Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492554
init schmalen Bändern eingefasst, die Seiten der Abdachung, im Einschluss 
dieser Bänder, mit reihenweis geordneten Blattschuppen verziert. 
Sämmtliche freie Flächen des Monumentes sind mit Reliefsculpturen 
von nicht starker Erhebung bedeckt: die Giebelfelder, die Seiten der Attika, 
der Fries des Pilasterbaues, die grossen Felder zwischen den Pilastern, so 
wie die Flächen der letztern selbst, die Seiten des Podestes, endlich auch 
die drei Stufen zunächst unter diesem, so dass eigentlich nur die unterste 
Stufe des ganzen Denkmals unverziert erscheint. Jedes Relief, wo es nicht 
etwa (wie in den Giebeln) durch Gesimse eingefasst wird, ist Voll erhöhte" 
Rändern umgeben; sogar an den Flächen zwischen den PilaSterIl findet 
sich noch ein über die Grundfläche der bezüglichen Reliefs erhöhter Rand, 
der auch zur Seite der Pilasterkapitäle in gebogener Linie fortgeführt ist 
(welches Letztere freilich nicht einen sonderlich schönen Eindruck hervor- 
bringt). Oder vielmehr: die Reliefs sind in die Flächen des Monumentes 
gewissermaassen eingesenkt, so dass diese nur als erhöhte Ränder stehen 
bleiben, dass demnach die architektonische Wirkung nicht geradehin beein- 
trächtigtwird. Freilich macht eine so grosse Ueberfüllung mit Bildwerken 
immer einen unruhigen, für den ersten Augenblick fast verwirrenden Ein- 
druck auf den Sinn des Beschauers; doch wirkt dem ein gemessenes Styl- 
gefühl im Einzelnen, ein kluger Wechsel in den Weisen der Darstellung, 
die in den verschiedenen Abtheilungen vorherrschen, nicht unglücklich 
entgegen, besonders aber der Umstand, dass das Ganze in dem gegenseiti- 
gen Zusammenhange seiner Theile als ein Gewebe sinnvoller Symbolik 
erscheint, dass somit  wenn auch nicht geradehin als nachahmungswür- 
dig. so doch mit entschiedener Wirkung auf das Gemüth des unbefangenen 
Beschauers  das Interesse nach einer andern Seite abgeleitet wird. Das 
künstlerische Verdienst der Scnlpturen muss grossentheils als ein noch sehr 
erhebliches bezeichnet werden. Es fehlt im Einzelnen zwar nicht an Män- 
geln in der Proportion, sowie auch, bei der Darstellung bewegterer Hand- 
hingen, nicht an harten und gespreizten Stellungen. Doch sind diese Miss- 
stände. im Gegensatz gegen die im Ganzen vorherrschenden Vorzüge, nicht 
gar auffallend. Diese bestehen in einer zumeist wohlgelungenen, gemesse- 
nen Füllung des Raumes, in einer ansprechenden freien Naivetät in Stellung 
und Geberde, in einem trefflichen Ausdruck von Adel und Würde, der 
vornehmlich durch grossartige Anlage der Gewandung hervorgebracht wird, 
besonders aber in einem 110011 duTChWeä lebendigen Gefühle für das Nackte 
und für körperliche Anmuth überhaupt. Wir sehen hier, so verwittert auch 
Vieles ist, noch eine durchwgg "ißhtige römische Schule vor uns, bei der 
wir einzelne Mängel gewiss richtiger auf Rechnung ihrer Entlegenheit von 
den italienischen Kunststätten setzen werden, als wenn wir sie den Zeiten 
einer schon allgemeineren Entartung der Kunst zuschreiben wollten. Nach 
meinem Dafürhalten. in Rücksicht auf die Architektur und auf die Sculp- 
iur des Monumentes, 1st 68 am Passlichsten und unbedenklich wenigstens 
nicht gar fern von der Wahrheit, wenn wir dasselbe den Zeiten der Anto- 
Ilinei (1- h- ßtwa dem dflitßltViertel des zweiten Jahrhunderts nach Christi 
Geburt zuschreiben, somit einer beträchtlich früheren Zeit, als Trier zur 
kaiserlichen Residenz erhoben ward. 
Gehen wir nunmehr auf den Inhalt der einzelnen Darstellungen über. 
so ist die erste Frage die nach dem eigentlichen Zwecke des Denkmals. 
Diese Frage beantwortet sich sehr leicht. Eine, zwar fragmentirte Inschrift. 
die sich unter dem vorzüglichst in die Augen fallenden Relief an der Vor-
        

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