Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492638
Denkmal 
römische 
Das 
Igel. 
Dies sind sämmtlich mythologische Gegenstände, und zwar solche, die, 
nach meiner Ansicht, das YValtcn göttlicher Wesen über dem Leben des 
Menschen und dessen verschiedenen Stadien ausdrücken, vielleicht auch 
mit Rücksicht auf die an gewisse Lokalitäten oder an das Secundinigche 
Geschlecht geknüpfte Verehrung besondrer Gottheiten. 
So sehen wir  die Darstellung in dem Giebel der Vorderseite vorläufig 
dahingestellt  in dem Giebel der Ostseite einen colossalen weiblichen Kopf, 
neben dem auf jeder Seite eine Hirschkuh hervorspringt. (Es ist aber nur 
die eine Seite erhalten, indem fast die Hälfte des Giebels aus neuerer Re- 
stauration besteht.) Unbedenklich ist hier Diana zu erkennen, die, in 
Rücksicht auf den kindlichen Kopf an der entsprechenden Seite des Kapi- 
täls, in ihrer Eigenschaft als Pflegerin und Schützerin des Jugendlichen. 
nicht unwahrscheinlich selbst als die Geburtsgöttin, als Diana llithya, als 
Dea Lucina, zu fassen ist; ähnlich, wie sie auch an dem Hauptrelief der- 
selben Seite des Monumentes, zwischen den Pilastern, wiederkehrt. 
In dem nördlichen Giebel sieht man einen jugendlich männlichen 
Kopf in einem strahleuartigen Nimbus, zu dessen Seiten je zwei flüchtige 
Rosse hervorspringen; es ist Phoebus Apollo, durch den Nimbus als 
Sonncngott bezeichnet, der Heilbringende und Ordnende im Allgemeinen, 
hindeutend auf die Sonnenhöhe des Lebens, als Helios zugleich (was für 
andre auf der Nordseite des Monuments enthaltene Reliefs nicht unwichtig 
ist) der Hüter der Strassen. Die künstlerische Anordnung dieser Darstel- 
lung selbst ist ungemein trefflich; sie füllt den Raum in vollkommen ge- 
messener Weise aus und ist auch im Detail sehr schön durchgebildet.  Sie 
ist freilich, wie auch die ebenbesprochene Darstellung der Diana, in einer 
mehr ornamentistisch sinnbildlichen Weise gehalten, als dies etwa von 
Seiten griechischer Künstler zu erwarten gewesen wäre; in der römischen 
Kunst, und bereits in den besten Zeiten derselben, ist sie aber keines- 
wegcs ohne Beispiel 1). 
ln dem westlichen Giebelfelde erscheint eine schlafend ruhende weib- 
liche Figur, halbnackt, die linke Hand auf einen Krug gestützt, die rechte 
auf das abgewandte I-laupt gelegt; auf sie zu eilt ein Mann mit llelm, 
Schild und Lanze, nackt, und nur eine leichte Chlarnys ihm nachtlalterurl. 
Die Darstellung ist ganz die öfters vorkommende des Mars und der Rhea 
Sylvia; sie stimmt auch mit der Schilderung, welche Ovid von dieser 
Scene giebt 2), überein. Gewiss folgte der Bildner hier den Typen einer 
solchen Darstellung; doch ist bereits bemerkt worden 3), dass es, dem 
Symbollsüßmlell Charakter des ganzen YVerkes gemäss, hier näher liege, 
in der weiblichen Gestalt, statt an die Person der Rhea. Sylvia zu denken. 
eine Nymphe und m?"  Nymphe der Mosel vergegenwärtigt zu sehen; 
so dass das Ganze auf dle Vereinigung römischer Macht mit der Frucht- 
barkeit des lilosellarltles l" deuten wäre. Mit solcher Ansicht vollkommen 
übereinstimmend, möchte ich eher in der Erklärung der Darstelluue noch 
etwas weiter gehen. Bei dem mehr idyllischen Inhalte der Sßcnefist es 
wohl erlaubt, de" Marsi "o" Schief, durch die spätere Kunst fcstgcswllten 
1) S0 flndßt sich eine ähnliche  
Grnppa aus gebranntem Thon, darimneglßelfäxlgleizrgPrbePe Darstellung, eine freie 
dient, im Antiqnarium des Berliner Musanmsv leahophsttx Auszeichnung VW- 
 Schorn, a, a. 0. s. 283,   ) Fast, 1m. m, 1, rr.  
Kugler, Kleine Schriften, ll P 
1
        

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