Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499200
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Pfälzische Studien. 
Anordnung gewährte der Mauermasse,  der straffen Kühnheit der Lim- 
burger Architektur ähnlich,  eine ruhig klare Gliederung, und war dabei 
vortrefflich geeignet, dem erforderlichen Schmucke der Wandmalereien 
(wie dies in geringerem Maasse auch bei der gegenwärtigen Ausführung 
derselben der Fall ist) eine rhythmisch geordnete Folge zu geben. Zll 
diesem ursprünglichen Bau gehört dann, wie schon angedeutet, die Kryptil 
des Domes und ohne Zweifel das Innere des Chores, über dessen innere 
Einrichtung mir indess kein Urtheil zusteht.  Das Aeussere des Chores 
setze ich, auf Grund der Charakteristik, die ich von demselben gegeben, 
und in Uebereinstimmung mit Schnaase, in die Epoche der Sicherungs- 
bauten, welche dort, zum Schutz gegen den Rheinandrang, etwa seit 1068, 
nöthig geworden waren. Ohne Zweifel in Verbindung hiemit, und als 
nächste Folge des Beginnes dieser Unternehmungen wird sodann das 
mächtige Aussenmauerwerk des Querhauses aufgeführt sein. Hieran reiht 
sich die Afrakapelle, die meiner Auffassung nach in die Zeit um das Jahr 
1100 fallen wird 1). Die sogenannte Krypta der 'J.'aufkapelle scheint wieder 
um Jahrzehnte jünger zu sein. Die grosse geniale Umwandlung des Domes 
zur Gewölbearchitektur kann ich, in reiflicher Erwägung aller bezüglichen 
Verhältnisse, nur in die Epoche nach dem Brande des Jahres 1159 setzen, 
meiner früheren Annahme (die in dieser Umwandlung freilich noch einen 
wirklichen Neubau voraussetzen musste) doch einigermaassen treu blei- 
bend 2) , im Einklange mit v. Quast und leider im fortgesetzten Widerspruch 
gegen Schnaase. Ich nehme übrigens an, dass diese Umwandlung in man- 
nigfacher Weise durchgreifend war, und vielleicht eine längere Zeitdauer 
in Anspruch nahm, und dass in ihrem Gefolge namentlich auch die Pracht- 
fenster des Querhauses ausgeführt wurden. Ebenso mögen hiezu schliess- 
lich die spätromanischen Elemente im Inneren des Querhauses, .auf die 
v. Quast (S. 39) aufmerksam macht und die er freilich bis an das Ende 
des dreizehnten Jahrhunderts hinabzusetzen geneigt ist, gehören.  
Was über die ursprüngliche Anlage des Domes von Speyer anzuneh- 
men ist, erhält durch eine Vergleichung mit dem Dome von Mainz noch 
grössercs Gewicht und dient umgekehrt dazu, der Annahme, die auch über 
diesen aufzustellen ist, die volle Wahrscheinlichkeit zu geben. Ich habe 
leider den Mainzer Dom in diesem Jahr nicht besuchen können und muss 
mich, neben meinen ungenügenden Erinnerungen aus früherer Zeit und 
neben dem ungenügenden bildlichen Material, welches über ihn vorliegt, 
besonders auf v. Quastls Mittheilungen beschränken. Wir verdanken 
letzterem die nähere Kenntniss der merkwürdigen Gotthardts-Kapelle zur 
1) v. Quast giebt der Afrakapelle ein sehr junges Alter, u. A. auch darauf 
gestützt, dass sich an der Ostwand derselben das frühere Vorhandensein einer 
älteren Altarnische gezeigt und hiedurch ergeben habe, dass die gegenwärtige 
Kapelle nicht die ursprüngliche sei. Ich habe aus seinen Angaben, so detaillirt 
dieselben sind, indess doch mit Sicherheit nur entnehmen können, dass die 
Afrakapellß jünger ist, als der untere Theil der Westwand des nördlichen Quer- 
schifftlügels, an den sie sich anlehnt; was übrigens auch schon der äussere An- 
blick der beiden Bautheile lehrt.  2) Die Angabe des J. 1165, die durch einen 
Zufall (durch ein hierauf bezügliches Excerpt aus Wetters Gesch. des Domes von 
Mainz, S. 29, Anm., welches unter meine übrigen Exeerpte über den Speyerer 
Dom gerathen wer) eine Stelle in der ersten Ausgabe meines Handbuches der 
Kunstgeschichte geflllldell hätte, war schon in der zweiten Auflage (1848) berich- 
tigt werden. Dies hätte durch einen Einblick in letztere bemerkt werden können.
        

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