Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499068
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Kritiken. 
und 
Berichte 
selbständig in einer Menge kleiner Schriften, auch mehr oder minder bei- 
läufig in andern WVerken mitgetheilt und besprochen. Die zum Studium 
der Kostümgeschichte erforderliche Bibliothek würde bereits ein ganz an- 
sehnliches Lokal anfüllen. Aber schon die fast ungeheuerliche Weitschich- 
tigkeit dieses Materials macht das Studium für den, dem es doch nur 
Mittel zum Zweck ist, geradehin unausführbar. Es kommt ihm naturge- 
mäss auf hundertfältige Einzelheiten an, und diese soll er sich aus hun- 
derten verschiedener Werke zusammcnstichen; es kommt ihrn auf Zuver- 
lässigkeit an und er findet, falls seine Natur überhaupt nur zu einiger kri- 
tischen Beobachtung geneigt ist, dass unter hundert Fällen vielleicht zwei 
sind, die ihn die Sache erschöpfend kennen lehren und die ihm eine nur 
einigermaassen sichere Bürgschaft für die richtige Zeitbestimmung des Mit- 
getheilten geben. Es kommt ihm auf einen verständigen Führer durch 
diese Wirrnisse an, und er sieht sich überall auf seine eignen Kräfte an- 
gewiesen, So ist alles kostümgeschichtliche Studium unsrer Künstler bisher 
nur ein dilettantistisches gewesen; sobald sie über den engen Kreis, für den 
zufällig Ueberliefertes vorliegen mochte, hinausschritten, musste sich der 
Mangel des eigentlich genetischen Verständnisses ohne Weiteres kund- 
geben. S0 hat es unsre Kunst, trotz des allgemein gefühlten Bedürfnisses, 
noch in keiner Weise dahin gebracht, auf dem ersehnten historischen 
Pfade sich nur irgendwie mit Sicherheit und Folgerichtigkeit zu bewegen. 
Das in der Ueberschrift genannte Werk ist es, welches, soviel aus dem 
vorliegenden ersten Bande zu erkennen, dem kostümgeschichtlichcn Studium 
die erforderliche sichre Begründung gewähren wird, indem es von einer 
vollständigen Kenntniss des Materials ausgeht, das Ganze wie das Einzelne 
kritisch sichtet, die Fülle der Gegenstände in strenger Folgerichtigkeit vor- 
führt und zur bestimmten selbständigen Auffassung überall diejenigen Ge- 
sichtspunkte giebt, welche auf einer wissenschaftlich geschichtlichen An- 
schauung beruhen. Der Verfasser, ursprünglich Maler, ist ebenso sehr 
Künstler wie Mann der wissenschaftlichen Forschung: er verbindet in sich 
die beiden Eigenschaften, ohne welche ein Werk wie das vorliegende 
überhaupt nicht durchzuführen wäre; er vereinigt damit noch, als ein 
drittes sehr Wesentliches, dasjenige praktische Geschick, welches zur über- 
sichtlichen, verständigen Ordnung eines aus tausend und aber tausend 
Einzelheiten erwachsenen Materiales nöthig ist. Ein Buch der Unterhal- 
tungslectüre, der geistreich spielenden Darstellung zu schaden (wozu der 
Stoff auch wohl Anlass geben konnte), lag nicht in seiner Absicht; sein 
Werk ist für das strenge Studium bestimmt, als ein solches behandelt und 
als ein solches aufzufassen. Wer das Buch mit Ernst in die Hand nimmt, 
wird sich bald überzeugen, dass dasselbe einer tieferen Auffassung so 
wenig entbehrt, wie es mit bewusster Kritik, mit künstlerischem Scharf- 
blick, mit handwerklicher Sicherheit gearbeitet ist. 
Der Umfang des Werkes ist durch den I-laupttitel angedeutet. Der 
Verfasser hat sich weder auf den engsten Begriff des Wortes Kostüm  
auf die Tracht  eingeschränkt, noch dasselbe in seinem weitesten Be- 
griffe genommen, nach welchem es auch auf eine Darstellung der Sitten, 
Gebräuche, Institutionen etc. ankommen würde. Sein Zweck war: eine 
Darstellung der "tastbaren Resultate" der Culturgeschichte, also neben der 
Geschichte der Tracht auch die der baulichen Einrichtungen und des Ge- 
räthes, d. h. eben derjenigen Dinge zu geben, deren genaue Kenntniss 
Bedürfniss aller darstellenden Kunst ist. Er beschränkt sich dabei auf die
        

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