Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492643
82 
Rheinreisa, 
1841. 
Erster 
Abschnitt. 
Attribute, in derjenigen Bedeutung zu fassen, welche er ursprünglich bei 
den Römern hatte, und welche auch bei ihnen, obschon häufig durch den 
Begriü" des. Kriegsgottes verdunkelt, doch nie erloschen ist: nämlich als 
schützenden, scgnend waltenden Naturgott, als Mars Silvanus. Dies führt 
uns auf den Vgl-kehr mit der Natur, der nach meiner Ansicht auch andern 
Bildern derselben Westseite zum Grunde liegt; zugleich dürfte die tiefe 
Ruhe in der Gestalt der Nymphe auf diejenige Ruhe Zu deuten sein. welche 
der Abend des Lebens mit sich führt. Noch muss bemerkt werden, dass 
das ebenbesprochene Relief wiederum vortrefflich gearbeitet ist und sich 
vor allen übrige!) durch gute Erhaltung auszeichnet. 
1m südlichen Giebel endlich, in dem der Hauptseite, sieht man die 
Darstellung eines, nur mit der Chlamys bekleideten Jünglings, der einen 
Krug und Stab in den Händen hält, zwischen zwei, ebenfalls fast nackten  
weiblichen Gestalten, die ihn an den Armen zu sich ziehen. Die Bewe- 
gung ist leidenschaftlich, in den Geberden des Jünglings erkennt man 
deutlich eine Abwehr gegen den Ungestüm der Weiber. Die ältere Er- 
klärung, welche hier denBacchus zwischen zwei Bacchantinnen erkennen 
wollte, ist durchaus unstatthaft; es kann nur Hylas vorgestellt sein, der 
von den Nymphen geraubt wird. Die symbolische Bedeutung einer sol- 
-chen Darstellung an einem Grabmonumente ergicbt sich wiederum von 
selbst: sie ist geradezu als ein Sinnbild des Todes dessen, dem das Denk- 
mal vorzüglich gewidmet war, zu fassen. WVährend wir demnach auf den 
übrigen Giebeln die Darstellung segnender, hülfreicher Gottheiten sahen, 
erblicken wir hier, wo vornehmlich die Bedeutung des Ganzen als Grab- 
mal hervortreten musstc, dämonische Wesen, welche das Leben vernichten. 
Doch scheint es mir, dass hier wiederum mehr als etwa nur die allge- 
meine Andeutung des Todes gegeben sei. Für eine solche genügte bereits 
der Ganymedesraub auf dem Gipfel der Bekrönung. Das Gewaltsame der 
ganzen Darstellung, das heftig Widerstrebentle in der Gestalt des Hylas, 
scheint auf einen plötzlich gewaltsamen Tod, die Versinnlichuug desselben 
durch die Nymphen auf einen Tod in den Wellen des Flusses zu deuten, 
Was die künstlerische Ausführung anbetriiit, so hat dies Relief, besonders 
die Gestalt des Hylas, etwas Gespreiztes und Dürres. Vielleicht mochte 
das Geschick des Künstlers zu einer Darstellung von also bewegter Hand- 
lung nicht ausreichen, zumal wenn ihm (wie bei dem Relief des Mars 
anzunehmen ist) kein genügendes Vorbild vorlag; vielleicht hat aber auch 
die Verwitterung des Steines das Ihrige hinzugefügt, um die Gestalten 
dürrer, somit schrolfer, erscheinen zu lassen, als es ursprünglich der Fall 
sein mochte. 
In den erhaltenen Giebeleckcn (auf der Nordost- und auf der Südwest- 
Ecke) sieht man grosse liegende Urnen dargestellt, aus denen Wasser her- 
vorströmt; ohne Zweifel waren eben solche auch in den gegenwärtig er- 
{lßlltell Giebelecken vorhanden. Beider regelmässigen Wiederholung dieses 
Symbols scheint es mir am Natürlichsten (da dasselbe doch gewiss nicht 
als müssige Dekoration angesehen werden darf), wenn man darin eine An- 
spielung an das von der Mosel bewässerte Land findet; der Inhalt der 
beiden zuletzt besprochenen Reliefs würde durch solche Erklärung noch 
 Die eine dieser Figuren, welche gegenwärtig mit einem unförmlichen 
Mantel bekleidet erscheint, ist in späterer Zelt von plumper Hand ergänzt wor- 
den. Von dem Original ist m" der Kopf erhalten. (Anm. von Chr. W. Schmidt.)
        

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