Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499165
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Pfälzische 
Studien. 
die Epoche der ersten entschiedenen Ausbildung des romanischen Bau- 
styles, sind diese Reste, in ihrer ernsten Grösse ebenso wie in dem lebendi- 
gen Verständniss des Details, ohne Zweifel von höchst wichtiger Bedeutung- 
In der Krypta liegt, ansser den Resten ihres eignen Baues, eine Anzahl 
von Ornamentstücken, kleineren Kapitälen, Gesimsen und dergleichen, die 
ein etwas jüngeres romanisches Gepräge tragen. Unter ihnen, eigenthüm- 
lich beachtenswerth, ein Pfeiler-Kapital mit stark ineinander gerollten ioni- 
schen Voluten. Sie rühren zumeist wohl von Altären her. 
Im Jahre 1504 wurde die Kirche durch Brand zerstört; 1515 begann 
ihre Herstellung 1). Dahin gehört zunächst der in festen Quadern leicht 
und- kühn emporsteigende gothische Thurm auf der Südwestecke, der bis 
in seine Spitze erhalten ist, und die schöne malerische Wirkung der Ruine 
so wesentlich erhöht. Es lässt sich indess aus bestimmten Spuren erken- 
nen, dass er nicht blos an die Stelle des alten runden Eckthurms getreten 
ist, sondern dass er diesen selbst noch in sich einschliesst. Nach Süden 
stärker vortretend, scheint der Thurm zugleich als mächtiger Strebepfeiler 
gegen den, ohne Zweifel wankend gewordenen Bau aufgeführt zu sein. 
Aus noch jüngerer Zeit wird die Ausfüllung der Chorfenster, mit unschö- 
nem, spätestgothischem Stabwerk, herrühren. Eine hohe Mauer, die den 
Chor vom Schiffe ganz abtrennt, hat eine Inschrifttafel mit dem Datum 
1551.  
Zu der Kirche von Limburg steht der Dom von Speyer in nächster 
Wechselbeziehung. Kaiser Konrad lI. soll noch am Morgen desselben 
Tages, an welchem er den Grundstein zu jener gelegt, auch diesen ge- 
gründet haben. Aber der Speyerer Dom ward in noch mächtigeren Ver- 
hältnissen erbaut, und ungleich mannigfachere Schicksale sind über ihn 
hingegangen. Ein klarer Julitag führte uns zum Besuch des Domes in die 
Rheinebene hinaus. 
Das Innere des Domes hat in jüngster Zeit die reichste künstlerische 
Ausstattung empfangen. Es ist durchaus mit Wandgcmälden, mit Vergol- 
dung, mit vielgestaltiger farbiger Ornamentik bedeckt; ich sah diese Aus- 
führungen schon fast vollendet, die Gerüste der Maler schon ganz nach 
dem westlichen Ende der Kirche hingerückt. Das baugeschichtliche Stu- 
diums hat sich für das Innere, bei so glanzvoller Erneuung, zu bescheiden; 
es weiss hier zunächst kaum noch an etwas Andres anzuknüpfen, als an 
das Allgemeine des Systems der gewölbten Basilika, welches in diesem 
Dome freilich in höchst grossartiger, rhythmisch klarer Weise durchgeführt 
ist. Das ganze System,  auf der Grundlage ebenso massenhafter wie 
streng erhabener Verhältnisse, die füglich nur mit denen von Limburg 
verglichen werden können,  hat zugleich eine so lautere Entwickelung 
der romanischen Gewölbeprincipien, dass wir hierin, wie es scheint, auf 
die Zeit ihrer vollen Blüthe geführt werden. In Betreff des Details darf 
darauf hingedeutct werden, dass die alten Blätter-Kapitale der als Gurt- 
träger des Hauptgewölbes dienenden Halbsäulen diejenige reiche Dekora- 
tion in streng geschweiften Formen haben, welche ebenfalls der vollkom- 
men entwickelten Epoche des romanischen Styles eigen ist. Dies gilt aber 
natürlich nur von den Kapitäleu der östlichsten Theile des Schiffes, wäh- 
1) Die gründlichsten Nachrichten über die Kirche von Limburg s. bei F. X. 
Remliug, Urkundl. Gßßßhißhfß der ehem. Abteien und Klöster im jetzigen Rhein- 
bayern (Neustadt a. H, 1336), 1., S. 144, E.
        

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