Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499044
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Berichte und 
Kritiken 
also in Frage kommen, in wiefern überhaupt allen Chiffern seines Namens 
auf den roheren Arbeiten zu trauen ist. Aber auch in Betreff seiner künst- 
lerischen Verdienste spricht sich der Verfasser mit einer gewissen Zwei- 
deutigkeit aus; seine Zeichnung, sagt er, sei, wenn nicht untadelhaft, so 
doch "wenigstens erträglich", was mit unsrer Ansicht von Rexmon's Lei- 
stungen nicht ganz übereinstimmen will. Es scheint, als fürchte der Ver- 
fasser, der Mann könne doch vielleicht ein Deutscher sein, und es sei 
selbst für diesen unwahrscheinlichen Fall dafür zu sorgen, dass der aus- 
schliessliche Ruhm der Emailmalerei unsern werthen Nachbarn jenseit der 
Ardennen erhalten bleibe. 
 Auf eine Anzahl anonymer oder, wenn ihre Werke auch mit ChiiTern 
versehen sind, doch nicht näher nachzuweisender Emailmaler folgen dann 
die der Familien Courtois und Court, die der Verfasser, gleich seinen 
Vorgängern, auf Grund urkundlicher Quellen bestimmt unterscheidet und 
denen sich einzelne Andre einreihen:  Pierre Courtois, ein energi- 
scher, doch etwas roh manierirter Meister,  Jean Courtois, brillant 
und fein, doch rohne Geist,  Jean de Courtf ein sehr manierirter 
Künstler,  Jean Court, mit dem Beinamen Vigier, ein Künstler, der 
die Verdienste von P. Rexmon und Leonard Limosin, nur ohne die eigen- 
thümliche Eleganz des letzteren zu vereinigen weiss, Martin Didier oder 
Pape, der sich durch besondre Grösse des Styles auszeichnet;  ferner 
Susanne de Court (Tochter des Jean de C.) und Jean Limosin, mit 
denen, um den Schluss des sechzehnten Jahrhunderts, wiederum der rein 
handwerkliche Betrieb beginnt. Der letztere wird sodann, bis ins acht- 
zehnte Jahrhundert hinein, ebenfalls durch eine Reihe von Namen vertre- 
ten: durch Joseph Limosin, Martial Raymond, mehrere Maler der 
Familie Nouailher, namentlich Pierre und Jean-Baptiste, durch 
die sehr thätigen Noöl und Jean Laudin, u. A. m.  Auch noch ein 
ehrlicher deutscher Name, „L. de Sandrart", von dem sich ein so be- 
zeichnetes Stück mit der Jahrzahl 1710 in der Berliner Kunstkammer befin- 
det, gehört mit in diese Reihe. Der Name ist dem Verfasser wiederum ein 
wenig unbequem gewesen; er meint zwar, sie wären in Frankreich reich 
genug an Emailmalern; doch sagt er: man fordre den Künstler von unsrer 
Seite "zurück", auch sei das de vor dem Namen jedenfalls nicht deutsch 
(als ob die liebenswürdige Sitte unsrer guten Vorfahren, sich zu latinisiren 
oder zu französiren, nicht durch hundert und aber hundert Beispiele bekannt 
wärel). Sollte der Verfasser ihn übrigens, auf eine oder die andre Wleise, 
für Frankreich gewinnen können, so wollen wir ihm diese, an sich freilich 
sehr unbedeutende Eroberung willig zugestehen.  
Das vorliegende Werk ist, wie auch die auf dem Titel enthaltene Be- 
rnerkung angiebt, nur ein erster Theil. Ueber den Inhalt des zu erwarten- 
den zweiten Theils ist noch keine nähere Auskunft gegeben; doch geht aus 
mehrfacher vorläufiger Bezugnahme auf denselben hervor, dass er ein er- 
läuterndes Glossar und Dokumente enthalten wird, welche letzteren für die 
Verwendung der Werke der Emailkunst, im gesammten cultnrgeschicht- 
liehen Zusammenhange, und vorzugsweise für die Werke kostbaren Stoiles, 
von denen nur wenig Beispiele auf unsre Zeit gekommen, von wesentlicher 
Bedeutung sein dürften. Die bewährten Verdienste des Verfassers in der- 
artigen urkundlichen Studien und deren Verarbeitung werden sich hier 
ohne Zweifel aufs Neue in fruchtreichci- Weise bestätigen.
        

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