Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498540
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Berichte und 
Kritiken. 
Inodellirten Werkes? oder in Theilen des Modelles selbst? und in welchen 
Theilen? Die Fragen möchten kaum zu beantworten sein. Noch bedenk- 
licher aber scheint es mir, die Inschrift ohne Weiteres anzufechten. Peter 
Vischer soll der eigentliche Meister sein und Johann also nur ein sehr 
sekundäres Verdienst um das Werk habenfund doch nennt der letztere 
sich ohne Weiteres als den, der das Werk gemacht hat, nennt sich so 
an einem Werke, welches der Hauptsache nach von seinem hochgefeierten 
Vater herrühren soll. nennt sich so unmittelbar nach des letzteren Tode, 
nennt sich so dem fürstlichen Hofe gegenüber, der das Werk bei dem 
Vater bestellt hatte. Wir müssten erst sehr unverdächtige Zeugnisse über 
Johann Vischefs moralische Unwürdigkeit und über die Beschränktheit 
seines Verstandes haben, wenn uns das einleuchtend werden sollte. End- 
lich, was das noch ungleich Wesentlichere anbetrifft: die Hauptsache an 
dem oberen Denkmal, die Gestalt des Kurfürsten, ist von so untergeord- 
netem Kunstwerth im Verhältniss zu Peter Vischer's unzweifelhaften Ar- 
beiten, dass sie auch ohne die Inschrift, die uns den Sohn als Urheber 
nennt, nicht als sein Werk gelten könnte.  Uns bleibt nach alledem, in 
Betreff des grossen (oberen) Denkmals, nur die Annahme: dass P. Vischer 
den Antrag zur Ausführung desselben allerdings erhalten und angenommen 
hatte, dies letztere aber vielleicht von vornherein nicht als erfindender 
Künstler, sondern als Leiter seiner Giesshütte (eine Annahme, die durch 
die Schlusswendung des Briefes vom Jahre 1524 doch nicht unbedingt 
ausgeschlossen wird), dass er die eigentliche Arbeit. zu der er immerhin 
einen flüchtigen Entwurf geliefert haben mochte, von vornherein seinem 
Sohne Johann überliess, dass dieser sie durchführte und daher schliesslich 
auch seinen Namen, ohne Kränkung der Ehre seines Vaters und ohne 
anmaasslichc Verwegenheit gegen den brandenburgischen Fürstenhof, darauf 
setzen durfte. 
Dabei hatte die Arbeit von vornherein ihre eigenthümliche Schwierig- 
keit, indem ein schon vorhandenes einfacheres Denkmal mit dem neu aus- 
zuführenden grösseren cornbinirt werden sollte. Jenes war ohne Zweifel 
bald nach dem Tode Joh. Cicerds, während Joachim I. noch minderjährig 
war. gefertigt worden und vielleicht erst zwanzig Jahre später scheint das 
Begehren nach reicherer Ausstattung desselben entstanden zu sein. Herr 
Rabe hält nur die (isolirte) Figur des Kurfürsten auf dem unteren Denkmal 
für den Rest dessen, was von dem vorhandenen beibehalten wurde, eine 
Ansicht, mit der ich wieder nicht übereinstimmen kann, indem, meiner 
obigen Darstellung zufolge, das ganze untere Denkmal in sich zu überein- 
stimmend und von dem Style des oberen zu verschieden ist; auch kommt 
hinzu, dass die Basen der Pfeiler, welche das obere Denkmal tragen, mit 
den Linien der unteren Platte nicht genau correspondiren, auch jene go- 
thischen Rosetten keine ganz angemessenen Plinthen für die Löwen ab- 
geben. Ich muss also das ganze untere Denkmal als das ältere und schon 
vorhanden gewesene betrachten und finde dies auch in dem Briefe Peter 
ViSChßFS Vßllkommen bestätigt, indem hierin dem „Grab" oder nßegräb- 
niSS" (dem anzufertigenden oberen Denkmal) die „Tafel" (das untere) ent- 
gegengesetzt wird, von deren „Form", "Stellung" und nGeschicklichkeit" 
P. V. dies oder das vergessen habe und darum die Rücksendung einer der 
Zeichnungen, diß CF darüber entworfen. erbittet. Sich so einem gegebenen 
Werke mit dem neuen zu accomodircn mochte aber schon den Künstler
        

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