Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499235
November 
1853. 
731 
mit Bestimmtheit zu erweisen ist, nach dem Brande von 1137 fallen. 
(Die vorhandenen Gewölbe selbst sind bekanntlich jünger.) Ueber den 
Qstchm- des Domes muss ich mich, bei dem Ungenügen meiner Erinnerungen, 
eines näheren Urtheils enthalten. Nur das Eine erlaube ich mir zu be- 
merken, dass die von mir früher l) hervorgehobene Verschiedenheit des 
Materials an den östlichen Querflügeln, zumal bei dessen theilweise sehr 
ungeeigneter Beschaffenheit, nicht in der Art bedeutungslos sein dürfte, 
wie dies v. Quast (S. 13) darstellt, auch hier nicht füglich als nßeweis 
eines sehr energisch betriebenen Baues" gelten kann. Höchstens könnte 
man, an den bezüglichen Stellen, auf ein liederlich hastiges Betreiben 
desselben schliessen. 
Die Dome von Mainz und von Speyer stehen in der hiemit angenom- 
menen ursprünglichen Form kolossaler Pfeilerbasiliken für die Frühzeit 
des romanischen Styles übrigens nicht ohne Beispiel da. An den Domen 
von Augsburg und von Bremen zeigt sich dieselbe ursprüngliche Ein- 
richtung. Sie giebt sich bei diesen beiden Gebäuden insofern nur noch 
klarer zu erkennen, als die den Pfeilern zugefügten Gewölbträger hier noch 
späteren Epochen angehören und sich in ihrer jüngeren Formation noch 
auffälliger von dem Alten unterscheiden. In dem Ganzen all dieser Bau- 
anlagen ist zugleich Nichts, was den Culturverhältnissen des elften Jahr- 
hunderts irgend widerspräche; ihre kühne. fast gewaltsame und doch so 
fest in sich gehaltene Grossartigkeit dürfte vielmehr wiederum als ein sehr 
bezeichneuder Ausdruck jener Epoche zu betrachten sein.   
Ich kehre nochmals zu dem Dome von Speyer zurück. Mein dortiger 
Besuch gab mir noch zu eitrigen andern Beobachtungen Anlass. Die 
glänzende Ausstattung an Wandgemälden, Goldgründen, gemalten Zier- 
raten, mit welcher das gesarnmte Innere bedeckt ist, war völlig geeignet, 
einen lebhaften und nachwirkenden Eindruck hervorzubringen. Es ist das 
umfassendste Werk solcher Art, welches in neuerer Zeit zur Ausführung 
gekommen. Ich habe indess nicht die Absicht, hier über das, was Meister 
Schraud olp h und seine Gehülfen geschaffen, einen Bericht oder eine 
Kritik zu liefern; der ernste, religiös typische Styl dieses Künstlers ist 
bekannt, und wenn ein Norddeutscher in diesen Bildern, zumal denen 
von bewegter äusserer oder innerer Handlung, das geistig Bewegende und 
dessen entsprechende Manifestation gelegentlich vermisste, so mag hier 
aller Streit über künstlerische Grundsätze und über die Weise ihrer Be- 
Währung unberührt bleiben. Das Ganze ist ohne allen Zweifel eine durch- 
aus würdige kirchlich-künstlerische Dekoration; neben den eigentlichen 
Gemälden muss auch der vielgliedrigen, stylgemässen und in sich harmo- 
nischen Ornamentik volle Anerkennung gezollt werden. Wir wissen es 
ferner aus allerlei neueren Nachweisungen, dass das Mittelalter unter Um- 
Ständen eine thuulichst reiche Ausstattung seiner Kirchen mit Ggmäldgn 
und mit buntem Ornament gern Sah. Wir werden es zugleich an sich 
durchaus naturgemiiss linden, wenn die sich restaurirende Kirche (ich meine 
die geistige) auch ihr steinerncs Haus und Abbild so würdig und reich 
ausstattet, als es ihr durch königliche Muniticenz nur vergönnt ist. Aber 
 eine eigentliche, volle, lebenzcugcnde Wahrheit hat das Alles doch 
nicht. Das Haus, in seiner ganzen frühmittelaltel-lichen Form, spricht doch 
0 
416. 
Museum. 
Anm.) 
Blätter 
für 
bildende K: 
lnst, 
183a, 
N0 
Schrift. 
810.
        

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