Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498983
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und 
Berichte 
Kritiken. 
selben gar nicht. Unter den ägyptischen Denkmälern des Louvre erwähnt 
er selber eines Sperberfigürchens von der Höhe eines Zolles, dessen Fläche, 
zwischen erhaben stehenden Goldliuien, mit farbigen Füllungen versehen 
ist; die letzteren sind auch ihm zuerst als Email erschienen, und er be- 
zweifelt diese ihre stoffliche Eigenschaft vorzugsweise nur desshalb, weil 
es ein ganz vereinzelt stehendes Beispiel sei. Es sind diesem einen aber 
noch eine erhebliche Anzahl andrer Beispiele hinzuzufügen,  jenem glän- 
zenden Goldfunde angehörig, den Ferlini zu Meroä gemacht hatte und 
der sich jetzt in dem ägyptischen Museum zu Berlin befindet. Diese 
prächtigen Schmuckgegenstände waren bekanntlich ohne Zweifel für eine 
der äthiopischen Königinnen gefertigt und tragen. bis auf einzelne Gegen- 
stände von griechischer Form, das ägyptische Gepräge. Vier grosse und 
breite goldne Armbänder, mehrere Halsketten, andre kleinere Stücke sind 
reich mit farbiger Zierde versehen, die ebenfalls zumeist zwischen erhaben 
stehenden Goldfaden (je nach dem Charakter der dargestellten Einzelfigu- 
ren, aus denen die Dekoration besteht,)  in der Weise der von den 
Franzosen sogenannten Emauz cloisovznäs, angebracht sind. Die Farben 
sind helleres und dunkleres Blau, Grün, auch NVeiss und Schwarz zur 
Darstellung des beliebten symbolischen Ornamentes in der Form des Auges. 
Alle diese Farben erscheinen durchaus als ein harter Schmelz, der flüssig 
in die Füllungen eingelassen und in diesen in nicht gleichartiger Fläche 
erhärtet ist. Wesentlich verschieden von ihnen ist eine ausserdem vor- 
kommende rothe Füllung, die sich ebenso bestimmt als Incrustation, als 
aus eiugekitteten geschliffenen Steinchen bestehend, erkennen lässt. Auch 
kann ich ausserdem, nach einer mir freundlichst mitgetheilten Notiz des 
Hrn. Dr. Brugsch, noch ein grosses, mit dem Uräus versehenes goldnes 
Stirnband anführen, welches sich im ägyptischen Museum zu Lcyden be- 
findet und an seiner Aussenfläche blau emaillirt und mit farbigen Steinen 
besetzt ist. Die Sorge für den Ruhm seines Vaterlandes scheint Hrn. de L- 
doch etwas zu weit geführt zu haben, wenn auch nicht zu läugnen sein 
wird, dass jene Aeusserung des Philostrat immerhin nicht ganz aus der 
Luft gegriffen sein dürfte.  
Für die dunkeln Jahrhunderte des Mittelalters, nach "jenen Beispielen 
celtischer Gräber, welche der Verfasser als die ersten der Ernailmalerei 
bezeichnet, vom siebenten bis elften Jahrhundert, verschwindet. der Faden 
sofort fast gänzlich wieder; doch fehlt es wenigstens nicht durchaus an 
Andeutungen, die die Fortdauer des technischen Betriebes voraussetzen 
lassen. Dann folgt die grosse Kunstthätigkeit von Limoges, wo eine 
umfassende Industrie für den in Rede stehenden Zweck sich bereits in 
jener dunkeln Epoche musste herangebildet haben und wo, vom Ausgange 
des elften Jahrhunderts ab, das zwölfte, dreizehnte und vierzehnte Jahr- 
hundert hinßrch eine überaus grosse Menge dekorativer Kunstwerke unter 
thunlicher Verwendung des farbigen Emails entstanden ist. Es sind jene 
alterthümlichen, besonders kirchlichen Utensilien, wie solche auch bei uns 
nicht selten vorkommen, aus Kupfer bestehend oder mit kupfernen Platten 
bedeckt, deren Oberfläche mehr oder weniger durch das aufgelegte Email 
geschmückt ist. Das letztere ist hier in vertieften Feldern angebracht, in 
der Art, dass die einzelne Farbe in der Regel von dem Metallrand, wel- 
cher ihr Ausbreiten, ihre Vermischung mit andrer Farbe verhindern sollte. 
umschlossen ist. Das einfache Verfahren hat hiebei zu mannigfach ver- 
schiedener Behandlungsweise Veranlassung gegeben; theils ist nur der
        

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