Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499195
November 1853. 
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Gewölbebau erforderlichen Pfeilervorsprünge und Halbsäulen ihnen erst 
nachträglich eingefügt waren, und dass das ganze Gebäude höchst wahr- 
scheinlich schon ursprünglich die jetzige Ausdehnung hatte. Ob Aehn- 
liches auch bei den Arkaden des Inneren stattgefunden, d. h. ob den die 
Wände des Mittelsehiffes tragenden Pfeilern die Vorsprünge und Halbsäu- 
len ebenfalls später eingebunden wurden, liess sich nicht mit Bestimmtheit 
ermitteln, doch war mindestens einiger äusserer Anschein auch davon vor- 
handen. Ich halte dies Letztere,  d. h. das Ergebniss, dass der Dom 
ursprünglich eine einfache kolossale Pfeilerbasilika mit flachen Decken 
war, und dass diese seine ursprüngliche Anlage mit ihrem usprünglicheu 
Systeme als Kern des gegenwärtig erscheinenden Gewölbebaues (abgesehen 
natürlich von den im vorigen Jahrhundert neu hergestellten Theilen) noch 
vorhanden ist, in Erwägung aller Umstände für so wahrscheinlich, dass es 
für mich wenigstens denjenigen Grad von Gewissheit erreicht, der über- 
haupt da zu erreichen ist, wo nicht die einfache nackte Thatsache vorliegt. 
v. Quast hat bereits auf die kolossalen Dimensionen aufmerksam gemacht, 
die schon der alte Dom, nach der Ausdehnung der Mauern der Seiten- 
schiffe, gehabt haben musste; es ist hinzuzufügen, dass hiebei, für eine 
Säulenbasilika, Säulen von einer Grösse nöthig gewesen wären, die für die 
Frühzeit der deutschen Baukunst und für das rheinische, mit der Festig- 
keit antiken Materiales doch in keiner Weise zu vergleichende Baumate- 
rial ohne Beispiel ist; während starke, massive Pfeiler, tragfähig für die 
Wucht der mächtigen Oberwände dieses Mittelschiifes, hier eben als das 
vollkommen Natürliche erscheinen. Dann ist in der Pfeilerstellung, wie 
sie in dem Dome dasteht, eine gewisse schwere Starrheit, etwas ängstlich 
Gepresstes, was mit der geistvollen Ueberlegung, in welcher die zu dem 
Gewölbesystem gehörige Anordnung nach oben hin durchgeführt ist, nicht 
ganz in Einklang steht, auch wesentlich dadurch erhöht wird, dass (wie 
v. Quast ebenfalls schon bemerkt, die l-Iauptpfeiler und die Zwischcnpfeiler 
gleiche Breite haben   eine Einrichtung, die wiederum mit jenem Ge- 
wölbesystem nicht völlig stimmt, der einfachen Pfeilerbasilika jedoch natur- 
gemäss angehört. Es kommt hinzu, dass die Deckgesimse der Pfeiler und 
das über der unteren Arkade durchlaufende Horizontalgcsims (welches letz- 
tere gegenwärtig den Wandmalereien hat weichen müssen) jene primitiv 
romanische Form, aus Platte und schräger Schmiege, haben, die z. B. in 
Limburg die überall durchgehende ist. Ebenso magauch der Umstand hin- 
zugefügt werden, dass die Mächtigkeit dieser ganzen Struktur vollkommen 
geeignet war, verderblichen Einflüssen den nachhaltigsten Widerstand 
zu leisten. 
Ich bin also der Ansicht, dass die ursprüngliche Anlage des Domes. 
wie derselbe im elften Jahrhundert. nach seiner Gründung im Jahre 1030, 
ausgeführt wurde, in ihrer machtvollen Einfachheit noch gegenwärtig ganz 
wohl zu reconstruiren ist. Eigenthümlich edel und fast majestätisch er- 
scheint es hiebei, dass über den Deckgcsimsen der Pfeiler, und in der 
Breite der letzteren, das höhere Horizoutalgesims durchschneidend, Mauer- 
vorsprüngc pilastcrartig emporstiegen, zwischen denen sich halbrund über- 
wölbtc, die Oberfcnster in sich aufnehmende Blendnischen bildeten. Diese 
 In den Blättern bei Gailhabaud, Denkmäler der Baukunst, Liefer. 148 
welche den Dom von Speyer behandeln, sind die Pfeiler irrthümlieh als in de; 
Breite sehr unterschieden dargestellt.
        

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