Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492750
Das 
römische 
Denkmal 
Igel. 
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betriebcs. von tlem wir annehmen dürfen, dass durch seine Begründung 
die Blijthe der Familie ihren Ursprung genommen hatte. [m Giebel das 
Bild einer Göttin. die als die Beschützerin des Jugendlichen gilt E, 
scheint nach alledem nicht unrichtig, wenn man an dieser Seite die An- 
fange und die (ilYlllHlllllg der Existenz dargestellt sieht.  An der Nord- 
Seite erscheint im Hauptfeldc ein Bild eben jenes gewaltig kämpfenden 
Helden, in einer symbolischen Fassung, welche seine ganze Bedeutsamkeit 
zu vergegenwärtigen bestimmt ist. lfries und wohl auch Podest deuten 
auf die Mühen des Handels, die Attika auf den ilaraus erfolgten Gewinn. 
Das (iiebelbild stellt die Gottheit dar, welche als ein Schützer solchen 
Strebens, überhaupt als ein Sinnbild der reichsten Entfaltung des Lebens 
zu betrachten ist.  Die Hauiitdarstellungen der Wcstscite lassen uns, wie- 
derum unter dem Bilde des Ilcrkules. den Erwerb und den Genuss länd- 
lichen Besitzes, den Lohn für die d'arte des Mühsals, erkennen. Der Fries 
nicht dasselbe als eine Seene des Lebens; Attika und Podest scheinen 
eben dahin zu deuten. So auch der Giebel, in welchem der schützende 
Gott des römischen Volkes (seinem ursprünglichen Begriffe nach ein Natur- 
gott) sich der Nymphe des Mosellandes zugesellt.  Solchen Bildern 
schliesst sich sodann wiederum unmittelbar der Inhalt des an der Südseite 
Enthaltcnen an.   
Die Vermischung idealer Darstellungen mit solchen, welche dem Ge- 
biete des Lebens angehören, bildet eine charakteristische Eigenthümliciikeii 
der römischen Kunst. Die Römer gingen nicht von jener idealen WVeIt- 
nnsehauung aus, welche in der griechischen Kunst ihre Verkörperung ge- 
funden hatte; es war ihnen mehr um die Darstellung des Wirklichen, des 
Gegenwärtifrcn zu thun; aber sie wussten sich gleichwohl niit Sinn und 
mit, Geschmack auch die von den Griechen ausgebildeten Typen anziiejg- 
m," und durch die Verbindung dieser mit den Erscheinungen des gcijrißingn 
Lebens, dem letzteren eine höhere Wurde, eiriireigcnthiimliche Grossheit 
zu geben. Die idealen Gestalten verloren bei ihnen allerdings die freie 
pgetische Existenz, die sie bei den Gi-iechen gehabt hatten; sie wandten 
sie vorzugsweise zur Vergßgemväfllglmä m0ralisclier Begriffe an; aber das 
lebenvolle Bild machte den Begriff ebenfalls lebendig. es hob die trockne 
Abstractioii desselben auf, und gabuhm, wenn auch keinesweges eine 
Sßllälfßfe Umgrenzung" 5.0 doch emednehr individuelle, mehr Persönliche 
Beweglichkeit. Auf anziehende Weise Spielen hier die Begritfe. wie es 
ihre Erzeugung im Geiste des Menschen mit sich bringt, ineinander über; 
eine einzelne Andeutung ruft eine ganze Reihe von Gedanken hervor. Die 
römische Kunst, in ihrer Selbständigen Eigenthümlichkeit. ist recht eio-cnr- 
lieh eine Bilderschi-ift; Bild und Gedanke sind in ihr nicht überallf wie 
in der griechischen Kunst, eins und dasselbe; aber ihre Svmbglik ist dm. 
Art, dass sie, die Sinne ergreifend, den tieferen Inhalt zlhnen lässt und 
unwillkürlich zur Lösung des anmnthvollen Räthsels anreizt. 
Unbeflßlllillch gehören die Bildwerke des Monuments von Igel zu den 
merkwürdigsten Denkiiialen solcher Art, welche sich auf unsre Zeit cr- 
lialten haben. l)cr Reiclithum der Darstellungen, die geistreiche Verkör- 
perung der Gedanken. die zum grossen Tlieil so ausgezeichnete Treiflich- 
mit dei- künsilerischcn Behandlung räumen ihnen diese ehrenvolle Stelle 
01H. YVas alter ihre bCSOIKITC Elgßnthümlichkeit anbetrifft, so wüsste ich 
iiiiien kein andres NVcrli an (lic Seite zu stellen. Mir ist kein zivcitcs 
Beispiel bekannt, in welchem die schlichten Verhältnisse des bürgerlichen
        

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