Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498810
Die Deckengemälde 
Alhambra. 
der 
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Ventionelle, kunstreich geschlängelte Windung, welche den Unteren Saum 
des betreffenden Gewandstdckes bildet und für den germanischen Typus 
so bezeichnend ist, erscheint überall in regelrnässiger Wiederkehr. So geht, 
abgesehen von der Linienführung, auch die Modellirung der Gestalten 
noch wenig über das allgemeine conventionelle Gesetz hinaus. Doch muss 
Wiederholt darauf hingedeutet werden, dass dies Alles, in seiner Weise, 
mit feinstem Gesehmacke und bewusster Sorgfalt durchgebildet erscheint. 
Die Malereien an den Wölbungen der beiden andern Nischen enthalten 
Scenen des Lebens, im romantischen Geiste der späteren Zeit der Mauren-  
herrschaft, wo mauirisches und christliches Ritterthum in lebendigster 
Wechselbeziehung standen. Jagd, Minnc, Abenteuer sind die Gegenstände 
der Darstellungen. Diese sind landschaftlich gefasst; die Gründe überall 
blau, mit verschiedenartigen Bäumen und mit Architekturen; der pflanzen- 
reiche Boden, wie die Bäume und selbst die Luft, vom mannigfachsten 
Gethier belebt. Die menschlichen Figuren in den Sccnen des Vorgrundes 
sind unter lebensgross. 
Wir betrachten zunächst die Nische zur Rechten des vom Löwenhof 
eintretenden Beschauers. Hier sieht man, an der einen Seite der Wölbung. 
eine Dame, deren Haupt mit Blumen geschmückt ist und die einen Löwen 
an einer Kette führt. Ein wilder Mann, ganz mit Haaren bedeckt und nur 
mit einem kurzen I-lesenschurz bekleidet, hat sie an beiden Händen er- 
griffen, wird aber von einem seitwärts daher sprengcnden Ritter mit der 
Lanze verwundet. Der letztere, ohne Zweifel ein Christ, trägt einen 
Schwarzen Harnisch, einen kurzen, eng anschliessenden weissen Waffenrock 
und einen rothen Schild mit drei Vögeln. Dann sieht man eine reiche, 
mit Mauern und Thürinen umgebene Schlossarchitektur, aus deren Mitte 
ein hgher Söller emporragt. Dieselbe Dame (wie es scheint) blickt von 
letzterem tlehend nach der andern Seite hinaus. Hier wird ein christlicher 
Ritter -wohl ebenfalls der vorher dargestellte, doch trägt er einen rgthgn 
Waffenrock,  von einem daher sprengenden maurischen Ritter durchbohrt 
und ist im Begriff vom Pferde zu sinken. An der andern Seite der W61- 
bring sieht man zunächst einen christlichen Ritter zu Pferde, ohne Harniseh 
der einen Bären erlegt, und einen christlichen Ritter zu Fuss, der mit 
grösster Anstrengung gegen einen Löwen kämpft. Dann wieder eine Schloss- 
äITTCiIItGklSIIT, aus deren Erkern ein Herr und eine Dame hinausschauen. Die 
enster an der. Vorderseite dieser Erker entsprechen, wie es scheint, der 
Christlich gothischen Bauweise, ebenso, wie es bei den mit hohen Spitzen 
versehenen Thürmen wohl angenommen werden darf. Zu den Seite" des 
Schlosses Sind, im Blattwerk völlig deutlich, Eichenbäume und Finken auf 
denselben dargestellt. Vor dem Schlosse sitzen ein Herr und eine Dame 
beim Schachspiel (die Figur der Dame leider fast zerstört). Die Beschaf- 
fenheit des Kostüms lässt es zweifelhaft, ob hierin christliche oder mau- 
Tische Personen dargestellt sind; wenn das erstere, wie es fast den Anschein 
hat, der Fall ist, so würde das lange Obergewand, welches der Ritter trägt, 
doch auf einen Einfluss maurischer Sitte deuten. Es folgt schliesslich ein 
maurischer Ritter zu Pferde, der eine Hindin jagt, 
Die Wölbung der Nische zur Linken ist fast ganz den Angelegenheiten 
der Jagd gewidmet 7111 Anfang der einen Seite sieht man eine Löwen- 
jagd. Ein christlicher Ritter, in rother Kaputze, die in einen sehr langen 
Zopf ausgeht, sprengt zu Pferde mit der Lanze gegen einen Löwen an, 
Kugler, Kleine Schriften. ll. 44
        

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