Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498763
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Berichte und Kritikan. 
nach seinen Zeichnungen von Holzschueidern, wie Unzelmann und die 
beiden Vogel, geschnitten sind.  
Ich habe schliesslich noch von Cranach's künstlerischem Charakter im 
Allgemeinen und von der Bedeutung desselben zu sprechen. Was der 
Verfasser hievon meint, muss aus verschiedenen, zum Theil etwas zer- 
streuten Stellen des Werkes entnommen werden. Die Einleitung zum 
zweiten Theile enthält einige Bemerkungen über Cranaeh's Technik. Sehr 
wichtig und für Cranachs ganzes Kunstwesen charakteristisch bezeichnend 
erscheint mir die Bemerkung: dass er seine, nur mit dünner Farbe ge- 
machten Bilder in letzter Hand stets mit scharfen Umrissen beendete,  also 
das Gepräge der Zeichnung entschieden vorwalten liess. Der Verfasser hat 
sich durch vielfache sorgfältige Untersuchung überzeugt, dass, wo diese 
scharfen Couture gegenwärtig fehlen, sie stets durch unverständiges Putzen 
verloren gegangen sind. Dann fügt er noch einige äusserliche Merkzeichen 
in Betreff eigenhändiger CranacHscher Bilderihinzu:  Das Zeichen der 
geflügelten Schlange stets mit aufrecht stehenden Flügeln (Fledermaustlü- 
geln), während auf den Atelierbildern, auf denen der Söhne, Schüler und 
Nachahmer die Flügel der Schlange stets mehr oder weniger liegend (in der 
Form von Vogeltlügeln) erscheinen. Keine Anwendung von Metallgold. 
Keine runden Heiligenscheine. In den Fleischpartieen und selbst in den 
Gewändern keine scharf aufgesetzten Lichter. 
In der Einleitung zum ersten Theil bezeichnet der Verfasser Cranach 
als einen Naturalisten, der durch Talent und natürliches Gefühl überall 
sehr glücklich geleitet werde, wo es nicht auf umfassendere Kunstf0rde- 
rungen ankomme. Vorzüglich ausgezeichnet sei er in einfachen Gestalten 
und besonders als Portraitmaler. In Gestalten ernsterer Bedeutung, beson- 
ders in seinen Madonnen und Christusfigureu, habe er einen höheren Adel 
glücklich zu erreichen gewusst. Jedermann wird diesen, freilich noch 
ziemlich allgemeinen Bemerkungen gern beistimmen. Der Verfasser stellt 
Cranach ausserdem mit Dürer und Holbein zusammen, wie es scheint: als 
die drei Häupter der deutschen Kunst; Dürer sei von ihnen der gründ- 
lichste, ernsteste, umfassendste und gelehrteste,  Holbein der beste Maler 
und derjenige, welcher den meisten Geschmack hatte,  Cranach der 
naivste und der beste Colorist. Hiegegen möchte sich Einiges einwenden 
lassen. Wenn Dürer und Holbein auch wohl die grössten der deutschen 
Meister der Zeit sind, so dürfte Cranach gegenüber denn doch noch manch 
Einer, besonders von den Süddeutschen, zu nennen sein. Dann bezeichnen 
jene Drei nicht verschiedene Grundrichtungen; Oranach gehört zur Rich- 
tung Dürerls (der der fränkisch-sächsischen Schule), ziemlich in der Art, 
wie Nicolaus Manuel sich Holbein anreiht, wenn Manuel auch nicht so 
gleichartig ist, wie Cranach, und nicht so viel geschaffen hat, wie dieser. 
Und wenn der beste Maler dem besten Coloristen entgegengesetzt wird, 
so wäre doch eine nähere Definition des allerdings wohl etwas delikaten 
Unterschiedes zu wünschen gewesen. 
Wegen der weiteren Auseinandersetzungen über Cranachs Kunstcha- 
rakter verweist der Verfasser auf den Schlussabschnitt des ersten Theiles, 
der eine kritische Zusammenstellung der Urtheile verschiedener Schrift- 
steller über den alten Meister enthält. Der Verfasser überlässt es dem 
Leser, sich danach schliesslich selbst sein Urtheil zu bilden; doch ist das 
Resultat dieses Verfahrens, bei der grösseren oder geringeren, nicht immer 
ganz unbefangenen Opposition des Verfassers gegen seine Collegcxi, im
        

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