Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498640
'57 
2 
Berichte 
und 
Kritiken 
ganz wohl zu kennen. Nichts spricht sich leichter aus, als der allgemeine 
Charakter dieser Bilder, und nirgend fast entschwindet uns, wenn wir 
die persönlich individuelle Eigenthümlichkeit des Künstlers festhalten 
wollen, der Faden leichter, als vor ihnen. Wollen wir aufrichtig sein, so 
müssen wir es bekennen, dass bisher für uns der Name Lucas Cranach 
zumeist noch die Bezeichnung eines Collectivbegriffes war. Dies liegt vor- 
erst einfach darin, dass es bisher noch an einer gründlich kritischen Arbeit 
über Meister Lucas und die grosse Zunft. die sich um ihn reiht, fehlte. 
Aber jenes verwirrende Verhältniss und der seitherige Mangel der erfor- 
derlichen kritischen Arbeit hat zugleich seinen tieferen Grund darin, dass 
die ganze künstlerische Richtung und Wirksamkeit, welche der Collectiv- 
name Cranach bezeichnet, bei all ihren, oft so anziehenden Eigenthüm- 
lichkeiten eine vorherrschend zunftmässige ist und dass es somit umfas- 
sender Vorbereitungen und sei-glich durchgeführter Spezialstudien bedarf, 
um allmählig die ganz selbstthätige Meisterhand von der seiner Mitarbeiter, 
seiner Gesellen, seiner stereotypen Nachahmer unterscheiden zu lernen. 
Mit um so grösserem Danke haben wir das in der Ueberschrift genannte 
Werk aufzunehmen, welches uns hiezu endlich die Wege bahnt. Der 
Titel desselben ist freilich nicht ganz genau; er sagt ein wenig zu viel. 
Der Verfasser giebt uns nicht Cranaclfs Leben, sondern die Materialien zu 
dessen Schilderung; er giebt uns nicht eine Beschreibung seiner Werke 
überhaupt, sondern nur derer, welche ihm durch eigne Ansicht bekannt 
geworden, also z. B. nichts Näheres über die zum Theil doch sehr wichti- 
gen Bilder von Cranach's Hand, die sich ausserhalb Deutschlands befinden. 
Dies beeinträchtigt indess den Werth des Werkes an sich in keiner Weise; im 
Gegentheil bestimmt sich derselbe von vornherein dadurch. dass uns überall 
das strengste kritische Bestreben entgegen tritt und es somit überall ein 
möglichst gesicherter Boden ist, den wir an der Hand des Verfassers 
betreten. 
Wir wenden uns, in näherer Betrachtung des Werkes, zunächst zu 
der „Lebensbeschreibung Cranach's", welche den Hauptabschnitt 
des ersten Theiles ausmacht. Die allgemeinen Züge von Cranach's Leben 
sind uns aus früheren Werken bekannt; aber diese Darstellungen sind mehr 
oder weniger getrübt, wie durch unverbürgte Ueberlieferungen, die zum Theil 
den deutlichen Stempel späterer Erfindung tragen, so durch ungenügende, 
nicht selten auch fehlerhafte Benutzung der vorhandenen literarischen 
Quellen. Hr. Schuchardt ist überall mit genauster Sorgfalt und Umsicht 
auf diese Quellen zurückgegangen und hat von ihnen an den entsprechen- 
den Stellen stets den charakteristischen Gebrauch zu machen gewusst. 
Ebenso hat er Manches der Art, was bisher ganz übersehen, aber von 
wesentlicher Bedeutung für Cranaclfs Leben war, eingereiht, vor Allem aber 
eine grosse Menge archivarischer Notizen und Urkunden, besonders aus 
den weimarischen Archiven, beigebracht, aus denen sich zum Theil höchst 
charakteristische und bezeichnende Beiträge für das Leben und die Wirk- 
samkeit des alten Meisters ergeben. S0 durfte der Verfasser mit gutem 
Rechte 535W, dass der grösste Theil seines Buches, schon in dieser Bezie- 
hullgr De" 1st; Wer von Cranach's Leben eine Anschauung gewinnen will, 
wird in de!" That fortan nur dieses Buch als gültige Quelle betrachten 
können. 
Wie Schi)" angedeuißi, enthält der genannte Abschnitt,  obgleich 
auch er den ausdrücklichen Titel führt,  keine wirkliche Heschreibtmg
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.