Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499300
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Studien. 
Pfälzische 
eine kleine Pfeilerbasilika war; das Kämpfergesims der Pfeiler besteht, 
eigenthümlicher Weise, aus einem grossen Karnies, mit einigen Plättchen 
unterwärts und oberwärts; über letzteren der Abacus. Das Portal der 
Westseite ist mit einiger Eleganz, namentlich in seinem reichgegliederten 
Kämpfergesimse, gebildet. In einer Scheune sieht man einige Reste des 
nördlichen Kreuztlügels, unter denen sich ein reichgeschmücktes, horizontal 
bedecktes Portal auszeichnet. Von den Pfosten desselben ist der eine mit 
einer bunten Bandverschlingung, der andre mit Blattwerk, beides im streng 
romanischen Style, versehen. Sie tragen einen grossen Architrav mit einer 
Reliefsculptur, zwei biblische Scenen enthaltend: Christus, der dem Volke 
vom Schiffe aus predigt, und Christus, der zu dem Petrus über das Meer 
geht; auch diese Arbeit, der es im Einzelnen nicht an guten alten Motiven 
fehlt, hat noch ein streng romanisches Gepräge. Ueber dem Architrav ist 
ein schweres Gesiins, aus einer hohen Schmiege mit Plättchen bestehend. 
Dies Portal gelgöft jedenfalls den ersten Bauten nach der Gründung des 
Klosters an. Die. vorhergenannten Reste der Kirche sind später,  0b aber 
erst aus der Zeit der erwähnten Unternehmungen des dreizehnten Jahr- 
hunderts, wage ich nicht mit Zuversicht zu sagen. 
In geringer Entfernung von der ehemaligen Kirche von I-Iöningen, auf 
dem Friedhofe, liegt die kleine alte Jakobskirche, in welcher gegenwärtig 
der Gottesdienst für die Bewohner des Oertchens abgehalten wird. Es ist 
ein einfaches Oblong mit einfach quadratem Chörlein. Der niedrige Rund- 
bogen, der das letztere vom Schiffe trennt, hat ein aus Platte, Pfühl und 
Hohlleisten bestehendes Kämpfergesims, den Styl des zwölften Jahrhunderts 
bezeichnend. Das Portal auf der Nordseite hat einen Architrav mit ganz 
ähnlich profilirtem Obergesims; darüber eine halbrunde Lünette mit den 
Spuren ehemaliger Malerei. Die alten, jetzt vermauerten Fenster waren ganz 
klein und schmal, ihre Halbkreisbögen je aus einem Steine gebildet. Im 
Chor ist ein später eingesetztes, sehr zierlich protilirtes Rosenfenster, von 
spätromanischer Art. Seltsam sind, oberwärts an den Ecken des Gebäudes, 
nach Nord und Süd hinaustretende consolenartige Arme, jenen Aufsätzen 
ähnlich, welche in den Arkadenfenstern romanischer Thurme über den 
Kapitälen der Säulchen als Unterlage für den breiteren Mauerbogen ange- 
bracht zu sein pflegen. Ich habe für sie keine genügende Erklärung. 
Das Städtchen Eis enbcrg, einige Stunden nördlich von Höniugen, 
bezeichnet, wie sich aus vielfachen Funden ergeben hat, die Stätte eines 
römischen Standlagers. Die Pfarrkirche hat charakteristische Theile schwer 
romanischen Styles, dem zwölften Jahrhundert angehörig: die halbrunde 
Absis und den viereckigen Raum vor diesem, darüber den in mehreren 
Geschossen schwer aufsteigenden Thurm. Die Einzelformen erinnern an 
die des eben besprochenen Jakobskirchleins von Höningen. An der Süd- 
seite des Schiffes, welches jünger ist und keine Bedeutung hat, ist die 
Lünette eines verbauten rundbogigen Portales, eben derselben Art, erhal- 
ten.  Im Inneren des Altarraumes, in der Nordwand, ist ein Tabernakel- 
schrein von schöner gothischer Formation. 
Westwärts von da, gegen den Donnersberg hin, lag das Kloster Rosen- 
thal; die Trümmer der Klosterkirche stossen gegenwärtig an ein grosses 
wirthschaftliches Gehöft, welches an die Stelle des Klosters getreten ist. 
Es war ein Cistercienser-Nonnenkloster, gegründet im Jahre 1241, die Kirche
        

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