Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498727
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Berichte 
und 
Kritiken. 
Eine solche tabellarische Arbeit würde unstreitig für diesen schwierigen 
Gegenstand vom grössten Nutzen sein und zu dessen schliesslicher Auf- 
klärung in schätzbarster Weise beitragen. 
Der Verfasser giebt ferner sein Urtheil darüber ab, inwiefern er die 
aufgeführten Werke als Originalarbeiten Cranachls anerkennt, oder in ihnen 
nur eine bedingte Mitwirkung seiner Hand findet, sie als Atelierwerke, 
oder als solche, die bestimmt nur von Schülern oder Nachahmer-n des 
Meisters herrühren, zu bezeichnen sich veranlasst findet. Das für die Aus- 
dehnung des Verzeichnisses befolgte Princip ist nicht völlig klar; es scheint, 
dass der Verfasser in dieser Beziehung der gangbaren Meinung, insoweit 
diese von Arbeiten des älteren Cranach sprach, gefolgt ist. So nennt er 
in der Stadtkirche zu Wittenberg nur das grosse, seinem Inhalte nach 
jedenfalls so bedeutende Altarbild, erkennt darin aber fast durchaus Nichts, 
was an Cranach's eigne Hand erinnere. So im Dome zu Merseburg nur 
das Bild der Kreuzigung, dem er kaum den Werth eines Atelierbildes 
zugesteht. So im Dome zu Naumburg nur die beiden Altarflügel mit 
einzelnen Heiligenüguren, die er ebenfalls dem Meister abspricht. Alle 
übrigen Werke Oranachischer Schule, die z. B. in diesen Kirchen vorhanden 
sind, werden nicht etwa auch mit angeführt. 
Das grosse Altarwerk i-n der Liebfrauenkirche zu Halle hält er, der 
Annahme Passavanfs und Anderer folgend, für ein Werk, das Math. Grüne- 
wald mit Gehülfen ausgeführt habe; von Cranach, wie angenommen worden, 
findet er darin aber keine Mitwirkung. Von dem grossen Altarwerke zu 
Schneeberg, darauf wir besonders durch Waagen aufmerksam gemacht 
sind und das dieser für Cranaclrs Hauptwerk erklärt, bemerkt er, dass 
Cranach an dessen Ausführung überhaupt keinen sonderlichen Antheil 
habe und dass es wohl nur unter seiner Aufsicht von seinen Schülern ge- 
malt sei. 
Besonders ausführlich spricht der Verfasser, an verschiedenen Stellen, 
über das merkwürdige, in der Stadtkirche zu Weimar befindliche Altar- 
bild. Das Endergebniss seiner Untersuchungen ist: dass der ältere Cranach 
die Hauptfiguren des Mittelbildes  also den bei Weitem wesentlichsten 
Theil desselben  in seinem letzten Lebensjahre gemalt habe und dass 
Mittelgrund und Hintergrund von dem jüngeren Cranach und dessen Schü- 
lern herrühren; dass die Innenseiten der Flügel (mit den fürstlichen Bild- 
nissen) von dem Sohne nach vorliegender Zeichnung und begonnener Aus- 
führung des Vaters, die Aussenseiten der Flügel von Gehülfen des Sohnes 
nach dessen Erfindung und unter geringer Mitwirkung von seiner Seite 
gemalt seien. Ich bin sehr entfernt davon, der künstlerischen Analyse, 
welche der Verfasser von diesem Werke giebt, irgendwie entgegenzutreten; 
ich kenne auch das Werk nur aus flüchtiger Anschauung, die ich somit, 
zumal bei der erdenklichst ungünstigen Beleuchtung, welche das Bild hat, 
gar nicht mit in Anschlag bringen (larf; ich muss aber gestehen, dass mir 
auch nach den Auseinandersetzungen des Verfassers Manches in Betreff der 
Beschaffungßieses Bildes noch räthselhaft bleibt. Wenn Cranach sich 
selbst lebensgross auf dem Hauptbilde darstellt, und insofern geradezu als 
Hauptperson, als der Blutquell aus der Wunde des gekreuzigten Erlösers 
auf sein. des Stehenden, Haupt fällt, während die Glieder der fürstlichen 
Familie knieend auf den Seitenbildern erscheinen, so liegt in solcher Zu- 
sammenstellung, falls sie ursprünglich war, etwas fast allzu stolz Bewusstes 
und Anmaassliches, das auch die Verhältnisse jener Zeit keinesweges be-
        

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