Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499224
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Pfälzische Studien. 
die neue Fensteranordnung, vielleicht diesen ganzen obersten Theil der 
Wände erneuend, einrichtete. 
Nur eine Schwierigkeit macht sich bei dieser Annahme geltend; sie 
besteht in der Form der Gesimsgliederungen, die zum Theil auf eine 
spätere Zeit deuten, als diejenige ist, welcher die ursprüngliche Pfeiler- 
basilika zugeschrieben werden müsste. Jenes horizontale Gesims zwar, 
welches, von den emporsteigenden Wandvorsprüngen durchbrochen, über 
den unteren Arkaden hinläuft, hat ebenso die streng alterthümliche Form 
der Platte und schrägen Schmiege, wie dies zugleich die Form der Kämpfer- 
ansätze der Bögen der Blendnischen ist; auch erscheint sie in einzelnen 
Fällen bei den unteren Kämpfern der Pfeiler. Ueberwiegend sind die 
letzteren jedoch in bewegtercn Formen gebildet, und zwar in solchen, die 
zum grösseren Theile den Gesimsformationen der Gotthardts-Kapelle ent- 
sprechen, also ungefähr die Epoche der letzteren bezeichnen. Aber schon 
Schnaase hat bei Besprechung dieser Details darauf hingedeutet, dass 
das, SchiH des Mainzer Domes manchen Einzelreparaturen unterlegen zu 
haben scheine und dass diese Gesimse von bewegterer Formation bei 
solchen später eingefügt sein möchten. In der That halte ich dies, bei 
den vielfachen Schäden, die das Gebäude nach den alten Nachrichten er- 
litten hat (und die natürlich um so mehr an Zahl zunehmen, in ein je 
höheres Alter seine ursprünglichen Theile zurückgehen), für völlig wahr- 
scheinlich; wobei als unterstützender Grund anzuführen ist, dass diese 
reicher gegliederten Kämpfergesimse durchaus nicht nach gleichem Systeme 
gebildet sind, somit vielmehr das Gepräge der Einzelthätigkeit als das 
eines festen architektonischen Planes zur Schau tragen, und dass zugleich 
mehrere von ihnen eine Formation haben, die fiiglich selbst aus jener 
alten Bildung, welche ich als die ursprüngliche voraussetze, herausgemeis- 
selt sein konnte, dass mithin an solchen Stellen auch ein Einfügen neuer 
Steine mit Nothwendigkeit nicht anzunehmen sein dürfte. 
Die schliessliche Entscheidung über alles dies wird freilich von einer 
materiellen Lokaluntersuchung  falls eine solche bei der Tünche, die 
das Innere des Domes deckt, überhaupt ausführbar ist  zu erwarten sein. 
Einstweilen aber kann ich mit Ueberzeugung nur bei der Ansicht ver- 
harren, die in dem Kern des Mainzer Domes, ebenso wie in dem von 
Speyer, eine Pfeilerbasilika aus der Frühzeit des romanischen Styles, also 
muthmaasslich den in den Jahren zwischen 1009 und 1037 ausgeführten 
Bau (falls nicht gar, was indess wohhminder wahrscheinlich, den im 
Jahr 978 gegründeten) erkennt. Ich freue mich, dass sich mir auch hierin 
meine früher ausgesprochene Ansicht über das ursprüngliche Alter des 
Mainzer Domes für die Hauptsache bestätigt, da hier in der That, bei der 
Kahlheit der später hinzugefügten Theile, das Ursprüngliche den Gesammt- 
eindruck ebenso bestimmt, wie der letztere bei dem Speyerer Dome umge- 
kehrt durch die für (las Gewölbe berechnete durchgreifende Umwandlung 
bedingt wird. Ich bleibe also auch bei der Ansicht, dass die alten Ost- 
thürme des Mainzer Domes (die zugleich mit dem Reste des Limburger 
Rundthurmes völlig übereinstimmen und die auch v. Quast derselben 
Früh-Epoche, freilich als ihr einziges Ueberbleibsel, zuschreibt) dieser alten 
Anlage angehören. Die Umwandlung des Domes für die Zwecke des 
Gewölbes gehört dann ohne Zweifel in das zwölfte Jahrhundert und mag, 
obgleich Schnanse allerdings ganz richtig dargcthan hat, dass dies nicht
        

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