Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498801
Die Hauptdarstellung. Auf goldnem Grunde mit eingepressten Mustern 
sieht man hier an jeder Seite der ovalen Wölbung fünf maurische Fürsten, 
alle über lebensgross, alle in die nationell eigenthümlichen weiten Ge- 
wänder gekleidet und die Häupter umhüllt, mit Ausnahme einer Gestalt, 
welche nur einen einfachen Turban trägt und das über die Stirn geschei- 
telte Haupthaar frei hinabwallen lässt. Sie sitzen nebeneinander, auf ge- 
stickten Polstern. Jeder hat das. in der Scheide befindliche Schwert, dessen 
Gurt er über der Schulter trägt, vor sich; ein höchst würdiger Greis, die 
mittlere Gestalt der Hauptseite, die man eintretend zuerst ins Auge fasst, 
ist im Begriff, sein Schwert völlig in die Scheide zu stossen. Unter jeder 
Figur, in einem fortlaufenden zierlichen Blätterfriese, befindet sich ein 
kleiner Wappenschild, roth mit goldnen Schrägbalken,  dasselbe Wap- 
pen, welches häufig auch sonst in der Alhambra Wiederkehr-t. In grosgem 
Maassstabe, jedesmal von zwei Löwen getragen, trennt eben derselbe 
Schild, an der einen und der andern Seite. die beiden Reihen der Fürsten. 
Ob in diesen Gestalten etwa die Glieder eines bestimmten Herrscherge- 
schlcchts dargestellt sind oder welchen historischen Bezug sie sonst haben, 
bin ich ausser Stande nachzuweisen. Soviel mir aus anderweiter Lectüre 
erinnerlich, hat man das Bild auch als Darstellung einer richterlichen 
Rathsversammlung aufgefasst und giebt an, dass der Saal davon den 
Namen habe. 
Der künstlerische Styl, der der ganzen Darstellung zu Grunde liegt, 
ist der germanische in dem letzten Stadium seiner Entwickelung; ein schon 
lebhafter und feiner Sinn für die natürliche Form und für edles Verhältniss 
verbindet sich hier auf das Glücklichste mit jener Feier und Würde, wozu 
der germanische Styl so vortheilhafte Gelegenheit giebt. Es geht ein 
grossartiger Adel durch alle diese Gestalten; bei einzelnen vereinen sich 
alle Grundelemente einer wirklich erhabenen Schönheit. Bei der einfach 
ruhigen Haltung jeder Gestalt zeigt sich doch zugleich in Geberde und 
Bewegung des Oberkörpers die grösste Mannigfaltigkeit. Die Gesichter 
sind durchweg edel gebildet; die nationellen Züge der Physiognomie, am 
meisten charakteristisch bei einem, ins Profil gestellten Kopfe, erscheinen 
in sehr maassvoll gehaltener Andeutung. An Haar und Bart herrscht 
durchweg lichte Färbung vor. Nicht minder fein, wie die Bildung der 
Gesichter, erscheint die der Hände. Ueberall erkennt man hier eine künst- 
lerische Meisterhand, die ihrer Absicht ebenso sicher war, wie der Mittel, 
welche dazu führen. _Aber dies ganze künstlerische Streben, wie glücklich 
auch seine Erfolge sind, bewegt sich doch noch bestimmt innerhalb der 
Grenzen des Germanismus. Die Naivetät der Geberde, die feine Bezeich- 
nung der Einzelform ist doch noch mit einer Gesammtfassung der Gestalten 
verbunden, welche in dem typisch conventionellen Gesetze dieses Styles 
ihre Begründung findet; jene tiefere Naivetät der künstlerischen Darstellung, 
welche auf der Beobachtung des Unwillkürlichen in der natürlichen Er- 
Sßhßllltlng beruht und hiedurch erst eine selbständig freie Individualität 
schafft, ist noch nicht vorhanden. Am Entschiedensten zeigt sich dies in 
der Aßßrdnung der Gewandungen an der unteren Hälfte der Gestalten. 
Die Falten entbehren hier zwar nicht ganz des auf der körperlichen Hal- 
tung berühßllden Motivs; aber in noch höherem Grade macht sich der 
herkömmliche breite, zum Theil selbst schwere Zug der Linien (der in 
solcher Art keinesweges allein durch den etwa dargestellten schwer wol_ 
lenen Stoff der Gewandung zu erklären ist) geltend, und die völlig cnn-
        

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