Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498588
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Borichta und 
Kritiken. 
die schwer aufzufassen sind und über die es noch schwerer ist, einen klar 
verständlichen Bericht zu geben. Die Maasse des chronographischen Netzes. 
in welches die Namen der Denkmäler hineingeschrieben, sind überaus 
künstlich berechnet und durch besondre Figuren und Ziffern auf dem 
Aeusseren jeder Tafel vorgezeichnet; ich getraue mir nicht, über diesen 
combinirten Calcül in der Kürze eine Rechenschaft abzulegen. Die Nüancen 
der Schriftformen haben überall die speciellste Bedeutung. Ebenso ist 
auch die Grösse der Buchstaben durchweg das Resultat genauster Berech- 
nung: die Fläche der Buchstaben entspricht nemlich, wie der Verfasser 
erläuternd bemerkt, als Zahl genommen jedesmal "der Quadratwnrzel aus 
dem kubischen Inhalt"  des bezüglichen Gebäudes. Das tiefere Verständ- 
niss dieser Tabellen wird also schon in äusserer Beziehung ein umfassendes 
gelehrtes Studium nöthig machen. _Ob der Verf. zu solchem Studium 
Schüler finden wird, lasse ich dahingestellt; auch mag es einem Jeden 
füglich freistehen, in den Schematismus seines Werkes einzudringen, so weit 
er dazu Muth und Vermögen hat. Dass aber der Verf. sich, mit all der 
Fülle seiner Studien. in einen so vorwiegenden Schematismus hineinar- 
beiten konnte, scheint von vornherein die ihm eigenthümliche Richtung 
charakteristisch zu bezeichnen. 
So viel über die Form und die formale Behandlung dieser Tabellen. 
Werfen wir nun einen Blick auf ihren Inhalt. 
Es liegt in der Natur der Sache und liegt zugleich in der Art und 
Weise, wie uns der Verfasser sein Werk dargeboten hat, dass hiebei auf 
die tausendtältigen Einzelheiten desselben nicht näher eingegangen werden 
kann, dass es vielmehr nur auf die Frage ankommt, wie sich die allge- 
meine historische Disposition des Werkes zu der bisher als zumeist gültig 
angenommenen Auffassung der Baugeschichte des deutschen Mittelalters 
verhält. Wesentliche Theile des Werkes stehen im Einklange mit der 
letzteren, andre ebenso wesentliche mit ihr in einigem Widerspruch; das 
erstere betrifft besonders die Denkmäler des gothischen Styles (doch zum 
Theil mit Ausschluss der deutschen Aussenländer), das zweite die Denk- 
mäler des romanischen Styles. Der Verfasser setzt unter den vorhandenen 
mittelalterlichen Gebäuden nur äusserst wenige in das elfte Jahrhundert 
und lässt die Entwickelung des romanischen Baustyles sehr allmählig erst 
im Laufe des zwölften Jahrhunderts beginnen. Er drängt somit die Ge- 
schichte dieses Styles mehr zusammen, führt ihn zum Theil auch in das 
dreizehnte Jahrhundert etwas tiefer hinab, als wir bis jetzt zumeist ange- 
nommen hatten. Wir können zwar nicht sagen, dass die etwas gründli- 
cheren Forscher neuerdings noch ein besondres Uebermaass vorhandener 
Gebäude dem elften Jahrhundert zugeschrieben. hätten; auch sind wir, wo 
wir eine Bestimmung dieser letztern Art getroffen, überall mit thunlichster 
Vorsicht zu Werke gegangen; gleichwohl verrückt der Verfasser bei seinem 
Verfahren eine immerhin bemerkbare Zahl unsrer Daten. Ausserdern setzt 
er die in den deutschen Aussenländern. in den österreichischen und be- 
sonders in den baltischen Ländern, befindlichen Baudenkmale zum Theil 
erheblich später, als wir seither angenommen hatten; er führt den roma- 
nischen Baustyl hier bis an das vierzehnte Jahrhundert hinab und lässt 
dann in kürzester Frist Uebergangsstyl und primitives und entwickeltes 
Gothisch auf einander folgen, 
Die zwei Bogen des erläuternden Tfextes zu dem Inhalt der vier Ta- 
bellen geben eine übersichtliche Schilderung dessen, was auf den Tafeln
        

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