Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492586
Rheinreise, 
1841. 
Erster Abschnitt. 
Figur ist der ganze obere Theil, Kopf und Brust, zerstört. Auch sie er- 
scheint mit der (männlichen) Toga bekleidet, unter der ein längeres Ge- 
wand bis gegen die Knöchel herabreicht. Man hat diese Gestalt ohne 
Grund für eine weibliche ausgegeben; sie kann entschieden nur als die 
eines vornehmen Jünglings aufgefasst werden. Die Figur zur Linken, die 
am besten erhalten ist, steht gegen die beiden andern gewandt; sie trägt 
eine kurze, bis an's Knie reichende, ungeeürleiß Tunißa (keine T023) und 
hält in den Händen ein Stuck Gewand , das in schönen Falten niederfällt. 
Die ganze Composition dieser drei Gestalten, soviel daran auch im Einzel- 
neu beschädigt ist, hat ein sehr ansprechendes Gepräge, besonders die Würde 
"in der zur Rechten und die Naivetät in der zur Linken. Von den Medail- 
lons ist das in der Mitte grösser als die beiden andern; der darin enthal- 
tene Kopf ist entschieden männlich, dagegen der in dem Medaillon zur 
Linken, soweit die Verwitterung dieser Köpfe noch ein Urtheil zulässt, 
als ein weiblicher erscheint. 
Die nähere Erklärung dieser Personen ergiebt sich, nach meinem Da- 
fürhalten, fast von selbst aus der Inschrift. Die stehende Figur zur Rech- 
ten nimmt offenbar Abschied von der mittleren; jene bezeichnet somit einen 
Verstorbenen, diese einen Ueberlebendeu. Die Figur zur Linken, in der 
durchaus Nichts auf ein Scheiden hindeutet, muss ebenfalls als die eines 
Ueberlebendeu gefasst werden. Wir sehen in den beiden letzteren somit 
die beiden Stifter des Monuments vor uns, die dasselbe ausser ihren ver- 
storbenen Verwandten auch sich selbst (wie die Inschrift ausdrücklich an- 
zudeuten scheint) gesetzt hatten. Die Gestalt zur Rechten aber muss, da 
sie auf eine so ungleich bedeutsamere Weise hervorgehoben ist, als die 
Bilder in den Medaillons (die wir als die der übrigen Verstorbenen zu 
betrachten haben) nothwendig als diejenige gelten, welcher das Monument 
vorzüglich gewidmet war. Dies führt uns zu der, schon oben ausgespro- 
chenen Annahme, dass in den ersten Zeilen der Inschrift nur von Einer, 
aber von einer vorzüglich bedeutenden Person, wohl dem Haupte der 
Familie, die Rede war. Da sie ferner nur mit der mittleren Figur in eine 
nähere Beziehung gesetzt ist, so erkennen wir in dieser den Secundinus 
Securus, der in der Inschrift als in irgend einem nähern Verhältnjss zu 
jener Hauptperson stehend, bezeichnet wird; zugleich erkennen wir, dass 
derselbe sich noch im Jünglingsalter befand. Die Figur zur Linken stellt 
mithin den Secundinus Aventinus dar. Dies letztere findet noch eine 
zweite Bestätigung in dem weiblichen Medaillon, welches über seinem 
Haupte angebracht ist, und ohne Zweifel das Bildniss der Publia Pacata, 
die wir als die verstorbene Gemahlin des S. Aventinus betrachten dürfen, 
enthält. In den beiden andern Medaillons sehen wir endlich die Bild- 
nisse jener beiden Seitenverwandten, von denen die Inschrift ausserdcm 
noch Kunde giebt; und zwar in dem grössereu in der Mitte das des Vaters, 
des Lucius Saccius Modestus, in dem zur Rechten das des Sohnes, des 
Modestius Macedo.  Auffallend ist das Gewandstück, welches die Figur 
zur Linken, die ich für den Secundinus Aventinus halte, über ihren Hän- 
den trägt Falls nicht oberwärts auf diesem Gewande irgend ein besonde- 
rer Gegenstand liegend sollte dargestellt gewesen sein (was der gegenwär- 
tig beschädigte Zustand dieser Stelle zu entscheiden hindert), wäre ich 
ratiou wieder fortmeisseln liusse. Der Kopf und der linke Arm derselben Genau 
sind, ebenfalls schlecht, aus Gement ergänzt.
        

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