Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492543
u. wuvl 
schon an sich als das Zeugniss eines noch immer regen Lebensgefühles zu 
betrachten ist. Der Hanpttheil des Monumentes, der mittlerc Theil dessel- 
ben, besteht aus einem Pilasterbau von 20 Fuss 2 Zoll Höhe. Die Pilaster 
treten an den Ecken des Monumentes hervor und tragen ein vollständiges 
Gebälk. Dieser Bau ruht auf einem Podest von 8 Fuss Höhe, der von 
vier, wenig untereinander vertretenden Stufen (zusammen 8 Fuss 4 Zoll 
hoch) getragen wird. Ueber dem Gebälk des Haupttheilcs ist eine. mit 
einem l{ranzgesims geschmückte Attika (r lTuss 10 Zoll hoch) angeordnet. 
Ueber der letztern springt an jeder Seite em Giebel vor, und hinter den 
Giebeln erhebt sich eine pyramidale, bauchig geschweifte Spitze, die von 
dem Gesims der Attika an eine Höhe von 14 Fuss 10 Zoll erreicht. Ueber 
dieser Spitze endlich ruht ein Kapitäl von 3 Fuss 11 Zoll Höhe. welches 
einer zusammengesetzten freien Sculptur von gegenwärtig 8 Fuss 2 Zoll 
Höhe zur Unterlage dient. Der Styl in den architektonischen Details und 
Ornamenten verräth nicht minder deutlich die spätrömische Zeit, überall 
jedoch nimmt man noch eine sorgfältige Durchbildung wahr. In den Ge- 
simsprofilcn herrscht die Form des römischen Karnieses vor; alle bedeu- 
tenderen Gesimse sind mit sculptirtem Blätterwerk, zumeist in verschieden- 
artiger Akanthusbildung geschmückt. Das Kranzgesims des Pilasterbaues 
besteht aus einer Hohlkehle und zweicn Karniesen, alle drei Glieder 
reich in der eben angegebenen Art verziert, eine Anordnung, die an sich 
allerdings ziemlich schwer erscheint, die indess in dem Reichthum des 
Ganzen eine gewisse Rechtfertigung linden dürfte. Die Kapitale der Pila- 
ster gehören der sogenannten componirten Ordnung an; sie sind jedes mit 
einem menschlichen Kopf geschmückt und im Ganzen von vortreiflicher 
Wirkung; doch ist das Detail der Akanthusblätter an ihnen bereits sehr 
verwittert. Auffallend sind nur die Basen der Pilaster, die, ziemlich roh, 
nur aus einem würfelartigen Untersatze bestehen; vielleicht dass die Ab- 
sicht, die Basis, (wie alle übrigen Flächen, die dazu nur irgend geeignet 
waren) mit Sculpturen zu versehen, hier eine solche unarchitektonische 
Form veranlasst hat.  Ueber den vier Ecken der Attika, zwischen den 
Giebeln, sieht man würfelformige Vorsprünge. Die auf der Nordwest- und 
auf der Südost-Ecke gehören einer neueren Restauration an; die andern 
beiden sind alt und lassen auf ihren Seiten, zwar sehr beschädigt, die i1a_ 
chen Reliefs sitzender Figuren erkennen. (Ohne Zweifel hatten diese, jetzt 
nicht mehr zu deutenden Figuren Bezug auf die Gegenstände, die ursprüng- 
lieh aufjenen Vorsprüngen aufgestellt waren.) Die Giebel über den schma- 
leren Seiten (über der Ost- und Westseite) sind niedriger als die beiden 
andern; doch sind über ihnen schmale würfelartige Erhöhungen angebracht, 
welche die Verschiedenheiten der Höhe einigermaassen ausgleichen. Ausser- 
dem sieht man über jeder Giebelspitze viereckige Vertiefungen in der Ab- 
dachung, woraus hervor-zugehen scheint, dass hier über den Giebeln beson- 
dere Gegenstände aufgestellt waren. Aus alledem darf man mit ziemlicher 
Sicherheit entnehmen, dass die Spitzen und die Ecken der Giebg freie 
Verzierungen, vielleicht Statuen trugen; diese dürften für den architekto- 
nischen Gesammt-Eindruck des Werkes, für die freiere und mehr harmo- 
nische Entwickelung seiner Theile nach oben hin (fast möchte ich sagen; 
als eine Vordeutung auf das Princip des gothischen Thurmbaues) sehr 
günstig gewesen sein, während gegenwärtig der ganze pyramidale Obeitheil 
zu stark zugespitzt erscheint.  Die Kanten der Abdachung endlich sind
        

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