Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498884
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und Kritiken. 
Berichtu 
aufsteigt und dessen Thurmspitze sich in fast verwegen barockem Style 
bunt emporgipfelt. Unter den Häusern, alle mit ihren Vor-Terrassen und 
Beischlägen versehen, zeichnet sich der vielgefeierte Artushof aus, dem 
der Künstler hier noch die breite beischlagähnliche Prachttreppe erhalten 
hat, welche in der Wirklichkeit vor einer kurzen Reihe von Jahren einem 
schmalen, ungleich dürftigeren Treppenbau weichen musste. 
3. Südliches Seitenschili" von St. Marien, Innen-Ansicht. Achteckige 
Pfeiler, mit leichten Eckprofilen versehen, massig und in erheblicher Höhe 
emporsteigend, und über dem Seitenschiff eines jener seltsamen, aus kleinen 
Kappen zellenformig zusammengesetzten Gewölbe tragend, die fast nur in 
Preussen vorkommen, während das Mittelschiif ein sternförmiges Gurten- 
gewölbe zeigt. Malerisch bunt durch die Altäre, die eingebauten Betstühle 
und Kapellen, und besonders durch die Menge alter, zum Theil schon 
sehr vermorschter Fahnen, die an den Pfeilern ausgehängt sind. 
4. Der Stadthof, wo weiland die Pferde und Karossen des wohlweisen 
Rathes gefüttert und aufbewahrt wurden, ein trefflich gruppirtes Bild ein- 
facher, und doch wiederum so eigenthümlich bezeichnender Architekturen. 
Der Stadthof bildete die südwestliche Abgrenzung der Rechtstadt Danzig 
und ist hier vom Wall aus aufgenommen. 
5. Thurm am Stadthofe, erbaut 1343, abgetragen 1846. Ebenfalls ein 
bezeichnendes, ob auch schlichtes Beispiel unsers eigenthümlichen nord- 
deutschen Wesens. Ein enger Hof mit fast rohen Wirthschaftsgebäuden 
zu den Seiten; im Grunde ein Paar ältere Gebäude, die durch Giebel- 
zierden ein charakteristisches Ansehen gewinnen und drüber empörsteigend 
der einfach derbe Bau des Thurmes, ebenfalls mit eigenthümlichen, mit- 
telalterlich gestalteten Erkergiebeln. Als Staifage ein alter Gaul, dessen 
Zähne untersucht werden,  vielleicht als Anspielung auf das Alter des 
Thurms, dessen Verlust von den Alterthumsfreunden lebhaft beklagt wurde. 
6. Detailblatt. Aufrisse der Facaden von St. Marien, St. Katharinen 
und St. Peter und Paul, nebst besonderen Einzeltheilen vom Aeusseren 
dieser Kirchen. Schätzbare Beiträge für die Formenweise des nordischen 
Backsteinbaues in seiner zumeist einfacheren und derberen Behandlung, 
sowie für das malerische Element, welches dabei zugleich, mehr oder 
weniger, in der Gruppirung hervortritt. 
Es dürfte fast überflüssig sein, zu erwähnen, dass die Blätter durch- 
weg mit klarem Verständniss der dargestellten Gegenstände gefertigt sind. 
Sie geben, wie die der früheren Hefte, mannigfache Belehrung über jene 
alterthümliehen Architekturformen und ihre Erscheinung, nachdem Jahr- 
hunderte darüber hingegangen sind. Sie werden somit auch diese Er- 
innerungen auf eine folgende Zeit hinübertragen und manch ein Werk 
wenigstens im Bilde erhalten, wie es schon jetzt bei ihnen mit verschie- 
denen, in jüngster Zeit verschwundenen Denkmalen alter Macht und Pracht 
der Fall ist. In der künstlerischen Behandlung strebt Hr. Schult; mehr 
und mehr nach einer vollen malerischen Wirkung, und er erreicht hierin 
Erfolge, die in solchem Grade bei der Technik der Radirung überhaupt. 
zumal aber in neuerer Zeit, selten sind. Als ein besonders ansprechendes 
Meisterwerk in dieser Beziehung erscheint mir das Blatt mit der Darstel- 
lung des Langen-Marktes; die bestimmte detaillirende Feinheit in der 
Angabe der wechselnden Architekturformen, verbunden mit allem Reiz 
einer energischen Licht- und Schattenwirkung dürfte mit andern Darstel- 
lungsmittcln schwerlich in solcher Weise zu erreichen sein, Auch jene
        

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