Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498892
Seine Bauwerke. 
Danzig und 
697 
Aussenansicht des Stadthofes, wo der sorglich schlichten Behandlung in 
den Architekturen ein malerisch energischer Vorgrund entgegengesetzt ist 
scheint mir auf entschiedene Beachtung Anspruch zu haben. Ich glaubt; 
aber, dass es wohlgethan sein möchte, die Grenze ins Auge zu fassen, 
welche dieser Technik  als solcher  in Betreli des Malerischen ge- 
steckt und die etwa Illlr für so unbegrenzt malerische Genies wie Rem- 
bramlt nicht vorhanden ist. Oder es dürfte wenigstens darauf hinzudeutcn 
sein, dass für das überwiegend Malerische andre Darstellungsmittel sich 
vielleicht zweckmässiger eignen. Jene Hof-Ansicht, mit dem alten „Thurm 
am Stadthofe", scheint mir hiebei in Betracht zu kommen. Das Blatt ist 
allerdings sehr merkwürdig in Betreff des erreichten. malerischen Etfektes, 
aber zugleich der Art, dass dieser das Alterthiimllche, Bedeutende des 
Gegenstandes wesentlich überwiegt; ich kann dabei die Frage nicht ganz 
unterdrücken, warum dies Blatt radirt sein musste, da es doch ungleich 
einfacher und vielleicht in noch stärkerer, noch mehr gehaltener Wirkung 
durch die Mittel der Lithographie herzustellen gewesen wäre. 
Eins der Blätter, die Innen-Ansicht des südlichen Seitenschiifes von 
St. Marien, ist in jener sogenannt nstylographischen" Manier radirt, die 
vor einigen Jahren zur angeblich bequemeren Verwendung statt der alten 
erprobten Technik empfohlen wurde. Hr. Schultz scheint mir in diesem 
Blatte das Mögliche, dessen die Stylographie fähig 1st, geleistet zu haben. 
Auch hier, und besonders in den Schattenpartieen der vorderen Theile des 
Bildes, ist eine Fülle malerischer Wirkung erreicht, die alle Anerkennung 
verdient. Aber der weichere Schmelz, der sonst in den Tönen der Radi- 
rung hervorgebracht werden kann, war bei dieser trocknen Methode doch 
nicht wiederzugeben, und besonders die Darstellung der bunten Gewölb- 
formen, im oberen Theil des Bildes, hat jenen rauben, starren Ton behal- 
ten, der den Eindruck lebendiger Luftwirkung in uns nicht wohl aufkom- 
men lässt.  
Schon im zweiten Heft hatte Hr. Schultz ein stylographisch radirtes 
Blatt, eine Innen-Ansicht des Artushofes, geliefert, bei der ich mich zu 
ähnlichen Ausstellungen veranlasst sah  Er hat die, bei jener Arbeit 
gewonnene Kupfer-platte dieses Blattes gegenwärtig behufs der Ueberarbei- 
tung unter das Scheidewasser genommen und die Gewölbe des Vorgrundes 
nachgeätzt, auch mit kalter Nadel und dem Grabstichel darin nachgcar- 
beitet. Ein mir vorliegender neuer Abdruck zeigt, welche ungleich grös- 
Sere Fülle malerischen Flusses, so weich wie energisch, dadurch über die 
Schöne Darstellung ausgegossen ist. Für Liebhaber und Sammler dürfte es 
von erheblicher Wichtigkeit sein, beide Abdrücke nebeneinander ihren 
Mappen einzuverleiben. 
Es fehlt nun noch die vierte Lieferung zum Schlusse des Werkes- 
Möge dem wackeren Meister alle Freudigkeit und Rüstigkeit zur gründ- 
lichen Vollendung desselben erhalten bleiben! 
Vergl. 
oben, 
590.
        

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