche gekommen ist und letztere gleichwohl von da 
erleuchtet werden soll, so zieht sich, ähnlich wie in St. Paul zu London, 
aber sonst ohne allen constructiven Grund, zwischen der oberen Kuppel 
und innerhalb jener Säulenkreise ein langer Trichter von oben bis zu den 
Seiten der unteren Kuppel hernieder. 
Ausser diesen eigentlichen Kirchenplänen ist noch eine Reihe von 
Entwürfen zu kleineren Kapellen, Tabernakeln, Monumenten und derglei- 
chen vorhanden. Auch über diese wäre noch Manches zu sagen, aber 
Referent will die Geduld des Lesers nicht noch weiter erschöpfen. Im 
Allgemeinen jedoch gilt auch von diesen Entwürfen dasselbe Urtheil,  
welches aus dem bisher Gesagten zusammen zu addiren, dem geneigten 
Leser überlassen bleibt. 
        

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