Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498789
Berichte und 
Kritiken 
Ernstes ganz ausgeschlossen habe. In meinem Handbuch heisst es aber: 
Cranaeh habe Vieles mit Dürer gemein; doch trete bei ihm an die Stelle 
jenes tiefsinnigen Ernstes etc. mehr eine naive, kindliche Heiterkeit etc- 
Ich wüsste wahrlich nicht, dass hiemit etwas Andres gesagt ist, als in den 
oben angeführten eignen Worten des Verfassers, in denen er Dürer als 
den Ernstesten und Cranach als den Naivsten bezeichnet. Einzelnes unter 
den Bemerkungen meines Handbuches lässt der Verfasser gelten; in Betreff 
einzelner Bilder (sofern dieselben dort als Originale genommen) hat er 
dagegen wiederum viel zu rügen. Ich nehme diese Belehrungen, wie 
schon bemerkt, willig an und gebe demnach zu, dass hienach das Ürtheil 
über Cranach,  d. h. soweit es seine eigenhändigen Leistungen, nicht 
aber die von ihm sehr wesentlich mitvertretene Gesammtrichtuug betrifft,  
ab und zu ein wenig zu modificiren sein wird. Schnaase hat, in einer 
Recension der zweiten Auflage meines Handbuches, diese Gesammtrichtung, 
das Volksthümliche derselben, das an Volksbücher und Volkslieder Er- 
innernde, was den Cranach zum Hans Sachs der Malerei macht, in ihren 
naturgemäss gegebenen Gegensätzen sehr geistvoll näher entwickelt. Der 
Verfasser sagt, dass ihm dies Räthsel seien:  freilich wird es nöthig 
sein, den Sinn für deren Lösung mitzubringen. 
Ich aber kann schliesslich das ganze Wesen von Cranachs künstleri- 
scher Richtung hierin,  in dem zünftig Volksthümlichen und Volks- 
mässigen,  wiederum nur zusammenfassen. Wir wissen so viel wie 
Nichts aus seinen ersten zwei und dreissig Lebensjahren; wir müssen an- 
nehmen, dass er in dieser Zeit seine Kunst sehr fleissig erlernt habe, und 
wir können aus allerbestem Grunde (da eben kein Werk seiner Hand aus 
dieser Zeit bekannt ist) annehmen, dass er sie so lange fast völlig hand- 
werklich betrieben habe. Wir sehen ihn aber auch die ganze übrige Zeit 
seines Lebens hindurch als Handwerksmeister thätig, der die gemeinsten 
Arbeiten mit übernimmt, der Kunstarbeiten schockweise liefert und der 
durchaus keinen Anstand nimmt, auch Gesellenarbeiten aus seiner Werk- 
statt hinauszusenden. Wir sehen in ihm selbst einen Schnellmaler, der in 
der Schnelligkeit noch einen „Luca fa presto" übertrifft, und wir sehen 
ein solches Verfahren möglich gemacht dadurch, dass er das Charakteri- 
stische der Arbeit, wie fein immerhin, wesentlich auf den Umriss redu- 
cirt, ähnlich wie durch dasselbe Verfahren die Maler im Klosterstaate des 
Berges Athos noch heute Tausende von Figuren in wenigen Wochen aus- 
führen und dabei in ihrer Art doch auch Styl und Adel bewahren. Wir 
sehen (was solcher Schnellmalerei ebenfalls förderlichst entgegenkommt) 
seinen künstlerischen Styl bei seinem ersten, uns bekannten Auftreten 
fertig und ein halbes Jahrhundert hindurch als ein im Wesentlichen 
Feststehendes immer und immer wieder zur Anwendung gebracht. Wir 
sehen endlich in seinen Bildern Stimmung, Innigkeit, Gemüth, Laune, 
Derbheit, Humor, bunte Phantasie, ganz der Weise entsprechend, wie 
(liESB Sich in dem allgemeinen Volksgeiste äussern, und nur erst in 
sehr bedingtem Maasse vom persönlichen Künstlergeiste so erfasst und 
durßhdfllngen, dass hiedurch sich eine tiefere Erfüllung des Daseins an- 
kündigt. Seine Richtung und seine Werke und die sich ihnen mit einiger 
Würde anreihen, müssen daher für uns, als ächter Abdruck des deutschen 
Volksgeistes jener Tage, stets den allergrössten Werth haben. wenn wir 
dabei auch nicht zu den Höhen des künstlerischen Strebens geführt werden_ 
Dies allgemein Volksthümliche macht es natürlich schwerer, als in andern
        

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