Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498595
Baukunst in Deutschland. 
Die 
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Selbst durch die eingeschriebenen Namen vorgöSißllt War, mit einzelnen 
Zwischenbemerkungen. Die eigentlichen Gründe und Beweise für das von 
dem Verfasser befolgte System und dessen Durchführung im Einzelnen 
sind hierin begreinieher Weise noch nicht enthaltem- Auch haben wir 
diese, nach den oben angeführten eignen NVorten des Verfassers, erst in 
dem dritten grossen Werke, Welches dellllenigen folge" S011; von dem uns 
gegenwärtig ein erster Abschnitt vorliegt, in der „Chronologie derBaukunst 
des Mittehhers", zu erwarten. Wir sind also, zu unserm aufrichtigen Leid- 
Wesen, genöthigt, der eigentlichen Prüfung seines Verfahrens bis dahin, 
dass dies dritte grosse Werk erschienen sein wird, Anstand zu geben. Es 
liegt hierin seinerseits übrigens eine ganz bestimmte Absicht. Das Tabel- 
lcnwnrk 5011, wie schon bemerkt, die Grundlage, das Fundament seiner 
Disciplin ausmachen; nWlT müssen (so sagt er in seinem einleitenden Texte) 
erst Landkarten haben, ehe wir Geographie lehren können". Dies letztere 
1st freilich richtig: die Schlussfolgerung von der Geographie auf die Bau- 
gßschichte dürfte nicht ganz unbedenklich sein. Die Richtigkeit der Land- 
karten hängt einfach von der Richtigkeit der materiellen Aufnahme ab; 
die Richtigkeit der baugeschichtlichen Tabellen von der daraufvcrwandten 
Wissenschaftlichen Kritik, was ein ander Ding ist. Nach einer Stelle in 
der Mitte von S. 5 der Einleitung scheint es aber, so sonderbar es klingt, 
dass der Verfasser auf sein System durch einen Act einer gewissen mysti- 
Scheu Offenbarung gekommen ist. 
Wie dem indess sei, jedenfalls erkennen wir auch aus dem Inhalt der 
Tabellen, dass eine vielseitige und umfassende Beschäftigung mit dem Ge- 
genstande vorausgegangen war. Nur Eins erlaube ich mir davon auszu- 
Ilehmen:  jene blau geschriebenen "Mobiler-Denkmäler". Sie verrathen 
eine zu geringe und oberflächliche Bekanntschaft mit dem betreffenden 
Gegenstande; es sind in ihnen, auch wenn sie nur eine beiläufige Bedeutung 
für das Ganze haben sollten, die vorzügliehst bezeichnenden Spitzen zu 
wenig wahrgenommen; und überhaupt erscheint dies fragmentarische Ein- 
streuen zufälliger Einzelheiten, dem für das Architektonische befolgten 
strengen System gegenüber, einigermaassen principlos. Ich habe nicht 
nöthig, dies im Einzelnen nachzuweisen; wer unsre neuere kunstgeschicht- 
liebe Literatur nicht ganz vernachlässigt hat, wird dafür mannigfache Be- 
lege beibringen können. 
Ich komme noch einmal auf den erläuternden Text der Tabellen zurück. 
Er enthält einige geistvolle culturgeschichtliche Apercüls, an die Behand- 
lllngsrveise des kunstgeschichtlichen StofTes erinnernd, in der vor Allen 
Sßhnaase  freilich in ganz ungleich ausgedehnterem Maasse  so 
Ausgezeichnetes geleistet hat. Andres aber giebt wiederum zu Bedenken 
Anlass, und da der Verfasser (wovon nachher) mit so eigcnthümlichen 
Ansprüchen auftritt, so wird es verstattet sein, hier ein PaarPunkte näher 
hervorzuheben. 
Die Architektur des elften Jahrhunderts ist nach seiner Darstellung 
noch kein Denkmalsbau, noch sogenannter Jllntergangsbati", die darin zur 
Anwendung gekommene Technik noch die „des gewöhnlichstcn und kunst- 
losesten lilaucrwerks der wohlfeilsten Art". Doch fahrt er fort: "Die Dome 
Zll Main z, zu Worms, zu Speier, welche im elften Jahrhundert errichtet 
Wurden, können bestenfalls nur Säulenbasiliken gewesen sein. so wie der 
D031 zu Bremen eine solche Säulenbasilika war, und welche alle im 
zwölften und dreizehnten Jahrhundert neu gebaut wurden". Säulen gehören
        

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