Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499127
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und 
Berichte 
Kritiken 
Sculptur enthält das Bild des unbärtigen Salvators in der Mandorla, diP 
von zwei schwebenden Engeln getragen wird; rechts und links knieeud 
Anbetende. Die Arbeit gehört, wie die Kirche selbst, ohne Zweifel dem 
Schlusse des elften Jahrhunderts an und ist in der scharfstylistischen Strenge 
der Gestalten und namentlich der Gewandungen, auch in den Ornament- 
einfassungen des Ganzen, für den Charakter jener Epoche höchst bezeich- 
nend. Die Andeutungen von Färbung und Vergoldung sind auf der Ab- 
bildung wiedergegeben. 
Von Grabsteinen sind zunächst zwei des vierzehnten Jahrhunderts Zil 
nennen: der mit seltener Schönheit gearbeitete, auch in Betreff des Kostüms 
interessante des Grafen Otto von Orlamünde, in dem Orlamündischen Klo- 
ster Himmelkron, und der seiner Gemahlin, nachmaligen Aebtissin des 
Cistercienserklosters Himmelthron bei Nürnberg. Kunigunde, in der 
jetzigen Pfarrkirche dieses Ortes. Die Gräfin ist die gespenstische „Weisse 
Frau", die die Sage noch bis heute im Brandenburgischen Hause wandeln 
lässt. Beigefügt sind die Siegclbilder des Grafen und der Gräfin, das letz- 
tere ein seltenes und für die Kunsthühe des vierzehnten Jahrhunderts sehr 
bezeichnendes liieisteriverk. 
Ein andrer, in ziemlich ansehnlicher Dimension dargestellter Grab- 
stein ist der der-"Kurfürstin Anna von Brandenburg, zweiten Gemahlin 
Albrecht Aehills (gest. 1512), der sich in der Kirche von Heilsbronn in 
Franken befindet. Die in weite Gewande gehüllte Gestalt hat zu ihren 
Füssen drei Löwenhündchen; die ornamentale Umfassung des Steines ist 
mit reichem Wappenschmuck ausgestattet. Die Arbeit ist in dem einfach 
charakteristischen deutschen Style der Zeit gehaltenflnit noch eckig ge- 
brochener Gewandung, dabei aber in ebenso ernster Würde, wie mit un- 
gemeiner Zartheit, in Gesicht und Händen, durchgeführt. 
Ebenfalls in der Kirche von Heilsbronn befindet sich das Grab- 
monument des Markgrafen Georg Friedrich, der im J. 1603 gestorben war. 
Es ist ein Sarkophag, dessen Deckel die lebensgrosse Portraitfigur des 
Fürsten enthält, während an den Seiten desselben die Statuetten von acht 
seiner Vorfahren, Personen, die im vierzehnten Jahrhundert und zu An- 
fange des funfzehnten gelebt hatten, befindlich sind. Die letzteren werden 
auf zwei Blättern vorgeführt. ln diesen ist mit Feinheit und Bestimmtheit 
der spätgermanische Styl jener älteren Epoche, ohne Zweifel nach vor- 
handenen Originalsculpturen, nachgebildet worden,  ein sehr merkwür- 
diges Beispiel, dass man in der Renaissance-Epoche des siebzehnten Jahr- 
hunderts auf die mittelalterlichen Typen, mit denen man im Uebrigen 
entschieden gebrochen hatte, unter Umständen doch, und zwar in treuer 
Hingebung, zurückzugeben geneigt und vermögend war. Nur in der Be- 
handlung der Köpfe scheint die grössere Freiheit der jüngeren Zeit nicht 
vermieden zu sein. 
An Werken der Malerei wird der ritterliche Minnesinger, Graf Albrecht 
von Heigerloch, in einem Facsimile des Kampfbildes, welches ihm in den 
Gemälden des Manessdsehen Miunesinger-Codex gewidmet ist, vorgeführt. 
 Dann eine eigenthümliche Malerei auf ornamentirteni Goldgrunde, aus 
der St. Gumpertskirche zu Ansbach, welche den Kurfürsten Albrecht 
Achilles von Brandenburg mit seinen Grosswürdenträgern darstellt.  
Ferner das Portrait des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg, nach 
einem Gemälde von Lucas Cranach vom J. 1529, welches neuerlich durch 
llrn. Jarwart in der gegenwärtigen Kanzlei-Bibliothek zu Bayreuth auf-
        

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