Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499000
708 
und 
Berichte 
Kritiken 
und mit einer naiven Kritik besser übereinstimmen, wenn wir die Eigen- 
schaft der Stadt Limoges als eines Hauptfabrikortes für diesen Zweig der 
Kunstindustrie, und schon für die in Rede stehende mittelalterliche Zeifi 
immerhin anerkennen, dabei aber auch zugestehen, dass diese einfache 
und, wie der Verfasser selbst bestätigt, nur selten durch ein besondres 
Kunstverdienst ausgezeichnete Technik ebenso gut auch an andern Orten, 
und zum Theil vielleicht in nicht ganz unerheblichem Umfange, geübt 
sein möge. 
Den allgemeinen Entwickelungsgang der Limousiner Emailarbeiten für 
die in Rede stehende Epoche, abgesehen von vielen Einzel-Ausnahmen 
und diesen oder jenen Besonderheiten, bezeichnet der Verfasser (p. 40) mit 
folgenden Worten: 
„Die Figuren ernaillirt, das Nackte farbig, der Grund durch das ver- 
goldete Metall gebildet,  elftes und zwölftes Jahrhundert. 
„Die Figuren zur Hälfte emaillirt, zur Hälfte ausgespart, das Nackte 
weiss,  Ende des zwölften Jahrhunderts. 
„Die Silhouette der Figuren im Metall ausgespart. ihre Details durch 
gravirte Linien angegeben, der Grund Email, zuerst grünlich, blau und gelb, 
hernach ein glänzendes Azurblau,  Anfang des dreizehnten Jahrhunderts. 
"Uebereinstimmung der Emaillen, was ihre Tinten betrifft, während 
der ganzen Zeit des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts; wobei die 
Unterschiede der Epochen nur nach dem Charakter der Zeichnung und 
der Sicherheit des Stiches festgestellt werden können. Für die, bei Reliefs 
angewandten Emaillen dient die Ciselirung als Wegweiser." 
Im dreizehnten Jahrhundert taucht der Name eines Limousiner Meisters 
dieses Kunstfaches auf, indem ein im Louvre befindliches Ciborium, mit 
acht Apostel- und sechzehn Engelgestalten geschmückt, die Inschrift trägt: 
Magister G. Alpais me fecit Lemovicarum. (d. L., p. 47, N0. 31). Ein 
individuell künstlerisches Element macht sich indess nicht weiter geltend, 
vielmehr gewinnt das ganze Fach nur mehr und mehr den Charakter eines 
handwerklich industriellen Betriebes, lange Zeit hindurch, wie angedeutet, 
auf gleicher Stufe beharrend. Auch war es die nur handwerkliche Ver- 
wendung der Emailfarben, ihre Unfähigkeit, in solcher Weise zur Hervor- 
bringung wirklich künstlerischer Zwecke zu dienen, was dahin führte, dass 
man in der Darstellung der Figuren der Farbe ganz entsagte und hier ein- 
fach den Grabstichel-vorwalten liess. 
Nachdem der Verfasser die Emauz en taille düäpargne besprochen, die, 
ihrem wenig werthvollen Stoffe entsprechend, in grösserer Anzahl erhalten 
sind (87 Nummern in der Sammlung des Louvre), geht er auf die andern 
Gattungen der Emailmalerei über, die theils gleichzeitig mit jenen, theils 
einer nächstfolgenden Zeit angehörig, auf kostbaren Stoffen  auf Gold 
oder vergoldetern Silber  ausgeführt wurden, deren häufiger Anwendung 
in gleichzeitigen Urkunden gedacht wird, von denen aber nur eine geringe 
Anzahl von Beispielen erhalten ist. Dies sind zunächst die nielloarti- 
gen Emaillen (Emaua: de Niellure), in denen die gravirteu breiten Um- 
risse durch einen schwarzen (gelegentlich auch farbigen) Schmelz ausgefüllt 
wurden, bis, bei feinerer Strichbehandlung, die den derberen Stotf des 
Schmelzes nicht mehr in geeigneter Weise aufzunehmen verstattete, zur 
Anwendung des eigentlichen Niello (einer Mischung von Schwefel, Blei 
und Silber) geschritten wurde. Ferner die sogenannten Emaua: cloisonnäs, 
die Emaillen mit Zwischenfäden zwischen den Farben, welche das bei den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.