Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492536
Das 
römisc 
Denkma 
Igel. 
Benutzung dieser jüngsten lllittheilungen und nach eigener mehrmaliger 
Besichtigung des Denkmals selbst, hebe ich mir eine Ansicht über des- 
selbe, im Ganzen und im Einzelnen, festzustellen gesucht, die ich dem 
geneigten Leser im Folgenden vorlege. 
Das Monument ist ein schlanker thurmartiger Bau von vier-eckiger Ge- 
stalt, dessen Aeusseres architektonisch durchgebilrlet und durchweg mit, 
Relief-Sculpturen geschmückt ist. Die Stellung desselben ist nach den 
Himmelsgegenden orientirt, die Hauptseite nach Süden, der Strasse und 
dem Flüsse zugewandt. Die Grundfläche misst 16 Fuss 4 Zoll in der 
Breite und 13 Fuss 7 Zoll in der Tiefe; die gegenwärtige Höhe beträgt 71 
Fuss 3 Zoll. Das Material ist ein feinkörniger weissgraucr Sandstein. Die 
Werkstücke, von verschiedener Grösse, liegen in Schichten über einander. 
die regelmässig um das ganze Monument herumlaufen; die Steine sind, 
ohne ein sonstiges Bindungsmittel. vortrefflich aufeinander gefügt. Die 
sichere Erhaltung der Gesammtmasse lässt auf sorgfältige Verankerung im 
Innern durch ein dauerhaftes Metall schliessen; besonders die Spitze, wo 
auf einem Flächenraume von 2 Fuss 5 Zoll Länge und l Fuss 11 Zoll 
Breite ein Aufsatz von etwa 120 Centner Gewicht getragen wird, berech- 
tigt zu diescm Schlusse. Herausgedrungene Spuren grünen Oxyds, deren 
chemische Untersuchung starken Kupfergehalt erkennen liess, dienen eben- 
falls zur Bestätigung dieser Ausicht. Die Steine sind von verschiedener 
Festigkeit. In vielen Partieen ist (wie bereits bemerkt) die Oberfläche 
verwittert; mancherlei Beschädigung, zum grossen Theil muthwillige, hat 
ausserdem stattgefunden, auch sind an vielen Stellen neue Steine, zur Aus- 
besserung des Scharlhaften eingesetzt; so dass uns gegenwärtig die reichen 
Cyklen der bildlichen Darstellungen nur noch in einer mehr oder minder 
fragmentarischen Gestalt entgegentreten. 
Was zunächst die architektonische Anordnung des Monuments anbe- 
trifft, so erscheint dieselbe in einer Bildung und Zusammensetzung der 
Formen, welche ein entschieden spätrtimisches Gepräge trägt, welche die 
gesetzliche Einfalt des antiker; Architekturstyles bereits vermissen lässt. 
dennoch aber einen eigcnthümlich bedeutsamen Eindruck hervorbringt und 
H. Zninpft nach dem Originale ansäelllllfle 19 Zoll hohe Modell; beschrieben 
und durch Zeichnungen erläutert von Ü. Osterwald. Mit einem Vorwort von 
Göthe. Coblenz 1829." _(D8S Nlßllßll evurde, gleich den grilsseran Studien zu 
demselben und zu der Zßlßllnllllllvml "lllem, zu diesem Behnfe erbaueten Ge- 
rüste ausgefertigt, so das? alles Einzelne lll der Nähe nntersvicht werden konnte, 
Das geistvolle Vorwort iGothes findet sich besonders abgedruckt in seinen gu- 
sammelten Werken, kleine AuSgHl-w, Bd- '44, S. 180-193). Abbildungen. die 
zwar minder genau sind, als dle 9b?" genannten), die aber den schönen Styl der 
Origiualsculptnren besser WWlf-Pgfiberl, finden sich in dem grossen Werke: "Bla- 
"lerische Ansichten der llllfrkwllrdlßslißn Alterthümer und yorzüglicher Naturanla- 
86" im Moßeltllßle bßl Trier. gez. n. lith. von J. A. Rambonx, mit erläutern- 
dem 'I'exte von J. H. Vlylltenbach." Die erste gründlich archäologische 
Erläuterung der DarSwtPllungell, auf das Osterwaldsche Werk gestützt, giebt eine 
Abhandlung von L. bchorn: nlW-WSllch einer vollständiger: Erklärung der Bild- 
werke an dem römischen Ilenkmal zu Igel," abgedruckt in den Abhandlungen der 
philosophisrHh-phllOlUgISClWII lälasse der K. bayerischen Akademie der Wissen- 
srhafwn, Bd. I. München 18.233. (S. 2a74-306). Ohne von dieserArbeit Kunde 
zu haben, und ebenso auf die Osterwalcfschen Blätter gestützt, gab ich einen 
alldem, m11" mehr die Hunptmoinente in's Ange- fassenden Erklärungsversuch, 
im Suhorifschen Kunstblatt 18401 NT- 57- f.
        

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