Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498840
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Kritiken. 
Berichts und 
Es kommt hinzu, dass die, die Gemälde der Alhamhra umgebenden Orna- 
mente völlig maurisch sind, dass nach der Eroberung schwerlich eine Ver- 
anlassung zur Ausführung solcher Darstellungen vorliegen konnte und 
dass man, bei der heftigen Eifersucht gegen alles Maurische, jedenfalls 
nicht Darstellungen gewählt haben würde, die u.A. den Sieg des Mauren 
über Christen, zumal ohne die Andeutung irgend einer Rache, zum Gegen- 
stande haben. 
Die Epoche, welcher die Gemälde der Alhambra nach Maassgabe ihrer 
ganzen stylistischen Eigenthümlichkeit am sichersten zuzuschreiben sind, 
erscheint auch in Berücksichtigung der äusseren geschichtlichen Verhältnisse 
als diejenige, die zur Ausführung derartiger Kunstwerke vor allen die Ge- 
legenheit zur Hand geben musste. Es war die Regierungszeit des fried- 
liebenden Königs Jussuf von Granada, der zu Anfange des fünfzehnten 
Jahrhunderts zur Regierung gekommen war. Von ihm wird in Condes, 
nach arabischen Quellen gearbeiteter "Geschichte der Herrschaft der Mau- 
ren in Spanien" (Uebersetzung von Rutschmann, Ill. S. 191) u. A. das 
Folgende erzählt:  „König Juzcf von Granada scheute den Krieg wegen 
seiner Folgen und unterhandelte im Jahre 1417 zu Anfang des Jahrs einen 
Waffenstillstand mit dem Könige von Castilien; er liess ihm die Freigebung 
von hundert gefangenen Christen ohne Lösegeld anbieten und schickte. sie 
auch in die Heimat; den Gesandten und Ministern, welche mit dem Ab- 
schlüsse dieses auf zwei Jahre festgesetzten Waffenstillstandes zu thun 
hatten, gab er noch überdies kostbare Kleinodien, wie dies die Könige von 
Grenada zu thun pflegten. S0 lange König Juzef lebte, unterhielt er nun 
fortwährenden Frieden mit den Christen, und sein Hof war gleichsam der 
Zufluchtsort aller beleidigten oder verfolgten Ritter aus Castilien und Arra- 
gon; dorthin begaben sie sich, um ihre Zwistigkeiten zu schlichten, wobei 
sie ihn zu ihrem Schiedsrichter ernannten; er räumte ihnen freie Plätze 
ein zu ihren Zweikämpfen und Gefechten in Ehrensachen; dennoch war er 
bemüht, wenn es anders Sein konnte, Frieden zu stiften; er liess ihnen die 
Schranken öffnen, erklärte sie, wenn der Kampf kaum erst begonnen, für 
wackre Ritter, und brachte die Versöhnung zu Stande, worauf sie als 
Freunde heimkehrten und mit einander in allen Ehren seinen Hof verlies- 
sen. Daher kam es, dass König Juzef von Eingebornen und Fremden sehr 
geliebt wurde, besonders aber von der Königin Mutter von Castilien, mit 
welcher König Juzef einen sehr vertrauten Briefwechsel führte; auch mach- 
ten sie Sich alle Jahre wechselseitig Geschenke, und als der König von 
Castilien das gehörige Alter erreicht hatte, um in eigner Person die Regie- 
rung zu führen, geschah es auf Anrathen seiner Mutter, dass er den mit 
König Juzef bestehenden Waffenstillstand verlängerte und ihm seine Freund- 
schaft versichern liess. So erhielt sich der Staat bei den Wohlthaten und 
der Ruhe des Friedens in voller Blüthe; die Bewohner des Königreiches 
Granada genossen in dieser gesegneten Zeit in ihren reizenden Gärten und 
lieblichen Landhäusern den Vorgeschmack paradiesischer Herrlichkeiten. 
Als König Juzef endlich jenen Augenblick des Lebens erreicht hatte, der 
auf den Tafeln des unwandelbaren Geschickes verzeichnet stand, starb er 
unversehens, ohne die geringste Uebelkeit zuvor empfunden zu haben." 
So glückliche Verhältnisse, ein so unausgesetzter freundschaftlicher 
Verkehr mit den Christen, so nahe Beziehungen zu dem castilianischeu 
Königshofe rücken jedenfalls die Möglichkeit sehr nahe, dass damals im 
rnaurischcu ltötiigsschlosse eine künstlerische Ausstattung der Art, wie
        

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