Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492762
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Rheinraise, 
1841. 
Erster 
Abschnitt. 
Lebens im Alterthum auf eine gleich umfassende Weise von dem Glanze 
der classischen Poesie durchleuchtet uns entgegenträten; kein zweites Bei- 
spiel, in welchem. statt des blntgetränkten Lorbeers, statt des Scepters 
und der Fasces. die einfach treue Erfüllung der Pflichten des Daseins auf 
eine gleich tiefsinnige Weise künstlerisch verklärt erschiene. 
Und gar eigen wird es dem Wandrcr ZII Mutlie, wenn er den Blick 
von den Bildwerken des alten Denkmals niedergleiten lässt auf die Dächer 
des Dorfes und auf die Thäler der Saar und der Mosel. Aus dem Be- 
wusstsein des Volkes ist die Deutung jener Bilderschrift lange verschwun- 
den. Nur vielleicht eine unwillkürliche Scheu vor der hohen Würde jener 
Gebilde, vielleicht auch nur irgend ein Aberglaube war es, was sie im 
Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende schützend erhielt. Aber die Be- 
redsamkeit der classischen Poesie, die in ihnen waltet, ist dennoch nicht 
erloschen. Wir fühlen es mit, wie sie auch hier, fern, fern von den Landen 
ihres Ursprungs eine neue Heimat erworben , wie sie auch hier das Leben 
bis in das Innerste des Hauses und der Familie durchdrungen hatte. Und 
vor den Augen unsres Geistes steigt die Welt des Alterthums empor. in 
dem jugendlich heiteren Adel, dessen sie fort und fort, bis hinab in die 
Zeiten ihres Verderbens und ihres Sturzes, sich ein gut Theil zu bewah- 
ren vermochte, und lebendig tritt uns jener glanzvolle Verkehr entgegen. 
welcher einst die Säume dieser Berge, die Ufer dieser Ströme erfüllte. 
Der 
römische Basilikenbau, näher entwickelt nach 
der antiken Basilika von Trier. 
den Resten 
(Kunstblatt, 1842, Nr. 
Das Gebäude der Basilika hat ein zwiefaches Interesse für die kunst- 
historische Forschung. Es gehört auf der einen Seite zu den grgss- 
artigsten Gestaltungen, in denen das antike Leben sich ausgeprägt hatte, 
auf der andern trägt es in sich den Keim zu der Gestaltung eines neuen 
Lebens; es verbindet unmittelbar die beiden grossen Epochen der Welt- 
geschichte, die des heidnischen Alterthurns und die des christlichen Zeit- 
alters. Die antike römische Basilika gab das Vorbild für den ältesten 
christlichen Kirchcnbau; in leisem, aber stets bewegtem Fortschritte ent- 
wickelte sich aus ihr jene wundersame Architektur, welche wir in den 
gothischen Dornen staunend verehren; und als man die Formen der mit- 
telalterlichen Architektur verliess und zu denen des Alterthums zurück- 
kehrte, da bestrebte man sich, auch der Kirche wiederum das einfache 
Gepräge der Basilika zu geben. Allerdings zwar stehen die modernen 
Basiliken, die eigentlich diesen Namen verdienen, nur vereinzelt da; man 
konnte sich nicht auf umfassende Weise all derjenigen, zum Theil so 
wirkungsreichen architektonischen Elemente entledigen, die im Verlauf 
der Zeiten sich hervorgebildct hatten: dennoch ist das Streben danach 
nicht eplgschen. Die nähere Bekanntschaft mit dem reinen griechischen
        

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