Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499273
November 
1853. 
mit durchaus überwiegender Wahrscheinlichkeit vorauszusetzen ist. Fertig 
aber war, wie auch v. Quast sehr richtig bemerkt, der Herstellungsbau im 
Jahre 1181 bestimmt nicht; auch wieviel davon bei der Weihung vollendet 
sein mochte, dürfte vor der Hand sehr schwer zu ermitteln sein. D10. von 
Schannat angedeutete bcsondre Feierlichkeit der Weihung, unter Beisein 
Kaiser Friedrichs  scheint liiefür von keinem wesentlichen Belang; es 
ist vielmehr durchaus nicht unzulässig, anzunehmen, dass gerade die Ge- 
genwart des Kaisers zur Beschleunigung der Weihung, die durch ihn nur 
eine höhere Würde erhalten konnte, eine Veranlassung gab, und dass man 
sich einstweilen in der Kirche mit irgend welchen interimistischen Einrich- 
tungen behalf. Dann, bei den folgenden unruhigen Zeiten, wird die wütete 
Fortführung des Baues nur sehr langsam vorgeschritten sein, wie dies die 
unzwßifßlhaften Kennzeichen der letzten Epoche des romanischen Styles, 
namentlich auch am Aeusseren des Gebäudes, bezeugen:  D16 Selten- 
schiffe dürften übrigens schon in dem alten Bau mit gewolbter Bedeckung 
versehen gewesen. die an den Rückseiten der Pfeiler vorhandenen Halb- 
säulen somit als der alten Anlage zugehörig zu betrachten sein. 
Sehr auffallend bleibt bei alledem jedoch die entschiedene Gleichar- 
tigkeit der Gesimse,  der Kämpfer, unterwärts über den Pfeilern und 
oberwärts über den Gurtträgern, und der über den Bogenstellungen des 
Schiffes durchlaufenden Horizontalgesimse.  sowie der Umstand, dass 
ebendjgselben Gesimse auch noch anderweit. an solchen Gebäuden jener 
Gegend vorkommen, welche der Spätromanischen Epoche und. der ydcs 
Ußbergangsstyles angehören. Es herrscht hierin eine etwas rundliche Ixar- 
niesform vor, zumeist in der Anordnung, dass zwei solcher Karniese über- 
einanderstehen. Bei den Kämpfergesimscn findet sich unter dem bunten 
Wechsel der in solcher Art sauber protilirten Deckglieder überalLein 
grossery schwerer, wenig ausladender Wulst, dessen Profil aus dem des 
abgerundeten Würfelkapitäles entstanden zu sein scheint und der selbst bei 
der Bekrönung der Halbsäulen die Stelle des letzteren vertritt,  eine 
Form, die den Stempel eines etwas barbarisirt künstlerischen Geschmackes 
trägt. Wir finden diese Formen, wie eben bemerkt, in der Spätzeit des 
romanischen Styles:  wir finden charakteristisch Verwandtes mit ihnen 
aber auch schon in verhältnissmässig früherer Zeit. Schon die Justinns- 
kirche von Höchst, die v. Qnast, im Widerstreit mit der bisherigen, sie 
als noch älter bezeichnenden Annahme, an den Schluss des elften Jahr- 
hunderts setzt, hat nach seiner bildlichen Mittheilnng Kämpfergesimse mit 
denselben Doppel-Karniesen; während jener grosse Kapitälwnlst in den 
missgebildcten Würfelkapitälen der Gotthardtskapelle zu Mainz seine Ana- 
loga findet. Es dürfte an sich also keinesweges unthunlich erscheinen, die 
Formation der Wormser Gesimse dem Anfange des zwölften Jahrhunderts 
zuzuschreiben. Wenn nun dieselbe Formation an den, voraussetzlich der 
Spätzeit desselben Jahrhunderts zugehörigen Theilen wiederkehrt, so würde 
dies zu der, für das Mittelalter allerdings auffälligen, immerhin jedoch 
nichts Unmögliches in sich schliessenden Annahme führen: dass man bei 
der Hgrgtellllng des alten Baues auch die alten Detailformen, in dieser 
Beziehung wenigstens nach möglichster Gleichartigkeit des Eindrnckes stre- 
band, mit Absicht copirt habe. Die Wiedereinführung diesen Formen 
konnte dann  falls für sie keine sonstige Tradition vorlag  Ihre A11- 
wendung auch bei andern der jüngeren romanischen Gebäude zur Folge
        

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